Montag, 27. Dezember 2010

Idiot Nation Deutschland

Die Menschen glauben oft alles, was im Fernsehen zu sehen ist.
Bildquelle: aardb

Zum Aufstehen gibt es das "Frühstücksfernsehen", am Mittag "Punkt 12", danach sogenanntes Hartz-4-TV, "Taff" und am Abend dann irgendeinen Spielfilm. So sieht der Tag vieler deutscher Bürger aus! Es wird geguckt, was läuft. Dieser Fernesehkonsum endet bei vielen Menschen in der Maßlosigkeit und könnte fast schon als Sucht bezeichnet werden.

Statistiken sagen, dass Jugendliche ab 14 Jahren täglich etwa 4 Stunden Fernsehen konsumieren. Besonders beliebt sind dabei die sogenannten Hartz-4-TV Sendungen wie "Mitten im Leben", "Die Schulermittler" oder auch "Verdachtsfälle". Untalentierte Schauspieler versuchen in diesen Sendungen unrealistische, teilweise geschmacklose und langweilige Drehbücher umzusetzen, was bei den Zuschauern sehr gut ankommt. Viele nutzen diese Art der Unterhaltung, um ihr Selbstwertgefühl zu steigern, sich über solche "Assis" aufzuregen oder einfach zur Belustigung. Gerade die Privatsender (Pro 7, Sat 1 und RTL) setzen auf diese TV-Unterhaltung und holen damit täglich Millionen Zuschauer vor die Fernseher. Es zeichnet sich hier ein Trend ab: Anfänglich wurde nur über sozial schwache Familien und deren teilweise schlimmes Schicksal berichtet. Das sollte den Leuten wohl die Dramatik vor Augen führen. Heute können wir ansehen wie sozial schwache Familien sich gegenseitig beschimpfen, Kinder in Schlägereien verwickelt sind oder ein Mädchen Anführerin einer Gang ist. Um so absurder die Story, um so krimineller und "asozialer" die Schauspieler auftreten, desto besser. Hauptsache ist, dass es Fälle sind, die in unserem Leben nicht auftauchen, damit wir uns bloß nicht damit identifizieren können. Ganz nach dem Motto:"Das ist so assig, sowas gibts in meinem Umfeld nicht", weshalb wir auch so gut darüber lachen können. Noch mehr jedoch können sich die deutschen Fernsehkonsumenten an ekelhaften Szenarien erfreuen, die so widerlich und unrealistisch sind, dass uns das Lachen sehr leicht fällt. Wer lacht denn nicht, wenn eine Frau vom Bauch ihres Freundes Spaghetti isst oder sich ein Mann in ein mit Pudding gefülltes Planschbecken setzt? Das ist die Unterhaltung, die wir jeden Nachmittag brauchen. Unterhaltung, die besonders Jugendliche brauchen und scheinbar bewusst wollen.

Aber auch das Frühstücksfernsehen ist die pure Verdummung für Frühaufsteher und Hausfrauen. Zwar stellt sich mir schon die Frage, wer überhaupt auf die Idee kommt nach dem Aufstehen den Fernseher einzuschalten und doch machen das nicht gerade wenig Deutsche. Nicht nur, dass die Themenvielfalt ausgesprochen gering ist, sondern auch die dauerhaften Wiederholungen machen die Sendung langweilig. Wenn die beiden Moderatoren, oft Mann und Frau, um 7:42 Uhr den Einkauf von Reiner Calmund beim Metzger zeigen, mag das für die Zuschauerschaft lehrreich und spannend sein. Aber ist es nicht merkwürdig, wenn der selbe Beitrag um 9:00 Uhr nochmals gesendet wird, weil nicht genügend Material vorhanden ist, um die gesamte Sendung zu füllen? Dauernde Wiederholungen und anspruchslose Beiträge sind Hauptbestandteil des Frühstücksfernsehens.

Taff gibt sich am späten Nachmittag aber gewiss nicht die Blöße und liefert ein ähnliches Niveau: Titten, Ärsche, eimersaufende Studenten auf Malle, Promi-Scheidungen und ähnliche Beiträge umfassen das Programm von Taff. Da sollte man jedenfalls meinen, dass die Sender am Abend ein besseres Programm bieten - Leider Fehlanzeige! Wer will ständig "CSI", "Genial daneben" oder "Wer wird Millionär?" sehen? Auf "Wetten, dass...?" und "Schlag den Raab" will ich gar nicht erst weiter eingehen! Über die Qualität von Spielfilmen lässt sich streiten, weshalb ich diese von meiner Kritik ausschließe.

Das Problem ist nicht nur, dass wir diesen ganzen Quatsch konsumieren, sondern fast alles, was wir im Fernsehen gesendet bekommen, auch noch glauben. Wir glauben tatsächlich, dass Reiner Calmund bei diesem Metzger einkauft oder die "unterste Schicht" sich in Wirklichkeit so benimmt, wie wir es jeden Nachmittag sehen. Deutschland verkommt zu einer Fernsehnation - zur Idiot Nation!

Ich will Fernsehen an sich gar nicht verteufeln, da dort auch viele lehrreiche Dokumentationen und packende Spielfilme zu sehen sind und das Fernsehen sicherlich gut unterhalten kann. Doch wichtig ist: Man sollte sich nicht jeden Quatsch angucken und vor allen Dingen nicht alles glauben, was einem das Fernsehen vorsetzt. Oder sind wir Deutschen so naiv, dass wir jeglichen TV-Mist für die einzige Wahrheit halten? Mein Lösungsvorschlag lautet deshalb: Ja zum Fernsehen, aber nicht um jeden Preis. Außerdem ist zu viel Glotze auch gar nicht gesund ;-)

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