Sonntag, 30. Januar 2011

Die Outdoor-Branche ignoriert Umwelt und Menschenrechte

Chugach1
Das Geschäftsmodell der Outdoor-Firmen: Die passende Kleidung für jede Situation.
Bildquelle: By AlaskaTrekker at en.wikipedia [CC-BY-SA-2.5], from Wikimedia Commons

Matschiger Waldboden, felsige Landschaften und verschneite Gebirge - So stellen wir uns die Natur vor. Die großen Outdoor-Hersteller haben deshalb die passende Kleidung für solche Gebiete entwickelt und erreichen damit eine immer größer werdende Käuferschicht. Modisch, äußerst funktionell und zuverlässig ist Outdoor-Kleidung, weshalb die Verbraucher auch gerne mehr für solche Produkte zahlen.

"Draußen zu Hause" heißt der Slogan des sehr bekannten Herstellers Jack Wolfskin. In seinen Werbevideos wandern mehrere Leute, Männer und Frauen, durch verschiedenes Gelände und präsentieren dabei die verschiedenen Produkte: Stabile Wanderstiefel, wärmende und regenfeste Jacken und komfortable Rucksäcke. Die Produkte sehen gut aus und sind meist absolut zuverlässig im Gebrauch.
Trotz Wirtschaftskrise konnten die Unternehmen steigende Umsätze verzeichnen und rüsten schon lange nicht mehr nur Natur- und Abenteuerfreunde aus, sondern haben sich zu Herstellern angesagter Alltagskleidung entwickelt. Und genau dieser wachsende Käuferstamm wünscht mehr Transparenz und Fairness in der Produktion. Deshalb werben die Outdoor-Hersteller mit Nachhaltigkeit und fairer Produktion, um ihren Käufern ein gutes Gefühl geben zu können und die Gewinne zu maximieren - Das Image ist dennoch grün. Ein Unternehmen, dass Produkte für Naturaktivitäten fertigt, müsste doch also auch ein Interesse am Umweltschutz haben, oder? - Klingt jedenfalls sehr plausibel und ist trotzdem total daneben.

In verschiedenen Ländern, meistens China, Indien, Bangladesch oder El Salvador, lassen die Hersteller ihre Softshelljacken, Rucksäcke, Stiefel und sonstigen Produkte fertigen. Die angestellen Näherinnen und Näher erhalten dabei lebensunwürdige Hungerlöhne und müssen zahlreiche unbezahlte Überstunden leisten, weshalb viele Angestellte oft mehrere Tage am Stück fertigen müssen. In El Salvador sind solche Textilfabriken ein großes Problem, da die Arbeiter zwar den gesetzlichen Mindestlohn erhalten und dennoch nicht genügend Geld zum Leben haben. The North Face lässt einen großen Teil des Sortiments in diesen Fabriken herstellen und zahlt jedem Angestellten den gesetzlichen Mindestlohn von 174 Dollar pro Monat, wovon 3 Prozent für die Rentenversicherung und 6,2 Prozent für die Krankenversicherung abgezogen werden. Rund 158 Dollar bleiben einer solchen Arbeitskraft dann für die restlichen Ausgaben, was unter keinen Umständen für ein normales Leben ausreicht:

Die Gewerkschafterin Jeaneth Pineda sagte dazu in einem taz-Interview:"Die Miete für ein Haus kostet beispielsweise 64 Dollar monatlich. Hinzu kommen zwölf Dollar für Strom, 36 für das Schulessen der Kinder und etwa 60 Dollar für die öffentlichen Busse. Damit ist der Lohn fast aufgebraucht - aber die Erwachsenen selbst haben noch nichts gegessen. Im Gegensatz zu den Versprechen der Firmen ist die Existenz vieler Arbeiterinnen durch die niedrigen Mindestlöhne nicht gesichert." Laut Statistiken benötigt eine 4-köpfige Familie jedoch etwa 700 Dollar monatlich, um ihren Grundbedarf finanzieren zu können. Deshalb müssen besonders Frauen noch weitere Nebenjobs annehmen, um ihre Familien einigermaßen versorgen zu können.
Niemand wehrt sich gegen diese Arbeitsumstände, was allerdings auch nur bedingt möglich wäre, da ansonsten eine Kündigung droht. The North Face verbietet gezielt Gewerkschaften und begründet dieses mit der korrekten Einhaltung des Verhaltenskodex, welcher aber keine fairen Arbeitsbedingungen und faire Löhne vorsieht.

Auch beim Hersteller Jack Wolfskin sind ähnliche Mängel in der Produktionskette festgestellt worden: Im November 2004 testete die Stiftung Warentest 14 Trekking-Jacken und befragte die Firmen, ob die Funktionsjacken fair, sozial und ökologisch korrekt produziert werden. Jack Wolfskin und Lowe Alpine verweigerten allerdings jegliche Angaben. Aufgrund von wachsendem Druck der Clean Clothes Campaign entschloss sich der Hersteller zu einer Mitgliedschaft in der Fair Wear Foundation, die gewisse Sozialstandards und bessere Arbeitsbedingungen garantiert. Dennoch sind, wie bei The North Face auch, die Produkte nicht fair gehandelt und bestehen auch nicht aus Bio-Baumwolle oder ähnlichen umweltschonenden Materialien. Des Weiteren sind die Produktionsabläufe nicht umweltschonend und für die Kunden kaum nachvollziehbar.
Auch bei namenhaften Herstellern wie Fjällräven, Mammut, Marmot, Salewa, Tatonka und Vaude existieren keine fairen Produktionsabläufe. Aufgrund fehlender Transparenz ist es deshalb auch nicht möglich die einzelnen Produktionsschritte nachzuvollziehen. Außerdem wird nur wenig bis gar nicht auf nachhaltige Materialien und Produktionsabläufe gesetzt.

Momentan sind also alle namenhaften Outdoor-Produzenten abzulehnen, da diese keine glaubwürdigen und fairen Arbeitsbedingungen und Sozialstandards vorweisen können und nur wenig oder gar nicht auf nachhaltige Produktionsweisen und Materialien setzen.

Patagonia war deshalb stets die Alternative in dieser Branche und konnte dieses auch eindrucksvoll beweisen, indem hohe Arbeitsstandards, eine entsprechende Transparenz und die Verwendung von Bio-Baumwolle garantiert werden konnten. Außerdem hat Patagonia in der Vergangenheit etliche Maßnahmen zum Umweltschutz eingeleitet. In einer Studie von Juli 2010 kritisiert die Clean Cloth Campaign, dass Patagonia sich in seinem Arbeitskodex nicht zur Zahlung eines Existenzlohns verpflichtet. Es bleibt weiterhin abzuwarten, in welche Richtung sich dieser Hersteller entwickeln wird. Dennoch ist Patagonia empfehlenswerter als die anderen namenhaften Produzenten.

Außerdem möchte ich an dieser Stelle auch das Label monkee clothing empfehlen, dass zwar ein noch sehr kleines Sortiment hat und dennoch fair und ökologisch agiert. Ich zitiere dazu aus einem vorherigen Blog-Eintrag von mir:
"Auch im Outdoor-Bereich hat sich Fair Trade herumgesprochen: monkee clothing bietet robuste und stylische Kleidungsstücke, die sich ideal zum Klettern, Wandern oder zu ähnlichen Aktivitäten eignen. Alle Kleidungsstücke stammen aus fairer Produktion und wurden aus biologischer Baumwolle hergestellt. Gleichzeitig unterstützt das Unternehmen den Dian-Fossey-Gorilla-Fund und das Gorillaschutzprogramm des WWF's. Wer die Kleidungsstücke einmal in Aktion sehen will, sollte sich folgende Videos anschauen! Immer öfter ist die monkee Kleidung auch in normalen Outdoor-Läden zu bekommen - Falls nicht: Sprecht den Filialleiter an und lasst die Kleidung bestellen."

Auch der öko-faire Hersteller Nau bietet einwandfreie Kleidung, die unter fairen Arbeitsbedingungen produziert wurde. Das Unternehmen hat sich beispielsweise dem Global Organic Textile Standard verpflichtet und ist dennoch nicht teurer als andere Outdoor-Unternehmen. Leider können die Produkte bislang nur direkt aus dem Shop aus den USA bezogen werden.

Der schwedische Hersteller Klättermusen bietet gute Ansätze und bietet beispielsweise ein einzigartiges Recyclingsystem an, bei welchem Kunden ihren Pfand für alte Klättermusen Produkte im Geschäft zurückbekommen. Diese Produkte werden dann repariert und gespendet! Kleidungsstücke, die nicht mehr getragen werden können, werden für neue Rucksäcke, Jacken und sonstiges Equipment verarbeitet.
Auch der ECO-Index, welcher aufzeigt wie umweltfreundlich ein Unternehmen ist, hat 2006 ermittelt, dass Klättermusen 61 Prozent der verlangten Kriterien erfüllen konnte. Des Weiteren verteilt das Unternehmen 1 Prozent des Umsatzes auf verschiedene Umweltprojekte. Klättermusen setzt ebenfalls recyceltes Nylon und organische Baumwolle für verschiedene Produkte ein.

Wer noch weitere Hersteller kennt, die, jedenfalls teilweise, ökologisch und menschlich handeln, kann mich gerne informieren. Ich werde dann den Artikel entsprechend ergänzen.
Deutlich wird dennoch, dass in dieser Branche noch einiges zu tun ist. Das heißt: Verbesserung der Arbeitsbedingungen (faire Löhne, gerechte Arbeitszeiten, keine Kinderarbeit und Bildung von Gewerkschaften), die Fertigung mit nachhaltigen Rohstoffen (Bio-Baumwolle und recyceltes Nylon) und die Entwicklung neuer, umweltschonender Produktionswege und -materialien.

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

laut www.nau.com gibt es in GER scheinbar vier läden bzw. reseller. sind zum testen leider zu weit von hamburg entfernt ;) -> Bonn, Gudensberg, München, Stuttgart

Thorge Ott hat gesagt…

Hallo,
vielen Dank für den Kommentar! In der Tat sind die 4 Städte viel zu weit weg, um dort vor Ort die Kleidung testen zu können, was gerade bei Outdoorkleidung oft sehr vorteilhaft ist.

Momentan ist es also schwierig an Nau-Kleidung in Deutschland zu kommen. In Hamburg gibt es ja eine Vielzahl von entsprechenden Outdoorläden, die möglicherweise Nau Produkte bestellen können. Vielleicht könnte man die Ladenbesitzer davon überzeugen kleine Mengen probeweise in das Sortiment aufzunehmen.

Das wäre ein großer Schritt in die richtige Richtung!

Anonym hat gesagt…

Hey du schreibst sehr gut, allerdings fehlen mir die Quellenangaben!
Zum wissenschaftlichen Schreiben, was du hier offensichtlich anstrebst, gehört immer korrektes (direktes und indirektes) Zitieren und ein Quellenverzeichnis am Ende.
Wäre also schön, wenn du in Zukunft kennzeichnest, welche Fakten woher kommen und was dein "eigenes Gedankengut" ist.
Liebe Grüße

Thorge Ott hat gesagt…

Hey,
vielen Dank für deinen Kommentar. Du sprichst hierbei ein wichtiges Thema an, auf welches ich schon öfter hingewiesen wurde. Grundsätzlich sind meine Texte ordentlich recherchiert, sodass eigentlich auch entsprechende Quellenangaben angemessen wären.
Ich werde im kommenden Jahr diesen Punkt aufgreifen und zukünftig meine Texte mit ordentlichen Quellenangaben versehen.

Nochmals vielen Dank für deinen Kommentar und liebe Grüße!

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