Freitag, 25. Februar 2011

Nazis im Web 2.0


Nazis im Web 2.0 - Links: Autonome Nationalisten - Rechts: die klassischen braunen Waffenbrüder
Bildquelle: Screenshot by YouTube

Schon lange sind die Zeiten vorbei, wo sich Nazis ausschließlich in Szeneportalen wie dem Thiazi Forum oder Widerstand.info organisieren und austauschen. Auch sie haben begriffen, dass soziale Netzwerke und ähnliche Maßnahmen im sogenannten Web 2.0 viel effektiver sind und man sich dort deutlich bürgerlicher und harmloser präsentieren kann. Besonders für jugendliche Nachwuchskräfte ist diese Form von politischer Selbstdarstellung deutlich angenehmer als rassistische Diskussionen in Szeneportalen. Das ändert jedoch nichts an der Gesinnung und der damit verbundenen Gefahr.

Im Schuelervz gehören Nazis bereits zum alltäglichen Erscheinungsbild. Eigentlich sollte man vermuten, dass rechte Gesinnungen dort keine Chancen haben, da dort ein Verhaltenskodex gilt ("Rassistische, gewalttätige, politisch extremis­tische, sexistische, diskriminierende oder sonstige anstößige Veröffentlichungen, sowie solche, die andere Personen, Volksgruppen oder religiöse Bekenntnisse beleidigen, verleumden, bedrohen oder verbal herabsetzen, sind nicht erlaubt."), der solche Ansichten verbietet. Und dennoch schaffen es Nazis dort weiterhin ihre Ansichten zu verbreiten, da sie nicht offensichtlich wie solche auftreten, sondern durch geheime Symbole, schwammige Bezeichnungen und nicht eindeutige Formulierungen ihr Auftreten vertuschen. Wer würde schließlich in einer Gruppe wie "Deutsche Frauen - Sind die schönsten Frauen!" oder "Deutschland ist das schönste Land der Welt" automatisch Nazis vermuten? Spätestens seit der WM 2006 sehen sich auch viele andere Menschen Deutschland gegenüber sehr verbunden. Deshalb können sich Nazis auch leichter unter die normalen Nutzer mischen und bei Diskussionen in diesen Gruppen ihr braunes Gedankengut aussprechen. Man hört ihnen zu und sie gewinnen an Akzeptanz und Zustimmung.
Mit meinem eigenen Account habe ich im Schuelervz recherchiert, um herauszufinden wie aktiv Nazis dort sind und wie sich präsentieren.

Zuerst stoße ich auf Hakke, wie er sich selbst nennt. Er hört neben Techno und ähnlicher Musik auch gerne "gewisse "HEIMATKLÄNGE" ... !", womit er sehr warscheinlich verbotene rechte Musik meint. Er sagt es nicht offen, da dieses sehr schnell zu einer Löschung führen würde. Auf seinem Bild hat er sehr kurze Haare und trägt eine Harrington Jacke und ein T-Shirt mit der Aufschrift "Pitbull-Germany", was eindeutig der Naziszene zugeordnet werden kann. Pitbull, Thor Steinar, Fred Perry oder Lonsdale sind die typischsten Marken, die von Nazis verwendet werden. Beim Profilpunkt "Clubs,Vereine" nennt er seine "KAMERADSCHAFT " und auch bei der Angabe seiner Lieblingsbücher muss er ausweichen("*zensiert* - zu böhse darf man nit sagen"). Leider verfügt er über nicht so gute Deutschkenntnisse, was einer seiner Lieblingssprüche ganz gut deutlich macht:"Wer für ein/sein folk kämpft ist imer im recht!doch wenn recht zu unrecht wird wird der wiederstand zur PFLICHT!!!".
Zecken mag er gar nicht und sein Leben sollte am liebsten nur aus Feierei und Trunkenheit bestehen. Er ist beispielsweise Mitglied in der Gruppe "Wir Deutschen halten zusammen" und auch auf seiner Pinnwand sieht alles ganz normal aus: Seine Freunde scheinen nicht zwangsweise auch eine rechte Gesinnung zu haben, aber haben auch kein Problem mit seinen Profilinhalten. Er ist eben wie jeder andere nette Kollege auch. Am besten gefällt ihm übrigens der Politikunterricht in der Schule, seltsam...

Als nächstes stoße ich auf Marcel, der auch gleich mal das eiserne Kreuz in seinem Usernamen trägt. Er hat absolut kein Problem mit seiner rechten Gesinnung und ist auch extrem stolz darauf, dass er Springerstiefel mit weißen Schnürsenkeln trägt, was selbst beim Verfassungsschutz noch als rechtes Merkmal gehandelt wird, aber schon lange keine wirkliche Bedeutung mehr in der rechten Szene findet. Er ist, wie es für seine Gesinnung üblich ist, in Gruppen wie "Netz gegen Linksextreme" und "Netz gegen Kinderschänder" und glaubt gleichzeitig an Odin und das damit verbundene Heidentum, was bei Nazis als einzige Religion aufgefasst wird. Auf seiner Pinnwand hat Userin "mehliii", die sich in ihrem Profil selbst als rechts bezeichnet, gleich ein paar Einträge hinterlassen und geht ganz offen mit ihrer Gesinnung um:"mh, saq ichs ma so, ich hör gerne landser, kategorie c un sowas un hab ne schwäche für deutsche große jungs :> also nich wirklich selber echts, ich würde nie ausländer verhauen :!
hätte eh keine chance, bin aber dafür sie sollten verschwinden :!"
Pikant dabei ist, dass Landser eine rechtsextreme Band ist, die 2005 vom Bundesgerichtshof als erste Musikband zur kriminellen Vereinigung erklärt wurde. Bei der Band Kategorie C handelt es sich ebenfalls klar um eine neonazistische Band aus dem Hooligan-Milieu, die bewusst zu Gewalt im Fußball aufruft. Auf ihrem Profilbild sieht sie aber ganz und gar nicht wie das "arische Mädchen" aus, sondern wirkt eher wie eine Südländerin.
Wirklich erschreckend war ein Eintrag auf ihrer Pinnwand, wo einer ihrer "Kameraden" ein Hakenkreuz postet und es absolut niemanden stört (Bildmaterial liegt vor!). Seit dem 10.01.2011 existiert dieser Eintrag und ist für jeden sichtbar. Auch Marcel taucht dort am 07.01.2011 wieder mit folgendem Eintrag auf:"hai ..ich weiß wir kennen uns net..aber ich lass dir mal kameradschaftliche grüSSe da...."
Besonders sollte auf das "SS" geachtet werden, was seine Gesinnung sehr deutlich macht und dennoch erst auf den zweiten Blick als Nazicode identifizierbar ist.
Und so nebenbei hat User Nico auch noch ein Foto von sich hochgeladen, wo er ganz bewusst den Arm zum verbotenen Hitlergruß hebt (Bildmaterial liegt vor!).
Das ist Alltag im Schuelervz.

Aber auch in bekannten sozialen Netzwerken wie Facebook und Myspace sind Nazis aktiv. Hier tummeln sich ähnliche Inhalte und Nutzer, wobei hier das Löschen solcher Inhalte deutlich schwieriger ist, da diese Netzwerke nach US-Vorgaben agieren und somit das Recht auf freie Meinungsäußerung ("Free Speech"), egal wie hässlich diese ausfällt, sehr ernst genommen wird. Außerdem hat auch die NPD ein Profil bei Facebook und konnte dort bereits über 5000 Unterstützer gewinnen. Sie betreiben zudem Profile ihrer Landesverbände und Spitzenkandidaten, stellen rechtsextreme Videos online und bieten ihren Wählern eine weitere Plattform zum Austausch von rechtem Gedankengut. Schaut man sich die Unterstützer an, tauchen dort Nutzer auf, die eine schwarz-weiß-rote Fahne als Profilbild oder sich neben dem rechtsextremen Symbol "schwarze Sonne" fotografiert haben.

Auch YouTube gewinnt immer mehr an Beliebtheit und auch hier versuchen Nazis ihre Propaganda zu verbreiten. So stellt die NPD schon lange hier ihre Spitzenkandidaten vor, wirbt vor den Wahlen mit ihren Wahlwerbespots und Udo Voigt macht im Podcast klar, warum man NPD wählen sollte. Doch das ist noch gar nicht alles: Auch freie und autonome Nationalisten laden ihre Propaganda-Videos dort hoch und rechtsextreme Musik wie Sleipnir, Division Germania oder Nordfront ist mit nur einem Klick abrufbar.

Rechte Gesinnung kann auch sehr lukrativ sein, weshalb es eine ansteigende Zahl rechter Internetshops gibt. So kann die braune Kundschaft in Shops wie dem Patria-Versand oder dem NPD-Webshop(auch Nationales Warenhaus genannt) Deutsche Stimme rechtsextreme Kleidungsstücke oder Tonträger mit rechter Musik erwerben.

Das alles macht deutlich, dass jeder einzelne von uns täglich mit rechtem Gedankengut in Kontakt kommen kann und wir deshalb vorsichtig sein müssen. Was gilt es zu tun, wenn man selbst auf solche Inhalte stößt? - Dieses umbedingt den Betreibern der einzelnen Plattformen mitteilen und ansonsten hat man selbst kaum Möglichkeiten die Inhalte aus dem Netz zu entfernen. Jegliche sonstige rechte Seiten befinden sich in der Regel auf einem Server im Ausland, für welchen die deutsche Rechtslage dann leider nicht gilt.

1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

vielen dank für die einkaufstipps ! :-)

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