Dienstag, 8. März 2011

Warum Facebook doch nicht so cool ist

Facebook and Firefox
Facebook ist auf der ganzen Welt bekannt und erreichbar.
Bildquelle: By Frydolin (Prosím v případě využití fotografie mimo projekty WMF o uvedení titulku "Vít Luštinec, Wikipedia" / Please credit as "Vít Luštinec, Wikipedia" in case you use this outside WMF projects.). Firefox logo: Mozilla Foundation. (Own work) [http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html">GFDL, CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0, GPL, LGPL or Public domain], via Wikimedia Commons

Ich sitze nichtsahnend am Computer und bekomme via Icq einen Link zu einem Video auf der Plattform Facebook geschickt und gleichzeitig den freundlichen Aufruf:"Hey schau dir das Video mal an, voll lustig ;D" - Eigentlich hatte ich gar nicht viel Zeit und doch habe ich den Link angeklickt, um das Video anzuschauen, wenn es denn schon so lustig sein soll. Doch daraus wurde nichts, da ich auf der Seite aufgefordert wurde mich einzuloggen bzw. ein neues Konto zu erstellen. Für sowas hatte ich nun aber wirklich gar keine Zeit, weshalb ich kurz zurückschrieb:"Hey, kann das Video nicht öffnen. Ich habe kein Facebook.", was sofort Erstaunen bei meinem Gegenüber auslöste und er dann extrem verwundert fragte, warum ich kein Facebook habe. Ja, warum habe ich eigentlich kein Facebook? Warum bin ich nicht Mitglied dieses riesigen Netzwerkes, welches weit über 400.000.000 Nutzer weltweit zählt? Verpasse ich jetzt etwas?

Facebook ist eine kostenlose Plattform, die im Prinzip für jeden Menschen zugänglich ist. Etwa 95% zählen dabei jedoch zu den Nutzern unter 50 Jahren. Diese Plattform bietet viele Funktionen, die wir alle mit nur einem Klick abrufen können: Pflege von sozialen Kontakten, Einstellen und Kommentieren von Bildern, Spaß, Unterhaltung und viele weitere Funktionen. Hätte man uns noch vor 10 Jahren gefragt, ob wir das brauchen, hätten warscheinlich alle einstimmig so ein Modell abgelehnt und dennoch kommt heute kaum noch einer ohne Facebook und seine Funktionen aus. Egal, ob zu Hause vor dem Pc, mit dem IPhone+FacebookApp oder via Laptop: Facebook ist überall für uns erreichbar. Und genau das macht dieses System so reizvoll, da wir so jederzeit unsere Freunde kontaktieren, Statusnachrichten versenden oder einen Schnappschuss schnell hochladen können. Aber mal ehrlich, wen interessiert denn, ob ich gerade bei Mc Donalds sinnlos Burger in mich reinstopfe, gerade unter der Dusche stehe oder ich im Club auf der Tanzfläche voll abgehe? Und warum muss ich sofort das Bild sehen, was mein Kollege eine Minute zuvor in der H&M Umkleide geschossen hat? - Keine Ahnung! Doch die Nutzerschaft, davon bereits über 10.000.000 deutsche User, verlangen förmlich nach dieser Datenflut. Sie sitzen, teilweise stundenlang, vor dem Pc und surfen sinnlos durch das unglaubliche Netzwerk von Facebook. Danach wissen sie, wer mit wem neuerdings zusammen ist, wer wen auf der Disco-Toilette gefickt hat und was gerade für eine neue Haarfarbe angesagt ist. Herzlichen Glückwunsch, ja ehrlich...
Doch zur gleichen Zeit könnte in deinem Ort die Bank überfallen, in Afghanistan erneut ein Soldat erschossen oder dein Freund bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt worden sein. Doch das bekommt man dann leider ja nicht mit. Fakt ist: Wer bei Facebook seine Zeit vertreibt, handelt ungefähr so sinnvoll wie ein WoW-Spieler.

Dieser Hype ist in Deutschland zur Zeit besonders gut zu spüren, obwohl Facebook seit rund 6 Jahre erreichbar ist. Deutsche Nutzer haben aber erst vor rund 3-4 Monaten diese Plattform für sich entdeckt, weshalb viele andere Netzwerke erhebliche Nutzerrückgänge zu verzeichnen haben. Mir ist das im SchuelerVz sehr bewusst geworden, da ich dort vor ein paar Monaten noch über 200 "Freunde" hatte und heute bei etwa 90 bin. Fast alle haben ihren Account gelöscht und sind Mitglied bei Facebook geworden. Das sollte mich selbst eigentlich nicht stören und doch macht mir dieser Trend Angst. Nicht nur, dass wir unsere alten Gewohnheiten aufgeben und jetzt zu einer abhängigen Cybergesellschaft werden, sondern auch die Freizügigkeit der eigenen Daten ist ein echtes Problem geworden. Zwar sagt Facebook, dass die Mitgliedschaft kostenlos ist und dennoch hat so ein Account den höchsten Preis, den man zahlen kann: Die Abgabe der Privatsphäre. Und genau dafür hat Facebook sein eigenes System entwickelt, was alle relevanten Daten aus allen Nachrichten (wirklich allen!) herausfiltert und diese dann effektiv vermarktet bzw. an seine Werbepartner verkauft, die dann passende Werbung, die auf den Nutzer zugeschnitten ist, schalten!
Ein Beispiel:
Ich schreibe meinem besten Freund, dass meine Freundin mich verlassen hat und bereits nach dem Absenden erhalte ich Werbung von Partneragenturen und ähnlichem. Paradox, oder? Und genau solche Art von Werbung ist extrem effektiv und gleichzeitig richtig günstig. Jetzt bekommt der Nutzer nur noch Werbung, die ihn auch interessiert und die Werbekunden zahlen nur dann, wenn der Nutzer auch die Werbung anklickt und Interesse zeigt. Im Fernsehen konsumieren wir Werbung für beispielsweise Damenschuhe und gleichzeitig sehen diese Werbung Männer und Frauen, obwohl die Firma nur Frauen damit erreichen wollte. Das ist also viel zu teuer und nicht effektiv genug. Von diesen rund 10.000.000 deutschen Nutzern sind etwa 94% in der interessanten/relevanten Zielgruppe unter 50 Jahren, was für die Werbetreibenden noch von viel größerem Vorteil ist. Sie erreichen Schüler, Studenten und andere junge Leute - eine sehr wichtige Zielgruppe also! So kostenlos ist das also nicht, wenn Facebook wirklich alles über uns weiß und abspeichert, damit es für wirtschaftliche Interessen missbraucht werden kann.
Außerdem sind auch die Privatsphäre-Einstellungen so kompliziert, dass viele Nutzer gar nicht den Überblick behalten können, um alle privaten Daten ausblenden zu können. Das ist natürlich die Strategie: Wenn die Nutzer viel ausblenden, kann es nicht wirtschaftlich genutzt werden. Deshalb werden die User verwirrt und das Profil bleibt größtenteils offen, obwohl man zugleich natürlich Privatsphäre-Einstellungen anbietet. Dürfen die das überhaupt alles? - Klar, mit der Bestätigung der AGBs akzeptiert jeder User diese Richtlinien, die ohnehin so kompliziert und verwirrend geschrieben und aufgebaut sind, dass kaum einer da durchsteigen kann und will.

Was kann ich machen, wenn ich also mein Profl löschen möchte? - Viel kann man da selbst nicht machen, da ein Facebook Profil dauerhaft bestehen bleibt. Es kann also nicht gelöscht werden. Sollte man selbst also morgen plötzlich bei einem Unfall sterben, bleibt das Profil dauerhaft. Irgendwie eine kranke Vorstellung, wenn ein Bekannter verstorben ist und man ihm trotzdem noch Nachrichten via Facebook schicken kann, oder?
Und ganz nebenbei können dann auch noch Nazis ihr Gedankengut dort verbreiten.

Wer das alles nicht glaubt oder gar keine Lust zum Lesen dieses Textes hat (ja, ich weiß, auf Facebook gibt es nie so lange Texte...), kann auch gerne das Video von Alexander Lehmann anschauen, welches die Fakten nochmals sehr deutlich macht:




Facebook ist eben doch nicht so cool, wie alle immer behaupten...

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Du vergisst zu erwähnen, dass man mit dem Upload eines Bildes auf Facebook auch automatisch alle Rechte daran abtritt.
Dazu kommt, dass eine Soziale Verarmung gefördert wird. Man spricht nichtmehr mit den Leuten und die Anonymität des Internets weckt in manch einem unbekannte Seiten. In erster Linie wird es der altbekannte Trend und Herdenzwang sein, dem der Mensch unterliegt. Nur die wenigen, die die Dinge hinterfragen und weit genug denken können dem standhalten. Gut getroffen ist der Selbstdarstellungszwang. Im Internet kann jeder alles mögliche über sich schreiben. Unter Umständen kann man die Wahrheit nicht kontrollieren. Ich wehre mich ebenfalls seit langem dagegen, Mir einen Facebook Account zuzulegen. Mit Erfolg, denn ich werde der Datenkrake nicht noch meine Daten in den Rachen schieben.
Als nächstes sollte man mal so weit denken, dass das Internet ein irrealer Raum ist, der an sich überhaupt nicht real existiert. dennoch verschwenden Millionen von Leuten ihre Zeit damit auf Facebook zu surfen, um mit ihren Freunden zu schreiben... jetzt die entscheidende Frage... Was hat man davon?
Wer jetzt antwortet "Man bleibt in Kontakt mit seinen Freunden" sollte einmal scharf darüber nachdenken, ob man nicht vielleicht mal auf das altbewährte Mittel Telefon zurückgreifen sollte oder noch besser, wenn man mit Freunden in Kontakt bleiben will, warum nicht einfach mal etwas mit ihnen unternehmen oder sich einfach mal so nachmittags treffen? ...

Ernst E. van Tasie hat gesagt…

Ich habe selten so einen guten Text im Internet gelesen. Spricht mir alles voll und ganz aus der Seele!
Ich weigere mich auch seit Langem, mich bei der Facebook-Stasi anzumelden. Ich muss ehrlich zugeben, es gibt schon Momente, wo ich manchmal denke "in dieser Situation wäre es ganz praktisch, in sowas angemeldet zu sein". Aber nein, ich wehre mich trotzdem noch dagegen, aus folgendem Grund:

Ich war früher im SchülerVZ angemeldet. Zuerst nur mit meinem normalen Account, dann mit diversen Spaßaccounts (also unter falschem Namen, mit lustigem Profilinhalt, der so absurd ist, dass jeder merken sollte, dass er nur zur Belustigung dient). Unter diesen Accounts habe ich viele coole Leute kennengelernt, die ich dann auch unter meinem Realaccount geaddet habe. Aber gerade unter solchen Spaßaccounts merkt man, wie verlogen solche Netzwerke sind und zum Schluss merkten wir, dass die uns nur aus Profitgründen andauernd so verfolgen und löschen. Denn selbst lange und kluge Diskussionen mit den Admins halfen nichts.
Irgendwann wollte ich dann meinen Realaccount löschen, hab aber überlegt, weil man eben leichter mit Freunden Kontakt haben kann. Aber dann dachte ich mir "Ach, dieses SchülerVZ ist auch so schon reine Zeitverschwendung, es ist doch viel besser, zu telefonieren und sich real zu treffen". Also löschte ich mich.
Mittlerweile bin ich unter falschen Namen zwar immernoch im SVZ, aber diese Gemeindschaft hat sich irgendwie fast aufgelöst, die restlichen Mitglieder sind alle gefühlte 10-14 Jahre alt und verstehen den Humor noch gar nicht, darum ist es auch nicht mehr so lustig und ich bin kaum noch drin.
In Facebook werde ich mich ganz sicher nicht anmelden, denn gegen das ist das SVZ ja geradezu harmlos und ich würde wieder in komplett alte Muster zurückfallen.

Anonym hat gesagt…

Warum finden alle Facebook so toll, wenn es doch eigentlich totaler mist ist?

Anonym hat gesagt…

es ist schön zu wissen, dass es noch andere leute da draussen gibt, die so denken wie man selber, was facebook angeht, nämlich, dass es sich hierbei um reine verarschung handelt...ich muss zugeben, dass ich mich anfangs, nachdem ich mein fb-konto gelöscht habe, wie ein absoluter aussenseiter und irgendwie loser gefühlt habe, zumahl das nervigste dabei wirklich ist, dass dich leute anstarren, als wärst du psychisch gestört, wenn du sagst, dass du kein fb hast...aber mittlerweile geht´s mir am arsch vorbei, was andere darüber denken...mit oder ohne facebook...worum es eigentlich geht, ist kontrolle, während ein fast jeder facebook dazu benutzt, um sich selber darzustellen...das traurige daran: jeder ist so mit sich selber beschäftigt, lädt bilder hoch, postet dinge, die er/sie gerade tut, kommentiert usw., aber in wirklichkeit interessiert es keine sau:) das merkt man spätestens dann, wenn man beschliesst, sein konto zu löschen...angeblich hast du bei facebook über 300 freunde und aufwärts, aber wie viele davon melden sich bei dir, nachdem du von dieser "sozialen" plattform abgesprungen bist und der "fake"book welt entsagst? :)

Kommentar veröffentlichen

 

(c)2010 thorgeott. Based in Wordpress by wpthemesfree Created by Templates for Blogger