Samstag, 24. September 2011

H&M und das Märchen von der Öko-Kleidung

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H&M - Mainstream-Mode für die breite Masse. Das geht auf Kosten der Angestellten.
Bildquelle: By Wistula (Own work) [GFDL or CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons

Wer an Kleidung denkt, denkt warscheinlich auch an die schwedische Modekette H&M, die ihren Ursprung in der Provinz Västerås hat. Das 1947 gegründete Unternehmen ist heute eines der bekanntesten Textileinzelhandelsunternehmen weltweit und unterhält über 2000 Filialen in 35 Ländern, davon ein Großteil in Deutschland. Genauer gesagt sind es 346 Geschäfte in 202 deutschen Städten. Verwunderlich ist das nicht, denn gerade deutsche Verbraucher scheinen das Unternehmen zu schätzen und sorgen so für unglaubliche Umsatzzahlen. 2008 konnte H&M schätzungsweise 10,8 Mrd. Euro Umsatz verzeichnen. Alleine der deutsche Markt macht gut ein Viertel des gesamten Umsatzes aus.

Im Onlineshop von H&M zeigen sich lächelnde Modells mit Kleidung im 70er Jahre Stil. Warum es ausgerechnet dieser Zeitabschnitt sein muss, weiß natürlich niemand. Wenn H&M Kleidung in diesem Stil anbietet, dann kauft die Mehrheit der Verbraucher diese Textilien auch. Das Unternehmen bestimmt diesen Markt in gewisser Weise und gibt vor, was in den einzelnen Ländern gerade "in" ist. Natürlich wechselt der Stil ständig, damit die Verbraucher fleißig neue Kleidungsstücke kaufen. H&M macht es ganz simpel: Wenn sie eine neue Kollektion veröffentlichen, ist die vorherige Ware einfach nicht mehr "schick". Ökologisch sinnvoll ist das nicht und gerade hier entlarven sich doch alle Kunden, die durch Mode und ihr optisches Erscheinungsbild ausdrücken wollen, wie extrem individuell sie doch sind. Ich hätte eigentlich nicht gedacht, dass die Mehrheit der Bevölkerung diese indirekte Diktatur akzeptiert und sich vorschreiben lässt, was gerade getragen wird. Aus dieser Mode-Diktatur zu entkommen, gestaltet sich aber auch als durchaus schwierig, weil andere Modekonzerne nach dem gleichen Prinzip arbeiten. In der Textilbranche sind die Verbraucher unmündig geworden und nehmen das, was man ihnen vorsetzt.

Ich klicke mich weiter durch den Shop und muss feststellen, dass die gezeigten Modells absichtlich eine ganz heile Welt vorleben. Sie sind schlank, gewiss ganz hübsch und lächeln so glücklich dem Kunden zu, dass man fast den Eindruck bekommen könnte, dass die gezeigten Personen in einer ach so perfekten Welt leben und man selbst auch soweit kommen kann. Vorausgesetzt man besitzt die Kleidung von H&M, die einen erst zu auch so einer glücklichen Person macht. Einige Textilien sind durchaus hübsch, das kann man nicht abstreiten, und doch frage ich mich, wer einen rosa Blazer, Baseballjacken oder ampelähnliche Westen trägt. Naja, wenn es die Modells tragen und H&M das anbietet, kann es ja nur "schick" und individuell sein. Irrglaube hoch 10!
Gut, gut, man kann natürlich über die Optik viel diskutieren und sicherlich gibt es Menschen, die von diesen Styles überzeugt sein mögen. Das soll auch gar nicht das Thema sein. Mir stellt sich eher die Frage, wie ein Konzern so günstig produzieren kann. Eine Jeans für weniger als 20 Euro, das bunt gemusterte Kleid für unter 15 Euro oder ein Paar Sneaker für 6,95 Euro. Wie machen die sowas?

Niemand muss viel Ahnung von wirtschaftlichen Zusammenhängen haben, um verstehen zu können, dass ein Produkt dieser niedrigen Preisklasse, sofern man es mit Gewinn verkaufen möchte, extrem billig hergestellt werden muss. Da H&M keine eigenen Produktionsstätten betreibt, wird die Ware von fast 700 externen Produzenten in 20 verschiedenen Ländern gefertigt. Hauptsächlich aus Asien stammen die Textilien, die auch in deutschen Filialen hängen!
Für diese billige Mode zahlen die Verbraucher letztlich aber doch einen sehr hohen Preis, da H&M seine Angestellten gnadenlos ausbeutet, Kinderarbeit duldet und für den Umweltschutz keine Maßnahmen ergreift. Report Mainz hat hinter die Fassade der Modekette geschaut und unmenschliche Zustände aufdecken können:
Die Reise führt in das Billiglohnland Bangladesch, wo ein Großteil der Kleidung von H&M produziert wird. Die Straßen sind verdreckt, viele Menschen leiden unter Armut und gerade die Textilindustrie leidet hier stark unter den Einflüssen internationaler Konzerne. Bereits seit 2006 protestieren die Näherinnen und Näher für bessere Arbeitsbedingungen und gute Löhne; passiert ist seitdem nichts! Selbstverständlich hat das Unternehmen Maßnahmen unternommen, zum Beispiel die Veröffentlichung eines Firmenvideos, welches glückliche Angestellte in den Fabriken zeigt und in dem von Verantwortung gesprochen wird. Wer bei H&M kauft, darf trotz Billiglohn ein gutes Gewissen haben. Das klingt natürlich alles sehr schön und hat mit der wirklichen Realität nichts gemeinsam. Statt solche trügerischen Videos zu veröffentlichen, die nur der Imageverbesserung von H&M dienen, müssen die Umstände vor Ort verbessert werden.
Eigentlich sind es unfassbare Umstände, die beispielsweise in der Hauptstadt Dhaka herrschen. Die Fabrik nennt sich "Haus des Sonnenscheins", beschäftigt rund 1700 Menschen und ist eine von vielen Produktionsstätten, die für das Unternehmen Kleidung fertigen. Kritisch dürfen sich die Arbeiter in der Öffentlichkeit nicht über die Umstände in den Fabriken äußern, da H&M und viele weitere Markenfirmen dieses verbieten. Gegenüber Report Mainz haben sich einige Arbeiter für ein Interview bereiterklärt: Sie leben in einem der ärmsten Slums von Dhaka, verdienen monatlich umgerechnet 40 Euro, was selbst in einem Billiglohnland ein Hungerlohn ist und auch etliche unbezahlte Überstunden beklagen sie. "Wir werden gezwungen Überstunden zu machen, manchmal tangelang. Wenn die Arbeit bis 3:00 Uhr morgens nicht fertig ist, wird man gezwungen bis 5:00 Uhr zu arbeiten", beklagt einer der Arbeiter. Sollte die Arbeit bis dann nicht geschafft worden sein, ist man gezwungen bis 12:00 Uhr am nächsten Tag zu arbeiten, sodass sie teilweise 3 Tage durcharbeiten!
Außerdem berichten sie, dass sie beschimpft, am Nacken gepackt und geschlagen wurden. Frauen, die sich nicht auf die sexuellen Wünsche der Aufseher einlassen, werden geschlagen und beschimpft. H&M weist jegliche Schuld von sich und gelobt Besserungen, indem das Management der Zulieferbetriebe ausgewechselt wurde und sogenannte "Welfare Officer" ihre Arbeit aufgenommen haben. Das löst das Problem jedoch nicht, da so die eigentlichen Missstände überschattet und weiterhin Hungerlöhne gezahlt werden.
Des Weiteren macht die Ausbeutung der Angestellten auch nicht vor den Baumwollfarmern halt, die ebenfalls Hungerlöhne erhalten und unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen Baumwolle pflücken müssen. Hauptsächlich bezieht das Unternehmen Baumwolle aus Usbekistan, sodass Kinderarbeit vorprogrammiert ist, da die Baumwollernte durch Kinder staatlich verordnet ist. Statt in der Schule zu lernen, gehen die Lehrkräfte mit den Kindern auf die Felder und beobachten diese bei der Arbeit.

Kinderarbeit auf dem Baumwollfeldern und bei der Herstellung, Hungerlöhne und unmenschliche Arbeitsbedingungen - Warum unternimmt H&M nicht ernsthafte Maßnahmen, die die Probleme an der Wurzel anpacken? Niemand zwingt das Unternehmen dazu, zumal die Verbraucher diese niedrigen Preise stets verlangen. Sie sind also mit verantwortlich dafür, dass die Preise so gedrückt werden und zahlreiche Menschen am anderen Ende der Welt darunter leiden müssen. Bloß nicht mehr für Kleidung ausgeben...
Aber selbst gegen die Kinderarbeit unternimmt H&M nichts ernsthaftes und gibt ganz offen zu: "Wir glauben nicht, dass ein Boykott den gewünschten Effekt für die Situation der Kinder und Menschen in Usbekistan hätte." Frei nach dem Motto: "Wenn wir nichts mehr aus diesem Land kaufen, verlieren die Leute dort ihre Arbeitsplätze". Das mag auf kurze Sicht stimmen und doch hat ein Boykott eine weitreichende und nachhaltige Wirkung, da so auf lange Sicht Unternehmen gezwungen sind ihre Produktionsabläufe zu ändern und bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Es ist also ein sehr peinliches Argument, was das schwedische Unternehmen dort liefert.
Und auch hier wird abermals deutlich, dass H&M die wirklichen Ursachen der Probleme nicht erkennen will und reine Imageplege betreibt, da die Modekette alle Baumwollankäufer und Spinnereien dazu aufgefordert hat freiwillig auf Baumwolle aus Kinderhand zu verzichten. Gerade in der Textilbranche werden freiwillige Auflagen fast nie eingehalten, das weiß auch H&M. Eine weitere wirkungslose Zusammenarbeit besteht zwischen UNICEF und H&M, die gemeinsam Behörden und Familien über die negativen Folgen von Kinderarbeit aufklären möchten. Was bringt es denn, wenn man hungernden Familien erklärt, warum Kinderarbeit schlecht ist? Sie sind auf die Mehreinnahmen angewiesen und können ihre Kinder in der Regel gar nicht vor solchen Beschäftigungen schützen. Absolut wirkungslos also. Stattdessen könnte man lieber Stoffe ohne Kinderarbeit beziehen und auch Produktionsstätten auswählen, die bewusst keine Kinder beschäftigen, was definitiv mehr erreichen würde.
Ein weiteres Beispiel macht deutlich, dass H&M die Verantwortung und den Handlungsbedarf an andere Institutionen abrückt. Im Jahr 2010 forderte H&M die Regierung von Bangladesch auf den gesetzlichen Mindestlohn an die anfallenden Lebenskosten anzupassen. Warum zahlt H&M nicht gleich mehr Lohn, anstatt andere dazu aufzufordern? Das wäre effektiver und würde auch garantiert durchgesetzt werden, zumal ein Mindestlohn keine Garantie für eine Existenzsicherung ist.

Ein Beispiel dafür möchte ich aus einem vorherigen Blog-Artikel geben: "[...]The North Face lässt einen großen Teil des Sortiments in diesen Fabriken herstellen und zahlt jedem Angestellten den gesetzlichen Mindestlohn von 174 Dollar pro Monat, wovon 3 Prozent für die Rentenversicherung und 6,2 Prozent für die Krankenversicherung abgezogen werden. Rund 158 Dollar bleiben einer solchen Arbeitskraft dann für die restlichen Ausgaben, was unter keinen Umständen für ein normales Leben ausreicht. [...]" - Faire Löhne sollte H&M zahlen, statt die Verantwortung auf eine Regierung zu übertragen.
Darüber hinaus verhindert das Unternehmen gezielt die Bildung von Betriebsräten in Deutschland und geht gegen diese sogar juristisch vor.
Und wer soviel Kritik einstecken muss, ist gezwungen auf neue Werbestrategien zu setzen. Besonders beliebt bei Firmen, die negative Schlagzeilen machen, ist das "grünwaschen" der eigenen Betriebsabläufe. Sich so umweltfreundlich, sozial und nachhaltig wie möglich zu präsentieren, weil für immer mehr Verbraucher Umweltschutz und soziale Verantwortung zum Kaufargument werden. Diese Zielgruppe will H&M nicht verlieren, obwohl sie es eigentlich müsste.
Selbstverständlich lässt sich im Onlineshop auch eine Kategorie finden, die sich "Im Einklang mit der Natur nennt". Ach, wie nett. Aber ich werde enttäuscht, denn über Nachhaltigkeit und Umweltschutz erfahre ich nichts, sondern bekomme Modells vorgesetzt, die in Norwegerpullovern und Holzfällerhemden über Felsen und Grasflächen wandern. So wird man also "one with nature". Ich verstehe.
Aber dann finde ich doch noch die unternehmerischen Verantwortungen, die H&M im Internet verspricht. "Wenn es um Nachhaltigkeit geht, haben wir eine Vision: Unser gesamtes Unternehmen sollte wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltig arbeiten. Nachhaltig bedeutet für uns, dass wir sowohl den Bedürfnissen unserer Generation gerecht werden, als auch denen zukünftiger.", heißt es dort. Man verspricht, dass man ethisch handelt und verantwortlich mit natürlichen Ressourcen umgehen würde. Wie passt diese Versprechung, wenn man seine Angestellten brutal ausbeutet, misshandelt und Kinder für sich arbeiten lässt? Krasse Lüge seitens H&M!

Ebenfalls fragwürdig ist die "Öko-Kleidung" von H&M, die angeblich aus "nachhaltigen und ökolgischen Materialen" gefertigt wird. Man setzt Bio-Baumwolle, recycelte Materialen und Hanf ein, was auf den ersten Blick vorbildlich erscheint und doch trügerisch ist. Tatsächlich macht Hanf nur einen minimalen Anteil im Produktsortiment aus und die hochgelobte Bio-Baumwolle ist gar nicht bio. Es handelt sich um sogenanntes "Better Cotton", welches mit weniger Pestiziden auskommt, durch sinnvollere Bewässerungsmethoden weniger Wasser verbraucht und die Anbauböden schont. Das klingt alles schön und doch ist es nicht weit genug gedacht, weil durch dieses Better Cotton echte Bio-Baumwolle weiter verdrängt wird und dem Verbraucher so suggeriert wird, dass BC die gleichen Eigenschaften wie richtige Bio-Baumwolle hat. Das stimmt nicht, denn für diese gelten erheblich strengere Auflagen, sofern diese nach GOTS zertifiziert ist. Better Cotton ist zwar besser als konventionelle Baumwolle und dennoch meilenweit von echter Bio-Baumwolle entfernt. Und was bringen ökologische Stoffe und recycelte Materialien, wenn diese Bio-Stoffe aus Kinderarbeit stammen und die Produkte unter unethischen Bedingungen genäht wurden?

H&M muss sich ändern und das können wir nur durch einen breiten Boykott erreichen. Hört auf bei H&M zu kaufen und steigt auf Fair Trade Kleidung aus echter Bio-Baumwolle um! Nur so kann H&M zum echten Umdenken bewegt werden, was letztlich die Arbeitsverhältnisse verbessert und gerechte Löhne schafft. H&M muss endlich aufhören die Umwelt und Menschen in Billiglohnländern brutal auszubeuten!

Samstag, 10. September 2011

Atomausstieg selber machen - Jetzt wechseln!


Die Forderung ist klar. Jetzt Stromanbieter wechseln!
Bildquelle: fotografiona, Flickr CC-BY-Lizenz 2.0

Am 11. März 2011 begann die Unfallserie im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi. Wer hätte diese Katastrophe heute noch genau datieren können? Kaum jemand, schließlich ist Fukushima längst aus den Köpfen der meisten Menschen verschwunden, die Medien interessiert es nicht mehr und überhaupt ist Atomkraft irgendwie langweilig geworden. Keiner redet mehr darüber! Hinzu kommt noch der halbherzige Atomausstieg der schwarz-gelben Regierung, durch welchen das letzte Atomkraftwerk erst 2022 vom Netz gehen wird. 11 Jahre Restrisiko, 11 Jahre neu anfallender Atommüll, für den es niemals ein sicheres Endlager geben wird und 11 weitere Jahre werden wir Krebskranke um die Atomstandorte in Deutschland und weltweit beklagen müssen.

Aber wir sind auch selber Schuld, weil die Mehrheit der Bevölkerung dieses Ausstiegsgesetz der Regierung schweigend akzeptiert und es sogar gutheißt. Getreu dem Motto:"Jetzt ist ja ein Ende abzusehen. Das ist ein Erfolg!" - Erfolg ja, und doch ist ein Ende nicht umbedingt in Sicht. Neben den genannten Risiken kann das beschlossene Gesetz auch wieder geändert werden, da es nicht im Grundgesetz verankert wurde. Schließlich hat die Politik noch 11 Jahre Zeit Änderungen vorzunehmen.
Schön ist allerdings, dass unsere Gesellschaft doch gar nicht auf die Taten der Politik warten muss. Wir sind selbst gefragt und müssen handeln, denn Verbraucherdruck ändert oft viel mehr, als man denkt. Zum Beispiel könnte Deutschland komplett auf umweltfreundliche Energiesparlampen umrüsten, wodurch ein Kohle- oder Atomkraftwerk problemlos abgeschaltet werden könnte. Des Weiteren lässt sich in vielen Bereichen unseres Alltags viel Strom einsparen, indem wir Kippschalterleisten verwenden, weniger stromfressende Geräte nutzen und allgemein unseren Stromverbrauch bewusst beobachten und Einsparquellen erkennen. Nebenbei spart das auch Geld!
Verantwortlich für umweltschädliche und gefährliche Kohle- und Kernkraftwerke in Deutschland sind die Stromanbeiter E.ON, Vattenfall, EnBW und RWE. Sie sprechen Preiserhöhungen untereinander ab und verhindern ganz bewusst den Wettbewerb. Darüber hinaus bieten sie neben Kohle- und Atomstrom auch angeblichen grünen Strom aus überwiegend riesigen Windkraftanlagen an. Wirklich grün ist das nicht, wenn man mit seinem Geld indirekt auch noch die anderen Kraftwerke fördert. Zumal in die Preise der Konzerne keine Prämie mit einkalkuliert ist, die für den Ausbau der erneuerbaren Energien verwendet wird. Möglich ist das alles, weil diese Stromriesen diesen Markt beherrschen und die schwarz-gelbe Regierung durch Spenden bestechen. Vermutlich wäre die Brennelementesteuer sonst höher ausgefallen, der Atomausstieg früher gekommen und erneuerbare Enegien steuerlich stärker gefördert worden. Selbst hier müssen und dürfen wir nicht tatenlos zusehen, sondern selber eine Energiewende starten. Ich weiß nur zu gut, dass die meisten Besucher auf Anti-Atomkraft Demos keine Ökostrom-Kunden sind, aber trotzdem gegen Kernkraft protestieren. Paradox? Ja, klar! Aber leider auch ganz normal, da eben solche Leute die komplette Verantwortung auf die Bundesregierung übertragen. Das Resultat kennen wir ja jetzt. Dabei müssen wir gerade selbst zupacken und unseren Stromanbieter wechseln. Ökostrom heißt das Zauberwort, was leider oft mit Trickserei verbunden ist: Die großen Konzere bieten ja auch Ökostrom an, wie bereits erwähnt, und auch viele regionale Anbieter (z.B. die örtlichen Stadtwerke) liefern Ökostrom. Doch selbst die kassieren oft noch durch Geschäfte in der Kohle- und Atomkraft. Reine Ökostromanbieter gibt es und doch kommen diese bei öffentlichen Berichten meistens zu kurz. Schade, denn sie sind die Schlüssel zum Ausweg aus diesen hinterwäldlerischen Technologien. Solche Anbieter beziehen zu 100% Strom aus erneuerbaren Quellen und verdienen kein Geld durch andere klimaschädliche oder sonstige fragliche Anlagen. Da steckt viel mehr Glaubwürdigkeit hinter, was die Verbraucher berücksichtigen sollten, gerade bei den Preisen. Ökostrom ist trotzdem nicht viel teurer! Und mal ehrlich: Lieber eine umweltfreundliche und sichere Zukunft oder an der falschen Stelle geizen? Der Preis darf kein Hindernis sein.

Welcher Anbieter sind empfehlenswert und wie kann ich ganz einfach wechseln?
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Der Flyer der Initiative Atomausstieg-selber-machen, die unabhängig von jeglichen Stromanbietern agiert, informiert über die vier empfehlenswerten Anbieter Elektrizitätswerke Schönau (EWS), Greenpeace Energy, Naturstrom und Lichtblick, liefert verschiedene Kostenrechnungen und erklärt den einfachen Vetragswechsel. Der Flyer kann hier gelesen werden. Ich selber beziehe Strom von Naturstrom und bin mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis sehr zufrieden. Liebe Atomkraftfreunde, bei mir ist noch nicht das Licht ausgegangen!
Lasst uns die Energiewende gemeinsam schaffen! Deshalb jetzt den Atomausstieg selber machen und zu einem echten Ökostromanbieter wechseln!

Achso, vom 17.-24. September findet die Ökostrom-Wechselwoche statt, bei welcher Alle gefragt sind. Jeder sucht sich 3 Freunde und gemeinsam sprecht ihr dann 50 weitere Personen an und informiert diese über Ökostrom und die Gefahren von Kohle- und Atomstrom. Es ist dabei egal, ob alle Interesse zeigen und wechseln wollen, denn der eine oder andere wird sich sicher überzeugen lassen und das wäre dann ein echter Erfolg! Besonders wenn wir viele Botschafter haben, wird das eine große Wirkung haben. Für die Aktionen können Pakete mit 50 Flyern (oder mehr), ein paar Aufklebern, Plakaten und Wechselverträgen kostenlos bestellt werden. Jede Spende finanziert allerdings auch diese Arbeit, die komplett kostenlos verrichtet wird.

Und denkt immer dran: Für Klimaschutz und gegen Atomkraft gibt es nur einen gemeinsamen Weg: 100% Ökostrom.

Dienstag, 6. September 2011

Bald ist die 60-Watt-Glühbirne endlich Geschichte

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Auch für die 60-Watt-Glühlampe geht jetzt endlich das Licht aus.
Bildquelle: aboutpixel.de / Besser Wohnen © canja

Rund 130 Jahre liegt die bahnbrechende Erfindung nun schon zurück, die unseren Alltag enorm vereinfacht hat und unseren Lebensstandard stark steigen ließ. Doch gerade in Zeiten des Klimawandels und steigender Umweltprobleme müssen Lösungen gefunden werden und umweltschädliche Produkte sinnvoll ersetzt werden. Auch die Glühlampe ist kein effizientes Leuchtmittel, da sie den Großteil der ihr zugeführten Energie in Wärme (rund 95 Prozent) umwandelt. Das ist teuer und verbraucht unnötigerweise viel Strom. Nun, das dürfte uns eigentlich auch bereits bekannt sein, weshalb Energiesparlampen schon in vielen Haushalten zu finden sind.
Damit dieser Trend auch weiterhin bestehen bleibt, hat die EU bereits seit 2009 den Verkauf von 100- und 75-Watt-Birnen verboten, um erfolgreich zum Klimaschutz beitragen zu können.
Dennoch gibt es auch viele kritische Verbraucher, die das Verbot der Glühlampen nicht akzeptieren wollen. Bereits damals haben sie sich noch mit etlichen Birnen-Restposten eingedeckt, um auch für die nächsten Jahre versorgt zu sein. Ähnliches ist auch in den letzten Tagen mit der 60-Watt-Birne zu beobachten gewesen, da zahlreiche Verbraucher sich noch mit den übrig gebliebenen Birnen eingedeckt haben. Der Einzelhandel verzeichnete unglaubliche Absatzmengen: Beispielsweise die Hamburger Dorgeriemarktkette Budinowski verkaufte in kürzester Zeit noch rund 3000 60-Watt-Birnen. Ein Ansturm, der hoffentlich bald nachlassen wird, da die EU mit dem am 01. September 2011 in Kraft getretenen Verbot auch bestimmt, dass nach dem Abverkauf jeglicher Restmengen ein erneuter Bezug von diesen Birnen untersagt ist.

Fraglich ist dennoch, warum viele Verbraucher diesen Glühlampen hinterhertrauern, wenn die ökologischen Vorteile von Energiesparlampen eindeutig sind. Diese Leuchtmittel sind definitiv effizienter, da sie weniger Strom für eine vergleichbare Helligkeit benötigen und dabei auch weniger ungenutzt als Wärme verloren geht. Zudem haben Sparlampen eine höhere Lebensdauer, da diese eine Betriebsdauer von 10.000 - 20.000 Stunden aufweisen und eine herkömmliche Glühbirne nur rund 1000 Stunden leuchtet.
Aber vielleicht sind die ökologischen Vorteile beim Kauf der Leuchmittel für viele Kunden unerheblich, weil auch Sparlampen Nachteile haben. So erreichen umweltfreundliche Leuchten erst nach 30-120 Sekunden ihre volle Leuchtkraft, was im Vergleich zur normalen Birne schlechter ist. Außerdem sind Energiesparlampen teurer, weil diese zwischen 1,50 und 10 Euro kosten. Je nach Marke und Größe.
Ausgerechnet jetzt drohen namenhafte Hersteller mit Preiserhöhungen von bis zu 25 Prozent, was diese mit gestiegenen Rohstoffkosten versuchen zu rechtfertigen. Problematisch ist zudem die Entsorgung der quecksilberhaltigen Sparlampen, weil sie gesondert bei Recyclinghöfen abgegeben werden müssen. Auch beim Kauf neuer Lampen muss der Händler die alten Leuchten zurücknehmen und entsprechend entsorgen. Das ist insofern ohnehin negativ zu bewerten, da auch die Hersteller sich bislang nicht um ein funktionierendes Rücknahmesystem bemüht haben. Hier muss die EU ebenfalls Regelungen treffen und umweltfreundliche Leuchtmittel ohne Quecksilber stärker fördern.

Letztlich ist das Verbot der EU wichtig und richtig, da die ökologischen Vorteile nicht zurückzuweisen sind. Ersetzt man beispielsweise eine herkömmliche 60-Watt-Birne durch eine gleich helle 11-Watt-Sparlampe, können 20,5 Kilogramm CO2 eingespart werden. Das mag anfänglich wenig klingen und hätte doch eine große Wirkung. Alleine in der EU kann der Wechsel zu Energiesparlampen mehr als 20 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Dann wären 25 mittelgroße Kohlekraftwerke überflüssig. Bereits Deutschland könnte bei konsequenter Nutzung von Sparlampen ein Atomkraft- oder Kohlekraftwerk vom Netz nehmen.
Jeder von uns sollte jetzt selbst die Initiative ergreifen und alle Leuchtmittel - wo es möglich ist - durch Energiesparlampen ersetzen. Diese sind, trotz der genannten Kritikpunkte, deutlich umweltfreundlicher als herkömmliche Birnen und tragen somit zu einem aktiven Klimaschutz bei. Jeder kann das und es ist echt einfach. Auch wenn die Lampen beim Kauf etwas teurer sind. Das Geld sollte es uns aber wert sein, wenn wir die globalen Klimaprobleme selbst bekämpfen wollen. Energiesparlampen gibt es zum Beispiel in Bau-, Drogerie- und Elektronikmärkten zu kaufen.

Montag, 5. September 2011

Wahl in MVP: NPD verliert leider nicht genug

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Die NPD hat es erneut in den Schweriner Landtag geschafft - Dafür investierte sie auch sehr viel Geld in den Wahlkampf. (Symbolfoto)
Bildquelle: By AF666 at de.wikipedia [Public domain], from Wikimedia Commons


Unter Beifall umarmten sich Udo Pastörs und Holger Apfel (beide NPD) vor den laufenden Kameras. Sie wollten allen zeigen, dass sie es erneut geschafft haben und zufrieden mit ihrem Ergebnis sein können. Mit 6 Prozent hat es die rechtsextreme Partei nach 2006 erneut in den Schweriner Landtag geschafft und besonders starken Rückhalt der Stammwähler aus dem Osten des Landes erfahren. Trotz Einzug in den Landtag musste die Partei ganze 1,3 Prozent einbüßen.
Ursache dafür sind vermutlich die intensiven Kampagnen gegen Rechtsextremismus und gezielt die NPD, die wohl endlich Früchte tragen konnten. Auf diese Weise hat die Partei ein Drittel ihrer Wählerschaft von 2006 verloren.
Dennoch konnten selbst die vielen Kampagnen den Wiedereinzug in den Landtag nicht verhindern, da die NPD einen unglaublich plakativen und agressiven Wahlkampf geführt hat. Es gab eigentlich keinen Ort, wo nicht gleich mehrere Plakate an einer Laterne zu sehen waren. Besonders in den Regionen, wo die Partei ohnehin viel Zuspruch erfährt, wurden viele Infostände durchgeführt, um seine Nähe zum Wähler zeigen zu können. Dabei setzte sie verstärkt auf die ländlichen Regionen im Osten, da diese als sehr empfänglich für die NPD gelten. So konnte die Partei beispielsweise in den Wahlkreisen Uecker-Randow I (15,4 Prozent der Zweitstimmen), Uecker-Randow II (12,0), Ostvorpommern II (11,3), Ostvorpommern I (10,4) und Ludwigslust I (8,3) überdurschnittlich gute Ergebnisse einfahren.
Populistisch waren die Plakate auch bei dieser Wahl: So forderte man "Kinder schützen - Familien fördern!", "Gerechter Lohn für ehrliche Arbeit" oder "Krimminelle Ausländer raus!", was gerade bei arbeitslosen Wählern auf großen Zuspruch stößt. Der zurückliegende Wahlkampf hatte die Schwerpunkte Arbeitslosigkeit und Mindestlohn, was die NPD natürlich entsprechend für sich nutzen konnte. Das eine flächendeckende Plakatierung und Durchführung von Infoständen überhaupt erst möglich wurde, ist auch den freien Kameradschaften zu verdanken, die eng mit der NPD kooperiert haben.
Auf der anderen Seite muss aber auch festgehalten werden, dass bei diesem Wahlkampf rund 80.000 Plakate aufgehängt wurden und die ganze Werbung stolze 200.000 Euro gekostet hat. Das tut der Partei ganz ohne Zweifel weh, wenngleich Udo Voigt, Parteivorsitzender der NPD, dieses dementiert und behauptet, dass die NPD an den Finanzen nicht scheitern wird. Klar ist dennoch, dass der kleinere Wahlerfolg auch entsprechend weniger Geld in die Parteikasse bringen wird.

Dominiert wurde dieser Wahlkampf zum Teil durch Themen wie den Mindestlohn und die hohe Arbeitslosenquote in Mecklenburg-Vorpommern, was die NPD für sich genutzt hat, da die Partei diese Themen bei jeder Wahl aufgreift. Dieses Thema hat allerdings auch die LINKE aufgegriffen und im Wahlkampf gegen Niedriglöhne und für einen Mindestlohn geworben, was der Partei mitunter 18,4 Prozent (+1,1) verschaffen konnte. Nun könnte man sich natürlich fragen, warum die Wähler sich nicht für die Linkspartei entschlossen haben, da diese immerhin ähnliche Ziele im Wahlkampf verfolgte (Mindestlohn, gerechte Familienpolitik und Bekämpfung der Arbeitslosigkeit). Doch die Wähler der NPD sind sehr speziell und gewiss nicht alle rechtsextrem eingestellt. Zweifelsohne ist ein Teil der Wählerschaft rechts gesinnt und doch fühlt sich der Großteil von den anderen Parteien vernachlässigt, weshalb dieser eher aus Protest und Verzweiflung NPD wählt. Und diese Wähler leben besonders im ländlichen Raum, wo Linkspartei, SPD, CDU, Grüne, FDP und andere Parteien kaum oder gar keine Präsens zeigen. Diese haben sich verstärkt auf die Großstädte konzentriert und kleine Ortschaften der NPD überlassen, was natürlich nun fatale Folgen mit sich gebracht hat. Dabei sind gerade viele Wähler in ihrer politischen Willensbildung unschlüssig und ebenfalls offen für die Konzepte anderer Parteien, weshalb hier gewiss Potential für andere Parteien gewesen wäre.

Die NPD sitzt erneut im Schweriner Landtag, verliert ein Mandat und stellt somit 5 Abgeordnete, verliert 1,3 Prozent der Wählerstimmen und führte einen unglaublich kostspieligen Wahlkampf. Ja, sie hat es wieder geschafft und doch ist sie geschwächt, was gerade jetzt ein gutes Zeichen ist. Wenn Kampagnen gegen die NPD und den Rechtsextremismus weiter durchgeführt werden und die anderen Parteien sich auch um die ländlichen Räume verstärkt bemühen, wird es in Zukunft schwerer für die NPD. Das wäre wünschenswert!

Die Grünen sind definitiv Sieger dieser Wahl, da sie mit 8,4 Prozent (+ 5,0) in den Landtag einziehen konnten, was 2006 nicht gelang. Die Grünen sind im Aufwind, was schon bei den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zu beobachten war. Sie können die Wähler für sich gewinnen, obwohl sie für den Atomausstieg der schwarz-gelben Regierung gestimmt haben und schon lange keine glaubwürdigen Ansätze im Umweltschutz vertreten. Für diese Wahl haben die Grünen mehr neue Arbeitsplätze versprochen, was sich letztlich als Erfolgsrezept herausgestellt hat. Auffällig ist dabei, dass im Wahlkreis Rostock III 19,1 Prozent grün gewählt haben. So wird deutlich, dass gerade junge Menschen und Familien sich für die Grünen entschieden haben, weil diese verhäuft im Wahlkreis III leben. Aber genau hier liegt das Problem: Früher haben die Wähler oft geglaubt, dass eine Öko-Partei keine neuen Arbeitsplätze mehr schaffen kann, da Umweltschutz und wirtschaftlicher Aufschwung nicht vereinbar wären. Jetzt, wo die Grünen die Umweltthemen nach hinten gestellt haben und lieber um jeden Preis regieren wollen, gelingt ihnen dieses auch. Zur Not verspricht man wirtschaftlichen Aufschwung um jeden Preis. Dennoch ist ein Wahlerfolg für die Grünen nicht gleich ein schlechtes Zeichen, da ernsthafte grüne Politik gebraucht wird. Das bedeutet aber auch ernsthaften Umweltschutz durchzusetzen, was die Partei in Schwerin in den nächsten Jahren beweisen muss.

Durch den Aufschwung der Grünen verliert jedoch die CDU an Wählerzuspruch und fällt von 28,8 auf 23,1 Prozent (-5,7), was definitiv ein Desaster ist. Lorenz Caffier, Spitzenkandidat der CDU in Mecklenburg-Vorpommern, hatte sich ein besseres Ergebnis erhofft und ist weit hinter den Erwartungen geblieben. Jetzt bleibt für CDU zu hoffen, dass sich die SPD für eine gemeinsame Koalition entscheidet. Diese könnte sich allerdings auch für die LINKE entscheiden. Es ist seit 1990 das schlechteste Ergebnis für die Partei in Mecklenburg-Vorpommern. Allerdings dürfte eine Koalition von CDU und SPD eher nicht zustande kommen, weil die Sozialdemokraten den Mindestlohn als Bedingung gestellt haben, was mit den LINKEN problemlos zu machen ist. Die CDU steht dem kritisch gegenüber.
Die sozialdemokratische Partei konnte mit 35,7 Prozent (+5,5) ein großartiges Wahlergebnis einfahren und erneut starken Rückhalt der Wählerschaft erfahren. Ein Bündnis mit der Linkspartei wäre wünschenswert und macht inhaltlich eh mehr Sinn. Diese können sich ebenfalls freuen, da sie, wie bereits erwähnt, auch zulegen konnten.
Ganz schmerzhaft ist es für die FDP gekommen, die, nach einem Gastspiel im Landtag, den erneuten Einzug nicht geschafft hat. Lediglich 2,7 Prozent der Wähler machten ihr Kreuz bei den Neoliberalen, die somit ein Minus von 6,9 Prozent verzeichnen müssen. Die ewig nervenden marktwirtschaftlichen Thesen und die Ablehnung des Mindestlohns sind ganz bestimmt die Ursachen für diese Niederlage. Und mal ehrlich: Wer glaubt denn heute noch, dass mit der FDP gerechte Löhne und die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu schaffen seien? Parteichef Phillip Rösler versuchte am Montag dieses Ergebnis noch zu beschönigen und doch weiß auch er, dass seine Partei tief in der Krise steckt. Bei den kommenden Kommunalwahlen in Niedersachsen und der Landtagswahl in Berlin wird die liberale Partei ebenfalls verlieren, das ist absehbar.

Die Wähler bestrafen die schwarz-gelbe Politik und machen mit ihren Kreuzen deutlich, dass sie offen für eine linksgrüne Politik sind. Deshalb gilt es jetzt für die SPD, die LINKEN und die Grünen: Besser machen in den nächsten 5 Jahren.

Im Gegensatz zu vielen anderen Medien möchte ich auch die Ergebnisse der kleinen Parteien erwähnen, die ebenfalls einen interessanten Wahlkampf betrieben haben.
Piratenpartei (1,87 Prozent), Familie (1,56), Freie Wähler (1,14), Die Partei (0,25), AB (0,22), AUF (0,17), APD (0,13), PBC (0,10), ÖDP (0,09) und die Republikaner (0,09).

Donnerstag, 1. September 2011

Alkoholverbot in Bus und Bahn - Mutiger Vorstoß des HVV

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Kein Alkohol mehr in Bussen und Bahnen - Der HVV macht jetzt Ernst
Bildquelle: aboutpixel.de / bahnhof © svair

In vielen Großstädten kann man es Wochenende für Wochenende erneut erleben: Jugendliche nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel, um sicher zur Diskothek zu kommen und auch Fußballfans reisen mit Bus und Bahn zum Stadion an. Leider ist dabei oft Alkohol im Spiel, wenn vor dem Feiern "vorgeglüht" wird oder der Sieg des eigenen Teams mit Bier und Hardstoff gefeiert wird. Resultat sind dabei oft gröhlende Jugendliche im Alkoholrausch, gewalttätige Ausschreitungen und durch Alkohol verdreckte Zugabteile. Auch in Hamburg ist das ein Problem, weshalb sich der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) nun zu einem strikten Alkoholverbot in allen Bussen und Bahnen des Verkehrsverbundes entschlossen hat. Ebenfalls ist der Konsum von alkoholischen Getränken dann auch an allen Haltestellen untersagt. Das Verbot tritt ab dem 1. September in Kraft und gilt dabei vorerst nur probeweise ohne Strafen, sodass sich alle Fahrgäste an diese Änderung gewöhnen können. Ab dem 1. Oktober kostet das Trinken im Nahverkehr dann stolze 40 Euro.

Plakate auf Bahnsteigen, an Haltestellen und in Bussen weisen auf die neue Vorschrift hin: "Alkoholfreie Zone. Danke, dass Sie mitmachen!" - Außerdem werden in der einmonatigen Verwarnphase 60.000 Infokarten an die Fahrgäste verteilt. Dabei geht es aber nur um den aktiven Alkoholgenuss in den öffentlichen Verkehrsmitteln des HVV, da fest verschlossene Getränke weiterhin von den Fahrgästen mitgeführt werden dürfen. HVV-Pressesprecherin Gisela Becker gab dazu allerdings bekannt, dass es definitiv keine Körper- oder Taschenkontrollen geben wird. Alle eingesetzten Sicherheitskräfte sollen nach Augenschein und Gehör kontrollieren.
Es ist ein richtiger und wichtiger Schritt, der für mehr Sicherheit im Hamburger Nahverkehr sorgen soll. Allerdings ist das Thema bislang sehr umstritten, da besonders Jugendliche kein Verständnis für diese Entscheidung zeigen wollen. Aus diesem Grund haben sich auf Facebook bereits Gegener zusammengefunden, die eine große Aktion für den 30. September geplant haben. Unter dem Motto "HVV-Abschiedstrinken" werden die Facebook-Nutzer "in der U3 Hauptbahnhof zum gemeinsamen Abschiedstrinken" eingeladen. Rund 17.000 User haben bislang zugesagt und wollen an diesem sinnlosen Massenbesäufnis teilnehmen. Bewirken wird die Aktion ohnehin nichts und liefert nur einen erneuten Grund fürs Feiern. Das diese Party schnell entgleisen könnte, weiß die Polizei nur zu gut, weshalb sie entsprechende Gegenmaßnahmen prüft. Bereits 2008 gab es chaotische Zustände in der Londoner U-Bahn, als dort Zehntausende Jugendliche vor dem Inkrafttreten des Alkoholverbots gefeiert haben. Momentan wird geprüft, ob bestimmte Bahnhöfe bereits im Vorfeld gesperrt werden oder sogar zeitweise die besagte U3 stillgelegt wird. Das könnte sich vielleicht auch als zwecklos herausstellen, da die Nutzer die Möglichkeit hätten auf eine andere Linie umzusteigen.
Doch nicht nur jugendliche Fahrgäste stört das Verbot, da sich auch viele andere Menschen dadurch eingeschränkt fühlen und nicht auf ihr "Feierabendbier" verzichten möchten. Dabei fallen immer die gleichen Argumente: "Es trifft doch eh die Falschen" oder "Das Verbot ist sinnlos, da niemand so genau kontrollieren kann".

Natürlich gibt es auch friedliche Fahrgäste, die tatsächlich nur ihr Bier in Ruhe genießen möchten und doch wird hier eine schwierige Stelle von Verboten getroffen, da solche dann schließlich für alle Gäste gleichermaßen gelten müssen. Des Weiteren sehen sich Gewerbetreibende als Opfer dieser Maßnahme, weil verschiedene Kioske mit Nähe zu Haltestellen mit Umsatzeinbußen rechnen. Selbst das gilt es anzuzweifeln, da die Kunden ihre alkoholischen Getränke sehr wohl weiterhin dort kaufen, diese dann allerdings nicht in den Verkehrsmitteln trinken werden/dürfen. Und das ist doch das Ziel der Aktion, da man schließlich den Alkohol allgemein nicht verteufeln möchte.
Trotz der Kritik gibt es auch zahlreiche Befürworter des Alkoholverbots, die sich mehr Sicherheit und Ruhe im Nahverkehr erhoffen.
Eine anonyme Nutzerin spricht sich im Netz für das Verbot aus und schreibt: "Ich bin absolut für dieses Verbot. Im Metronom hat das Verbot gewirkt, es ist eindeutig ruhiger und auch die ganzen Fußballfans halten sich zurück. Es gibt zwar immer wieder welche, die das Verbot missachten und trotzdem trinken, allerdings läuft auch genug Personal im Zug herum, um diese Personen zu verwarnen und notfalls auch aussteigen zu lassen."
Die Metronom Eisenbahngesellschaft ist dabei ein gutes Stichwort, da diese bereits Ende 2009 ein solches Alkoholverbot verhängt hat und damit überwiegend positive Erfahrungen machen konnte. Auf diese Weise konnte die Rate der Vandalismusschäden um 30 Prozent gesenkt werden, die Zahl der Straftaten ging um 55 Prozent zurück und der anfallende Müll konnte von 163 Tonnen pro Monat auf 55 reduziert werden.
Auch bei der Essener Verkehrs AG (Evag) ist das Verbot von Alkohol und sogar Essen längst üblich, wenngleich man auch gute Erfahrungen damit machen konnte, wie Nils Hoffmann, Sprecher der Evag, kürzlich mitteilte.

Dennoch ist das Verbot nicht einfach aus der Luft gegriffen, sondern basiert auf eindeutigen Umfragewerten: Rund 86 Prozent der 1200 telefonisch Befragten sprachen sich demnach für ein Alkoholverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln aus. Im Frühjahr 2010 hatte die Hamburger SPD diese Debatte ins Rollen gebracht und sich auf die Erfolge der Metronom gestützt.
Damit ernsthafte Erfolge erzielt werden können, hofft der HVV auf eine positive Zusammenarbeit mit den Fahrgästen und setzt 110 geschulte Sicherheitskräfte ein, die ohnehin ab 2012 kommen sollten.
Die Deutsche Bahn (DB) und viele andere regionale Verkehrsverbünde schauen in diesen Tagen skeptisch nach Hamburg und zweifeln an der Wirksamkeit. Sollte sich das Verbot tatsächlich bewähren, sind mehrere Verbünde ähnlichen Maßnahmen gegenüber nicht verschlossen. Die Deutsche Bahn plant auf absehbare Zeit keine weiteren Handlungen in diesem Bereich, da es dafür keine Anlässe geben würde und es schließlich auch "die Falschen treffe".

Auch im Ausland gab es in der Vergangenheit bereits Vorstöße dieser Art: Wie bereits erwähnt, darf auch in London nicht getrunken werden, was - dank Kameras - gut eingehalten wird. Bei Verstoß ist mit saftigen Strafen zu rechnen. In Paris hingegen wird der normale Umgang mit Alkohol - beispielsweise das Feierabendbier - geduldet, obwohl Alkoholkonsum auch hier verboten ist. Erheblich strenger wird der Umgang mit Alkohol in Washington gehandhabt, da dort ausnahmslos Essen und Trinken im kompletten Nahverkehr verboten sind. Ohnehin gilt dort ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit. Auch in Moskau ist Alkohol während der Beförderung verboten, was kaum jemanden dort interessiert. Kontrollen werden nur sehr selten durchgeführt.

Die Hamburger Vorschriften gelten allerdings nicht für Bahnen des Regionalverkehrs, welche die HVV-Grenzen in Richtung Schleswig-Holstein verlassen. Dazu zählen die Nord-Ostsee-Bahn, die Nordbahn und DB Regio, sowie die Hadag-Fähren.
Es bleibt abzuwarten, welche Wirkung dieses Verbot erzielen kann und doch begrüße ich diesen Vorstoß, da er für mehr Sicherheit und Ruhe in den Verkehrsmittel sorgen wird und angetrunkene Fahrgäste die eigene Reise nicht angenehmer machen. Von anderen Verkehrsverbünden und besonders von der Deutschen Bahn würde ich mir selbige Maßnahmen wünschen, damit bundesweit Gewalt und Randale durch betrunkene Fahrgäste weiter eingedämmt werden kann.
Und wer dennoch trinken möchte, kann das außerhalb der Verkehrsmittel tun, zumal die meisten Fahrgäste in Hamburg ohnehin nur wenige Minuten mit Bus und Bahn fahren.
 

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