Samstag, 25. August 2012

Lang lebe ein Konsumprodukt


Vermutlich sind auch diese Handys Opfer der geplanten Obsoleszenz geworden.
Bildquelle: By MikroLogika (own work, photograph) [CC-BY-SA-3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons

Kennen Sie noch das Nokia 3410? Ein echtes Kult-Handy, dass beispielsweise auf Plattformen wie Ebay immer noch mit bis zu 35 Euro gehandelt wird. Viel Geld für ein gebrauchtes Gerät, mag man im ersten Moment denken und doch hat das so seinen Grund. Dieses Mobiltelefon ist ein treuer Begleiter, macht in kaum einer Situation schlapp und hält selbst Stürzen aus Brusthöhe stand. Was ist also so besonders daran? Immerhin wird viel vom so genannten technischen Fortschritt gesprochen, der unser Leben besser und Produkte langlebiger machen soll. Die Realität sieht allerdings anders aus: Leider wird man heute zusammen mit Konsumprodukten meist nicht sehr alt. Und das ist Absicht!

Meine Recherche beginnt in einer Filiale einer bekannten Elektronik-Fachmarktkette. An drei Kassen ziehen die Kassiererinnen laufend Elektronikartikel über den Scanner, der Laden ist gut besucht und besonders viele junge Leute nehme ich wahr. Es sind schließlich noch Ferien. Fernseher, Laptops, Spiegelreflexkameras, Smartphones und viele weitere Produkte springen mir ins Auge und sollen mich zum Kauf anregen. So sieht also technischer Fortschritt aus. Alles soll vermeintlich besser und kompakter werden; Fernseher hingegen müssen immer größer werden, damit man sich sein eigenes kleines 3D-Kino im Wohnzimmer schaffen kann. Ein etwas älterer Mann steht neben mir, lässt seine Finger über ein iPhone gleiten und lächelt zufrieden. Er ist von dem Produkt offensichtlich begeistert, überlegt nicht lange und nimmt den Karton mit zur Kasse. Es mag durchaus angehen, dass so ein Gerät sein Leben in unbestimmter Weise verändert und er irgendwann behauptet, nicht mehr ohne Apps, mobiles Internet und Handyflat leben zu können. Er wird aber ebenfalls feststellen müssen, dass sein ach so schickes Mobiltelefon irgendwann einfach nicht mehr anspringt, irreperabel sein wird oder über eine veraltete Software verfügt. Das bedenkt er bei seinem Kauf nicht, würde doch schließlich sein gutes Gefühl vermiesen. Den namenhaften Hersteller wird das freuen, schließlich wird sich der Herr das Nachfolgermodell zwei Jahre später ebenfalls zulegen. Das alte Smartphone funktioniert dann ganz zufällig nicht mehr.

Das der Kapitalismus, also das vorherrschende Wirtschaftssystem, vom Wachstum lebt, ist sicherlich bekannt. Wenn Menschen viel konsumieren und ständig neue Produkte kaufen, lassen sich wachsende Umsätze generieren. Stagnierende bzw. rückläufige Absatzzahlen sind einfach schlecht fürs Geschäft. Würde die Industrie langlebige Produkte herstellen, wäre dieses Prinzip nicht korrekt umgesetzt. Die Wirtschaft hat einfach kein Interesse an einer hohen Lebensdauer ihrer Produkte. Jeder hat vermutlich schon einmal ein Produkt besessen, welches plötzlich und viel zu früh kaputt ging. Man hat dann dem Hersteller die Schuld gegeben und kurz überlegt, dass Produkte bewusst so minderwertig hergestellt werden. Wahrscheinlich hat man diesen Gedanken kurze Zeit später wieder fallen gelassen und es als ewige Verschwöhrungstheorie abgetan. Eine Verschwöhrungstheorie ist das längst nicht mehr, sondern die pure Wahrheit!

Die Dokumentation "Kaufen für die Müllhalde" beschreibt diese Machenschaften der Industrie sehr detailliert: Plötzlich macht der Drucker nicht mehr mit, eine Fehlermeldung erscheint auf dem Bildschirm und der Ärger sitzt tief. Irgendein Teil im Drucker scheint defekt zu sein, obwohl das Gerät im Regelfall nicht einmal 2 Jahre alt geworden ist. Sucht man nun einen örtlichen Techniker auf, wird dieser eine Reparatur zumeist durchführen können, rät aber ganz bestimmt zum Kauf eines leistungsfähigeren Neugeräts. Wenn man die Wahl zwischen einer 100 Euro teuren Reparatur und einem besseren Drucker zum halben Preis hat, fällt die Entscheidung nicht sonderlich schwer. Und genau das ist von den Herstellern so gewollt. Sie wissen die Abhängigkeit der Menschen von ihren Produkten zu nutzen und bitten diese regelmäßig zur Kasse. Reparaturen und haltbare Produkte verstoßen gegen das ökonomische Prinzip und sind nicht erwünscht. Als Verbraucher kann man sich zwar über diese Machenschaften beschweren und muss letztlich feststellen, dass man abhängig geworden ist. Wir benötigen aus durchaus verschiedenen Gründen einen Drucker oder Laptop und können eben nicht „einfach so“ darauf verzichten. Aus diesem Grund kaufen wir gezwungenermaßen meist ein Neugerät, wenn das alte Teil nicht mehr funktioniert. Dabei lassen sich Produkte mit langer Lebensdauer problemlos herstellen. Es ist ein erschreckender und zugleich ökologisch fataler Vorgang, der seinen Ursprung um 1920 fand. Seitdem machten Hersteller es sich zur Aufgabe, die Lebensdauer ihrer Produkte bewusst zu verkürzen, um die Nachfrage zu steigern. Um die allgemeine Bedürfnisbefriedigung der Menschen ging es dabei längst nicht mehr. Dafür wurden und werden auch aktuell Fachleute wie Designer und Ingenieure eingesetzt, deren Aufgabe ausschließlich im Kreieren von anfälligen Produkten besteht.

Schließlich ist das Prinzip auch zu simpel: Benutzen, wegwerfen, neu kaufen. Dieses Prinzip nennt man auch die sogenannte geplante Obsoleszenz. Erstes Opfer der Obsolezenz wurde die Glühbirne, die mit ihrem sehr langlebigen Glühdraht eine hohe Lebenserwartung hatte. Deshalb bildete sich 1924 ein Kartell, dessen Ziel in der Kontrolle der weltweiten Glühbirnenproduktion lag. Namenhafte Hersteller wie Phillips und Osram waren Teil dieses Kartells und wollten auf diese Weise den Weltmarkt untereinander aufteilen sowie eine anfälligere Glühbirne entwickeln. Man warb damals mit einer Brenndauer von 2500 Stunden und hätte noch viel effektivere Birnen auf den Markt bringen können, was der Zusammenschluss der Hersteller durch die Einführung einer 1000-Stunden-Glühbirne verhinderte. Hielten sich einzelne Kartellmitglieder nicht an diese Abmachung und produzierten gar langlebigere Birnen, wurden diese mit Bußgeldern bestraft. Es ist ein perverser Vorgang, der abermals verdeutlicht, wie profitorientiert große Konzerne bereits in der Vergangenheit gearbeitet haben. Das ist somit längst nicht nur ein Problem unserer Gegenwart. Den ökologischen Ausmaßen dieses monetären Handelns war sich die Industrie offensichtlich nie bewusst und zieht den Verbraucher bis heute am Nasenring durch die Manege.

1942 flog das Kartell schließlich auf und wurde von der US-Regierung endgültig untersagt. Es kam zu einer Klage gegen namenhafte Hersteller, denen illegale Preisabsprachen, unlauterer Wettbewerb sowie die gewollte Verkürzung der Lebensdauer von Glühbirnen vorgeworfen wurde. Per Gerichtsurteil wurde die Reduzierung der Lebensdauer verboten. Ernsthafte Konsequenzen hatte dieses Urteil für die Wirtschaft nicht, da man in der Praxis munter weiter so handelte.
Zurück im Fachmarkt: Im meinem Rucksack befindet sich ein stark abgenutztes Handy eines bekannten Mobiltelfonherstellers. Der Akku funktioniert nicht mehr einwandfrei, das Display ist stark zerkratzt und auch die Beschriftung der Tastatur muss beinahe erraten werden. Eigentlich ein klarer Fall für die Tonne, oder? Zumindest würde ein Großteil der Menschen das Gerät einfach in der Schublade weiter versauern lassen. Dann doch lieber ein Neugerät kaufen und erneut das Spiel der Konzerne mitspielen. Dieses Mobiltelefon war knapp 2 Jahre im Einsatz und ist im momentanen Zustand unbrauchbar. Neu kostet das Gerät knapp 50 Euro, weshalb eine Reparatur logischerweise kaum lohnen würde. Ich will es trotzdem wissen und spreche einen Mitarbeiter auf den Zustand des Handys an. Dieser mustert das Gerät kurz und antwortet trocken: "Können Sie vergessen, eine Reperatur lohnt sich da nicht". Solch Reaktion hatte ich beinahe schon erwartet und doch bat ich ihn mir aufzuschlüsseln, welche Kosten bei einer Reparatur entstehen würden: Hierbei müsste der Akkudeckel ersetzt sowie das restliche Gehäuse auseinander gebaut werden. Außerdem käme noch mindestens eine Arbeitsstunde dazu, sodass die Reparatur mindestens 130 Euro kosten würde. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, sich Ersatzteile für das Produkt zu bestellen, was aber ebenfalls deutlich teurer wäre und den eigenen Einbau der Teile erfordert. Ich verlasse enttäuscht den Laden und muss mich für den Moment geschlagen geben. Gegen die einflussreichen Konzerne, die uns mit ihrer geplanten Obsoleszenz fest im Griff haben. Dabei wäre es möglich, die Reperatur von Geräten günstiger anzubieten.

Bis heute hat die Industrie Angst, dass plötzlich die materiellen Bedürfnisse der Menschen schlagartig befriedigt sein könnten. Eine ökonomische Katastrophe! Deshalb werfen Unternehmen jede Saison neue Produkte auf den Markt, die sich zum Teil nur durch Farbe oder Form unterscheiden. Besonders im Mode- und Automobilbereich ist dieses klar ersichtlich.
Die Hersteller selbst schweigen zu den Anschuldigungen und wollen nichts von absichtlichen Sollbruchstellen in ihren Produkten wissen. Ist es also doch ein ganz natürlicher Prozess, wenn die Waschmaschine kurz nach dem Ablauf der Garantiezeit den Dienst verweigert? Natürlich nicht. Drucker gelangen oftmals mit einer vorprogrammierten Lebensdauer in den Handel. Dabei wird ein Chip im Schaltkreis des Drucks auf beispielsweise 18.000 gedruckte Seiten oder eine Betriebszeit von 5 Jahren eingestellt, sodass das Gerät planmäßig unbrauchbar gemacht wird. Längst sind nicht nur technische Geräte betroffen, sondern alle denkbaren Konsumprodukte - vom Taschenrechner bis zum Turnschuh.

Ende der 1950er Jahre begannen Verbraucher vermehrt kritische Fragen zu stellen. Dabei spielte der US-amerikanische Verbraucherverband eine wichtige Rolle, weil dieser zahlreiche Produkte testete und die Ergebnisse in einem zunehmend bedeutungsvollerem Magazin veröffentlichte. Die Verbraucher gelangten nun an kritischere Informationen und waren nicht mehr alleine den Machenschaften der Konzerne hilflos ausgesetzt. Schließlich hatten sie nun den Verband an ihrer Seite, welcher sich für den Verbraucherschutz stark machte und 20 Jahre später maßgeblich für die Einführung der Gewährleistung gesorgt hatte.
Auch ach so beliebte Hersteller wie Apple bereicherten sich an der geplanten Obsoleszenz und verdienten damit unglaubliche Summen. 2 Jahre nach der Einführung des iPods kam es zu einem Gerichtsverfahren, bei welchem Apple die absichtliche Verkürzung der Lebensdauer vorgeworfen wurde. Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte der Hersteller 3 Millionen Stück alleine in den USA verkauft und ganz offensichtlich gab der Akku nach 18 Monaten seinen Geist auf. Zufall war das nicht, zumal es auch keinen Ersatzakku zu erwerben gab. Tausende Konsumenten schlossen sich dem Verfahren an und es kam zu einer Sammelklage gegen das Unternehmen. Der Konzern gab daraufhin technische Daten über die eingebauten Teile heraus, sodass die Kläger feststellen mussten, dass die eingebaute Lithiumbatterie eine absichtlich reudzierte Lebensdauer inne hatte. Nach einigen Monaten harter Verhandlungen einigten sich beide Seiten und es kam nie zu einer Verurteilung. Der Hersteller richtete einen Austauschservice für Akkus ein und verlängerte die Garantiezeit auf 2 Jahre. Auch die Kläger wurden mit einem 50 Dollar Gutschein entschädigt. Apple profitierte also letztlich noch an den Geschädigten.

Dieser ganze Prozess verursacht riesige Mengen an Müll, die entsorgt werden müssen. Schließlich ist eine Reparatur zumeist unmöglich oder viel zu teuer. Und die Mehrheit der Konsumenten nutzt nur ungern gebrauchte Produkte. Das dabei die reichen Industrienationen auf Kosten der Entwicklungsländer leben, ist längst nicht mehr unbekannt und dennoch fatal. Erst werden die Rohstoffe für unsere Produkte unter menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut, ehe man diese in Billiglohnländern zu einem Endprodukt verarbeiten lässt. Kinder, Frauen und Männern müssen teilweise mehr als 12 Stunden am Tag arbeiten, werden geschlagen, sexuell missbraucht oder müssen manchmal mehrere Tage am Stück arbeiten, wenn die Produktion nicht schnell genug ist. Gewerkschaften gibt es in der Regel keine und die eingesetzten Kinder können kein normales Leben führen, da sie nicht die Schule besuchen und kaum Freizeit genießen dürfen. Außerdem erfolgen nicht alle Produktionsschritte an einem Standort, sodass Produkte unzählige Kilometer mit dem Schiff oder Flugzeug zurücklegen mussten, ehe sie bei uns im Regal stehen. Dort, wo die Waren hergestellt wurden, lädt man nun auch den angefallenen Müll ab und macht es sich erneut denkbar einfach. Mit dem Schiff gelangt die Ware von den Häfen der reichen Industriestaaten beispielsweise nach Nigeria, Kamerun, Ghana und auch in Teile Chinas. Hauptsächlich Kinder werden für diese Form der Entsorgung von Elektroschrott und dem damit verbundenen Herauslösen von verwertbaren Teilen eingesetzt. Für die in Armut und Hunger lebenden Menschen ist diese Arbeit ein vergleichsweise scheinbar lukratives Geschäftsfeld, wenngleich sehr gefährlich. Oft kommt es dabei vor, dass Kinder über Stiche in der Lunge und durch Elektroteile aufgerissene Hände klagen. Die begrenzte Anzahl an Medikamenten in den ohnhin viel zu wenigen Apotheken kann sich kaum jemand leisten und ein Besuch bei einem Arzt oder im Krankenhaus ist ebenfalls viel zu teuer. Die Jungs stehen inmitten von riesigen Bergen Elektromüll an einem Feuer und schmelzen Kupfer aus unzähligen Kabeln. Diese Aufgabe ist extrem giftig und zugleich sehr umweltschädlich, da hierbei Gifte wie Furane und Dioxine sowie Schwermetalle freigesetzt werden. An einem anderen Feuer wird zur gleichen Zeit Gold aus Leiterplatten gewonnen sowie Monitore und Fernseher zum Implodieren gebracht. Die Kunststoffe schmelzen, übrig bleiben die gewinnbringenden Metalle.

Es gilt eine strenge Arbeitsteilung, sodass die Jungs für die Arbeit am Feuer eingesetzt sind und durch Mädchen beispielsweise mit Lebensmitteln versorgt werden. Das Trinkwasser ist oftmals sehr stark mit Schwermetallen belastet. 1989 wurde deshalb das Basler Übereinkommen beschlossen, welches für eine verstärkte Kontrolle grenzüberschreitender Transporte gefährlicher Abfälle und der damit verbundenen Entsorgung sorgen sollte. Die USA unterzeichneten dieses Übereinkommen nicht, obwohl sie 80 Prozent ihres Elektroschrotts exportieren. Einige Länder, die zu den Unterzeichnern gehören, brachten ihren Elektroschrott nun über die USA in die so genannte Dritte Welt. Aus diesem Grund verschäfte die EU im Jahr 2003 die Richtlinien zur Müllentsorgung, um diese Form des Müllexports zu verhindern. Dabei ist Herstellern die Pflicht zur Rücknahme und Reparatur von Altgeräten auferlegt worden, was in der Praxis bislang nur unzureichend umgesetzt wurde. Oftmals gelangt der Müll als vermeintliche Spende trotzdem in Entwicklungsländer, wo die Produkte auf bekannte Weise entsorgt werden.

Es ist schon sehr fraglich, warum weiterhin auf solche uneffektiven Entsorgungsmethoden gesetzt wird, statt effiziente Recyclingverfahren einzusetzen bzw. zu entwickeln. Sehr fatal ist auch die Entsorgung über den Hausmüll, da die Geräte so in Müllverbrennungsanlagen landen und damit auch die wertvollen Rohstoffe komplett verloren gehen. Bei geschätzten 1000 Tonnen Handys im Jahr sind es alleine hier rund 350 kg Gold im Wert von 7 Millionen Euro, die einfach verbrannt werden. Geeignete Recyclingverfahren gibt es in Deutschland bislang weiterhin nicht. Das Unternehmen Umicore in Antwerpen zeigt sehr eindrucksvoll, wie effektiv Handys recycelt werden können, da dort überproportional viele Rohstoffe zurückgewonnen werden können. Dieser Prozess ist zwar deutlich teurer und doch enorm wichtig. Immerhin werden die benötigten Ressourcen immer knapper und der Rohstoffhunger der Menschen stetig größer. Statt also krampfhaft weiter Rohstoffe aus der Erde zu gewinnen, sollte man die ohnehin schon vorhandenen Metalle nutzen. Die Gewinnung neuer Metalle ist schließlich sehr energieintensiv und sorgt zugleich für Ausbeutung, Vertreibung und Tiermord in den Abbauregionen.

Es gilt zu handeln und wir alle müssen dabei unser eigenes Konsumverhalten überdenken. Sich gegen die geplante Obsoleszenz zu wehren, ist sicherlich nicht einfach und doch gibt es ein paar Dinge, die jeder beachten/umsetzen sollte:

1. Man mag nun denken, dass sich gebrauchte Geräte nicht mehr lohnen und man dann lieber gleich ein neues Produkt erwirbt. Natürlich kann es sein, dass gebrauchte Produkte, nachdem man sie erworben hat, schnell Opfer der geplanten Obsoleszenz werden und doch kann erfahrungsgemäß davon ausgegangen werden, dass diese Produkte in der Regel deulich langlebiger sind, als aktuell hergestellte Ware. Wenn ein Handy zum Beispiel bereits sechs Jahre gute Arbeit geleistet hat, wird es auch zukünftig viel eher länger durchhalten.

2. Sollte ein Produkt kaputt gehen, kann es oftmals noch repariert werden. Dieses von einem Fachmann machen zu lassen, ist dabei meist absichtlich viel zu teuer. Viele Geräte können auch selbst repariert werden, sofern man die dafür nötigen Teile oder defekte gleichartige Produkte zum Ausschlachten erwerben kann. Kostenlose Reperaturanleitungen gibt es bei ifixit.com. Eine solche Seite gibt es im deutschsprachigen Raum bislang noch nicht.

3. Als Konsument ist man jedoch nicht nur der Industrie, sondern auch sich selbst ausgeliefert. Stets streben wir nach neuen Produkten, um nach außen einen bestimmten Lebensstandard repräsentieren zu können. Statt sich mit einem alten Handymodell zufrieden zu geben, brauchen umbedingt das neuste Smartphone (Hierbei könnte man nun noch etliche weitere Beispiele nennen). Man nennt diesen Prozess Psychologische Veralterung, bei welcher wir uns einreden, dass unser aktuell verwendetes Produkt nicht mehr gut genug sei, um gesellschaftlich akzeptiert zu werden.

4. Wer Opfer der geplanten Obsoleszenz wird, sollte einen Protestbrief an das Unternehmen verfassen, indem man seinem Unmut Luft macht. Umso mehr Briefe eingehen, desto eher ist der Hersteller zum Umdenken gezwungen. Außerdem können auf der Plattform "Murks? - Nein Danke!" Produkte gemeldet werden, die einen Schaden erlitten haben, der auf geplanten Verschleiß zurückzuführen ist. Auf diese Weise kann man sich über besonders anfällige Produkte informieren und die Industrie weiter unter Druck setzen, immerhin ist negative Kritik immer schlecht fürs Geschäft.

Die geplante Verkürzung der Lebensdauer von Produkten ist nicht nur ärgerlich, sondern auch ein ernsthaftes Umweltproblem. Die Hersteller müssen endlich langlebigere Produkte herstellen, damit weniger Ressourcen verbraucht werden und zugleich weniger Müll ensteht!

Freitag, 17. August 2012

Für den Ausstieg: Atomtransporte weltweit stoppen!

Täglich finden Atomtransporte weltweit statt und stellen so den Weiterbetrieb sämtlicher Atomanlagen sicher. Auch Norddeutschland ist vor allem mit den Häfen in Rostock und Hamburg sowie dem Nord-Ostsee-Kanal von der Problematik der Atomtransporte unmittelbar betroffen. Dieses Thema wird gerne verdrängt und findet bislang kaum Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Die Castortransporte von La Hague nach Gorleben sind ein durchaus bekanntes Ereignis, wenngleich alle weiteren Transporte kaum mediale Aufmerksamkeit erfahren oder gar nicht eindeutig nachvollzogen werden kann, wann und wo die Transporte tatsächlich stattfinden. Durch eine Anfrage von der Linkspartei im Landtag von Schleswig-Holstein in der letzten Legislaturperiode konnte herausgefunden werden, dass über eine halbe Million Atromtransporte jährlich alleine in Deutschland durchgeführt werden. Den zahlenmäßig größten Anteil haben hierbei Transporte radioaktiver Stoffe für Mess-, Forschungs- und medizinische Zwecke. Wenn wir jedoch die Menge des radioaktiven Inventars betrachten, liegen die Transporte, die mit der Atomenergienutzung im Zusammenhang stehen, unangefochten vorne.

Atomtransporte finden in unterschiedlicher Form statt. Um einen Eindruck zu gewinnen, was dort zu welchem Zweck transportiert wird, hilft es sich die Atomspirale vor Augen zu führen:

Zunächst wird das Erz in Bergwerken abgebaut oder durch Pressen von Chemikalien wie Säuren in den Untergrund ausgelöst und an die Oberfläche gepumpt. Besonders die Länder indigener Völker werden dabei durch den Uranabbau zerstört. Zu den größten Uran-Produzenten zählen unter anderem Kanada, Russland, Australien Kasachstan, Namibia und Niger.

Das abgebaute Uranerz wird anschließend in einer Uranmühle, die oft in der Nähe eines Bergwerks liegt, zerkleinert und ausgelaugt. Als Endprodukt entsteht dabei Uranerzkonzentrat, dass zumeist auch "Yellow Cake" genannt wird. Im nächsten Schritt wird das Uranerzkonzentrat in einer Konversionsanlage in Uranhexafluorid umgewandelt. Das Isotopenverhältnis im natürlichen Uranerz ist nicht geeignet, um in den weit verbreiteten Leichtwasserreaktoren eingesetzt zu werden. Aus diesem Grund wird das spaltbare Uranisotop 235 angereichert, was in sogenannten Urananreicherungsanlagen (z.B. in Gronau, Deutschland) geschieht. Dabei fallen gigantische Mengen abgereichertes Uran („Depleted Uranium“) an, welches unter anderem für die Herstellung von Uranmunition eingesetzt wird.
Das angereicherte Uranhexafluorid wird zu Rekonversionsanlagen transportiert, in Uranoxid umgewandelt und weiter zur Brennelementefabrik gebracht. Dort wird das Uranoxid zu Tabletten gepresst, in Brennstabhüllen gefüllt und die Brennstäbe zu Brennelementen gebündelt, die anschließend in Atomkraftwerken zum Einsatz kommen. Die abgebrannten Brennelemente wurden bis zum Jahr 2005 zu Wiederaufarbeitungsanlagen („Plutoniumfabriken“) verbracht und von dort zum Teil als Mischoxid-Brennelemente (MOX, Uran und Plutonium gemischt) wieder in AKWs eingesetzt und zum anderen Teil mit den berüchtigten CASTOR-Transporten nach Gorleben zur Zwischenlagerung gebracht. Seit 2005 ist nur noch die Zwischenlagerung der Brennelemente erlaubt; ein „Endlager“ gibt es nicht.
Zwischen all den genannten Arbeitsschritten kommt es zu gefährlichen Atomtransporten per Schiff, Zug, LKW oder Flugzeug. Jedem kann persönlich ein solcher Transport begegnen, wenngleich bislang längst nicht alle Transporte im Detail nachvollzogen werden können. Dafür fehlt es an nötigen Informationen, zumal diese Transporte jeweils nur für 3 Monate erfasst werden und erst nachträglich auf Anfrage veröffentlicht werden.

Atomanlagen und die damit verbundenen Atomtransporte stellen eine große Gefahr dar und sind weltweit ein Problem! Die nebenstehende Karte verdeutlicht dieses nochmals.
Die Betrachtung von Urananreicherungsanlagen, Brennelementfabriken und Wiederaufarbeitungsanlagen ermöglichen es aufgrund ihrer überschaubaren Anzahl und Funktion als Knotenpunkte der Atomwirtschaft einen Überblick über die Transportstrecken zu gewinnen:

LandUrananreicherungs-anlagen(UAA)Brennelemente-produktion(BEP)AtomhäfenWiederaufbereitungs-anlagen(WAA)
EnglandCapenhurstSpringfield
Barrow-in-Furness
Sellafield
DeutschlandGronauLingenHamburg, Rostock, (Bremen)/
Belgien/DesselAntwerpen/
NiederlandeAlmelo///
Frankreich
Pierrelatte/Tricastin
Marcoule, RomansLa HavreLa Hague
Russland
Elektrostal,
Jekaterinburg,
Krasnojarsk, Rostow am Don, Angarsk, Tomsk
Elektrostal, NowosibirskSt. Petersburg/
Schweden/VästeråsTrelleborg/
Spanien/Juzbado//
Kasachstan/Ust-Kamenogorsk//
USAPaducah, EuniceColumbia, Richland, Wilmington//
ChinaLanchow, Hanchong///
Südkorea/Daejeon//
JapanRokkashoTokai, Yokosuka, Kumatori//

Norddeutschland passieren häufig Transporte mit den normalen Passagierfähren zwischen Trelleborg und Rostock von und zur Brennelementefabrik Västerås in Schweden. Betrieben wird die Fährlinie derzeit noch von der Reederei Scandlines, aktuell geplant ist jedoch die Übernahme durch den Konkurrenten Stena Line. Über Trelleborg und Rostock gehen die Transporte weiter in die ganze Welt. Die Reederei TT-Line hingegen lehnt Atomtransporte komplett ab. Des Weiteren durchqueren etliche Schiffe mit radioaktiven Stoffen den Nord-Ostsee-Kanal, welche auch nach dem angeblichen "Atomausstieg" der schwarz-gelben Bundesregierung diese Wasserstraße weiter passieren dürfen.
Eine weitere bekannte Transportroute verläuft vom Hafen in St. Petersburg durch den Nord-Ostsee-Kanal oder um Skagen nach Hamburg. Anschließend fahren die Schiffe über Bremen und Antwerpen nach Le Havre. Dabei handelt es sich stets um einen bedarfsorientierten Transport, sodass nicht immer alle Häfen angefahren werden. Ein regelmäßiger Fahrplan ist nicht vorhanden und würde bei der Geheimhaltung von Atomtransporten für die Betreiber auch eher kontraproduktiv sein.

Juristisch bleibt es weiterhin unklar, in welcher Instanz Atomtransporte endgültig verboten werden können. Die Bremer Bürgerschaft hat in ihrer gleichzeitigen Funktion als Landesregierung eine Entwidmung des Bremer Hafens für Kernbrennstoffe beschlossen. Auch hier ist noch unklar, inwieweit dieser Beschluss rechtlich verbindlich ist. In Rostock hatte die Bürgerschaft ebenfalls Atomtransporte abgelehnt, was keine rechtlichen Folgen nach sich zog, da die Stadt selbst keine Berechtigung zu diesem Beschluss hat. Dieses steht im Regelfall nur einer Landes- oder der Bundesregierung zu, weil diese beispielsweise durch die Sperrung von öffentlichen Straßen oder als Hafenbesitzer die Transporte stoppen könnte. Zudem verlangt das Europarecht einen freien Warenverkehr, zu dem auch Atromtransporte gezählt werden. Es bleibt insgesamt ein juristisch sehr schwieriges und undurchsichtiges Thema.

Auch über die Unfälle wird in der Öffentlichkeit kaum gesprochen, da hier meist keine konrekten Informationen vorliegen. Bekannt ist bisher, dass ein Transportschiff vor Kopenhagen gekentert und ein weiteres auf eine Sandbank gefahren ist. Im März 2010 stoppte die Bremer Polizei einen LKW, der auf dem Weg zur UAA Gronau war. Das Gestell, auf dem Uranhexafluorid transportiert wurde, war teilweise durchgerostet.

Damit effektiver Widerstand gegen Atomtransporte geleistet und so ein praktischer Beitrag zur Stilllegung aller Atomanlagen geleistet werden kann, brauchen wir mehr Informationen. Von offizieller Seite bekommen wir diese nicht, sodass wir uns selbst organisieren müssen: Wer hat Atomtransporte gesehen? Erkennbar sind die mittels Gefahrgutkennzeichnung . Kommt in der oberen Zeile der orangenen Warntafel eine 7 vor, handelt es sich um radioaktives Material, ein weiteres Zeichen ist das bekannte Warnsymbol für Radioaktivität. Bitte meldet Beobachtungen am besten mit Fotos so schnell wie möglich an sand@nadir.org:

• Wo fahren sie genau lang?
• Was haben sie geladen (Aussehen der Ladung, Container, Zylinder..., Aufschrift auf der orangenen Warntafel (UN-Nummer))
• Anzahl der LKWs oder Waggons?
• Wie heißt die Spedition oder Firma?

Informationen und Bilder bringen stückweise Klarheit in die Transportkette und ermöglichen ggf. noch kurzfristige Aktionsmöglichkeiten. Jedes gestoppte Transportfahrzeug verursacht höhere reale Kosten und macht Atomtransporte teurer.
Atomtransporte müssen weltweit verhindert werden, damit jeglichen Atomanlagen die Versorgung und somit die Existenz entzogen werden kann. Atomausstieg ist Handarbeit!

(Bitte auf die Bilder klicken, um eine größere Ansicht zu erhalten! Bild 1 - Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz)
Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit von J. Merkel und Thorge Ott verfasst.

Mittwoch, 15. August 2012

30 Personen nahmen an der 2. Regionalkonferenz Nord der Anti-AKW-Bewegung teil!

Die Regionalkonferenz verlief erfolgreich und eignete sich ideal zum Austausch innerhalb der Bewegung.

Die BürgerInnen-Initiative Kiel gegen Atomanlagen lud zur 2. Regionalkonferenz Nord der Anti-AKW-Bewegung in der Pumpe ein, nachdem bereits im Februar das erste Treffen dieser Art stattfand. Dieser Einladung folgten am 11.08.2012 30 Aktivistinnen und Aktivisten aus verschiedenen Organisationen Norddeutschlands. Vertreten waren dabei unter anderem die Schönberger Fukushima Mahnwache, SAND, MAUS Bremen, Brokdorf Akut, Robin Wood, ausgestrahlt., das Anti-Atom-Büro Hamburg sowie die Anti-Atomkraft Initiative Pinneberg. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde teilten sich die Teilnehmer_innen auf die drei Workshops "Brokdorf und Krebscluster", "Atomtransporte" und "Zivile und militärische Nutzung von Atomenergie" auf. Diese boten einen interessanten Einblick in das jeweilige sehr facettenreiche Thema. Zudem konnten erste Aktionsideen entworfen werden, die in Zukunft organisationsübergreifend durchgeführt werden sollen.

Die einzelnen Arbeitsprotokolle können hier eingesehen werden

Folgende Termine stehen dabei bereits fest:
  • 23.08.2012: Das Ding am Deich - Kinofilm mit anschließender Diskussionsrunde - 20:30 Uhr - Pumpe (Kino), Kiel (Der Film wird ebenfalls noch in anderen Städten gezeigt)
  • 26-28.10.2012: Anti-Atom-Konferenz in Berlin
  • 05-11.11.2012: Aktionswoche zum Thema Katastrophenschutz - Abschluss in Brokdorf (Nähere Informationen folgen)
  • Für die 2. Septemberhälfte und für November wurden Transporte von je 8 MOX-Brennelementen aus der Wiederaufbereitungsanlage (WAA) Sellafield über den Hafen von Nordenhamm nach Grohnde angekündigt. Genaure Informationen liegen noch nicht vor, bitte also auf Ankündigungen zu diesen Transporten achten!
Die Aktion Gorleben 365 wurde verlängert, da die Bundesregierung den Hauptbetriebsplan in Gorleben ebenfalls verlängern möchte, sodass eine gemeinschaftliche Blockade vor dem Salzstock Gorleben verschiedener Gruppierungen angeregt wurde. Ein genauer Termin und alle weiteren Informationen werden rechtzeitig auf dem Blog der BI veröffentlicht. Zahlreiche Unterstützung während der Blockade wäre sehr wünschenswert!

Zum Abschluss wurde der Koalitionsvertrag der aktuellen Landesregierung von Schleswig-Holstein besprochen. Dabei kam es zu einer hitzigen Debatte, bei welcher sich die Teilnehmer_innen unterschiedlich zufrieden mit dem Papier zeigten. Nach der Sommerpause wird es ein weiteres Gespräch mit der Landesregierung geben, um nochmals die Forderungen der Anti-AKW-Bewegung zu verdeutlichen und eventuell Unklarheiten im Koalitionsvertrag erneut ansprechen zu können. Alle anwesenden Personen stellten mit Zufriedenheit die Wichtigkeit dieser Regionalkonferenz fest und freuten sich über diese Form der Vernetzung innerhalb der Bewegung. Die nächste Regionalkonferenz wird Ende November diesen Jahres erneut in der Pumpe stattfinden, zu der bereits jetzt herzlich eingeladen wird!

  

Dieser Beitrag wurde von mir ebenfalls auf www.bi-kiel.blogspot.de veröffentlicht!
 

(c)2010 thorgeott. Based in Wordpress by wpthemesfree Created by Templates for Blogger