Sonntag, 21. November 2010

Kleider machen Leute


Konsum und Kaufrausch können uns Menschen und der Umwelt zum Verhängnis werden. Bildquelle: aboutpixel.de / Fashion © Alexander Kreher

Wir leben in einer dynamischen Gesellschaft, die ständig nach Individualität und Veränderung schreit. Wir haben gerne mehrere Paar Schuhe daheim und wechseln fast jeden Tag unser Outfit. Uns ist es eben wichtig, dass die Außenwelt uns positiv wahrnimmt und attraktiv findet. Lieber riskieren wir es zu spät zu kommen, als das Haus einmal ungeduscht morgens zu verlassen. Dabei stellen wir hohe Ansprüche an Hygiene und Kleidung.
Besonders bei der Kleidung ist dieser Kurs zu spüren. Die breite Masse der Gesellschaft will Veränderung und gutes Aussehen, indem sie ständig neue Kleidung kauft. Das steigert das Selbstwertgefühl und lässt uns glücklich sein. Wir kaufen Kleidung, schaffen so Veränderung in unserem Leben und sehen gleichzeitig gut aus. Das führt unweigerlich dazu, dass wir immer konsumfreudiger werden und immer öfter Kleidung kaufen. Wir bekommen richtig Hunger auf "mehr" und müssen dieses Bedürfnis stillen. Doch jeder weiß: Ständiges Wachstum und ständiger Konsum führt am Ende zum Zusammenbruch. Was dann zusammenbricht, ist klar: Umwelt und Mensch geraten aus dem Gleichgewicht und unsere Welt funktioniert nicht mehr.

Dieser ständige Konsum geschieht auf Kosten der 3. Welt, auf Kosten anderer Menschen. Wer bei H&M einkauft, der erkauft sich ein gutes Gefühl. Logisch irgendwie: Günstige Preise und modische Kleidung - Was soll daran schon schlimm sein? Wir greifen also freudig zu und geben das Geld gerne aus. Wir sind uns sicher, dass das Geld gut investiert ist. Das gilt auch für Markenkleidung, weil wir dort ähnlich handeln. Wir denken, dass teurere Kleidung gleichzeitig gute Qualität bedeutet, weshalb wir gerne mehr dafür ausgeben. Eigentlich klingt das auch plausibel, eigentlich...
Wer also bei H&M, Adidas, Primark oder ähnlichen Firmen "shoppt", schafft durch sein Konsumverhalten automatisch ein ungerechtes Verhältnis von Umwelt und Menschen. Aber warum? Was soll denn am Hemd von H&M für 24,95€ schlecht sein? Eigentlich ist es doch voll okay Puma Turnschuhe zu tragen, oder nicht? - Eben nicht! Unser extremer Kleidungskonsum schafft Ungerechtigkeit auf der gesamten Welt und trägt zur Umweltzerstörung bei.

Globalisierung lautet das Stichwort. An sich ist die Globalisierung der gesamten Welt nichts Schlechtes, da wir so wirklich alle Waren zu jeder Jahreszeit kaufen können. So wird es uns auch ermöglicht immer Kleidung bei H&M oder Nike kaufen zu können. Alles ist vorhanden und das 24 Stunden - 7 Tage die Woche - das ganze Jahr über. Aber genau das führt zwangsweise zu einem noch stärken Konsum und zu einer noch ungerechteren Welt.

Die Textilien von H&M, Adidas, Nike, Björkvin, usw. stammen fast immer aus China, Japan, Vietnam, Bangladesh, Indien und vereinzelt aus der Türkei. Aber auch Brasilien, Chile und mehrere Länder in Afrika sind an der Textilproduktion beteiligt. Dort herrschen ganz andere Arbeitsverhältnisse als in der europäischen Arbeitswelt und auch sonst ist es gewiss nicht mit unserem Lebensstandard zu vergleichen. Die Arbeiter erhalten sehr schlechte Löhne, von denen sie nicht leben können, werden sexuell missbraucht am Arbeitsplatz, dürfen keine Gewerkschaften bilden und müssen in dunklen Kammern ohne richtiges Tageslicht schuften und das teilweise 3 Tage am Stück ohne Schlaf. Auch Kinderarbeit ist keine Seltenheit in der Textilindustrie. Und das alles, damit wir ständig billige Kleidung kaufen und gut aussehen können! Wir leben auf Kosten anderer Menschen, damit wir günstige Produkte erwerben und im Luxus leben können. Wer das nicht glaubt, der sollte sich folgendes Video anschauen! Wie bereits erwähnt: Egal welcher Textilproduzent es ist, die Umstände sind die gleichen.

Jeder hat garantiert schon einmal im Geschäft gesagt:"Das ist mir zu teuer, das kaufe ich nicht" - Wer beispielsweise H&M Preise schon zu teuer findet, handelt viel zu selbstsüchtig und zeigt auch hier, dass er nicht bereit ist mehr auszugeben, um beispielsweise die Arbeiter besser zu entlohnen. Unsere Gesellschaft denkt nur an sich - das kann nicht abgestritten werden!

Aber was kann jeder tun, um ein Zeichen gegen ausufernden Konsum, Ausbeutung und Umweltzerstörung zu setzen? Wichtig ist, dass die Bereitschaft da ist. Nur wer bereit ist sein Kaufverhalten zu ändern, kann effektiv etwas erreichen. Man kann dann nicht mehr schnell in die Stadt, um "shoppen zu gehen", sondern muss bewusst einkaufen und langfristig mit wenig Kleidung auskommen.
Es gibt viele Alternativen zur herkömmlichen Kleidung der unmenschlich handelnden Konzerne. Gute Gelegenheiten sind Flohmärkte, weil dort oft gebrauchte, aber dennoch gut erhaltene, Kleidungsstücke verkauft werden. Mit großer Warscheinlichkeit wird man dort nicht nur alten und hässlichen "Fummel" finden, da Flohmärkte unter jungen Menschen immer mehr an Beliebtheit gewinnen. Tauschpartys haben einen ähnlichen Effekt: Du nimmst deine alte Kleidung mit zu dieser Party und kannst diese dann mit anderen Teilnehmern dort tauschen. Dort kann man so manch gutes Kleidungsstück ergattern. Und wenn es sowas nicht in deiner Nähe gibt, dann veranstalte doch selber eine Tauschparty mit deinen Freunden! Vielleicht gibt es auch einen Secondhand-Shop in deiner Nähe - Dort findest du oft eine große Auswahl an guten und gleichzeitig günstigen Kleidungsstücken. Ansonsten empfehle ich noch ebay und Kleiderkreisel.de. Aber was soll das alles? Warum sollte ich die kaputten Lumpen fremder Leute tragen?

Die Antwort ist recht einfach: Zuerst sollte festgehalten werden, dass die Kleidungsstücke von ausgesprochen guter Qualität sind und teilweise wie neu. Außerdem findet man dort auch recht oft Markenkleidung zu viel günstigeren Preisen, als wenn man diese im Geschäft neu kaufen würde. Des Weiteren ist dieses Verfahren viel ressourcenschonender, da für einen selber keine neue Kleidung produziert werden musste und somit lange Transportwege und Ausbeutung/Kinderarbeit ausgeschlossen werden. Natürlich stammt das Kleidungsstück von einer der großen Textilfirmen und natürlich hat es schon einmal lange Transportwege hinter sich und stammt sehr warscheinlich aus schlechten Verhältnissen und doch ist es besser, als wenn alle Menschen sich ständige neue Kleidung kaufen und ihre alte Kleidung in den Müll geben. Durch das Kreislaufsystem, also das wir alte Kleidung an jemand anderen weitergeben, schonen wir unsere Ressourcen, schonen die Umwelt und setzen ein Zeichen gegen Konsum und gegen die Machenschaften der Textilindustrie. Außerdem spart gebrauchte Kleidung sehr viel Geld und sieht mindestens genauso lässig aus.

Eine andere Möglichkeit ist Fair Trade. Jeder, der fair gehandelte Kleidung kauft, trägt dazu bei, dass die Arbeiter deutlich bessere Löhne erhalten, gerecht behandelt werden und normale Arbeitszeiten haben. Außerdem dürfen sie sich zu Gewerkschaften zusammentun und können ihre Famile besser ernähren. Wie ist das möglich? - Die Texilunternehmen, die nur noch unter fairen Bedingungen produzieren lassen, zahlen mehr Lohn und verdienen als Konzern somit weniger, damit es ihren Angestellten besser geht. Logischerweise sind diese Produkte etwas teurer als H&M und Co. Das Preisniveau liegt hierbei auf gleicher Höhe mit den Markenfirmen, teilweise sogar darunter. Aber sieht solche Kleidung nicht "öko" aus und ist somit total hässlich? Nein! Fair Trade Kleidung hat sich an die aktuellen Ansprüche angepasst und sieht sehr zeitgemäß aus. Außerdem besteht diese Kleidung meistens aus Biobaumwolle, was weitere Vorteile mit sich bringt. Die Textilindustrie nutzt in fast allen Fällen normale Baumwolle, die von schlecht bezahlten Arbeitern geerntet wird und enorm viel Wasser verbraucht. Biobaumwolle hingegen verbraucht nur halb so viel Wasser, (bei einer Jeans wären das statt normal 6000 L nur noch 3000 L) kommt ohne giftige Pestizide und Gentechnik aus und die Feldarbeiter erhalten gute Löhne. Das schont die Umwelt und die Gesundheit der Angestellten.

Wer gegen steigenden Konsum, schlechte Löhne, ungerechte Arbeitsverhältnisse, Kinderarbeit und Umweltzerstörung kämpfen will, sollte auf Secondhand und Fair Trade umsteigen und sein Konsumverhalten überdenken!

Kleider machen schließlich Leute


Hier gibt es Fair Trade Kleidung aus Biobaumwolle:

Sonntag, 7. November 2010

50.000 gegen den Castor-Transport

Am Samstag, den 06.11.2010, kamen etwa 50.000 Demonstranten in das Wendland, um gegen den anrollenden Castor-Transport zu demonstrieren. Anarchisten, Rentner, Ökos, Landwirte und Kinder machten gemeinsam ihrem Unmut Luft und so wurde es wohl zur größten Demo in der Geschichte Anti-Atomkraft-Bewegung. Ein klares Zeichen an die schwarz-gelbe Bundesregierung und deren unsoziale und lobbyistische Politik!

4:30 - Der Wecker klingelt und ich muss mich anfänglich aus dem Bett quälen, da ich diese Nacht nur 2 Stunden Schlaf bekommen habe. Aber eigentlich fällt es mir dann doch sehr leicht, da ich schließlich zur Demo will.

5:45 - Das Frühstück ist beendet und schnell ziehe ich mir noch meine Stiefel an, da ich sicher sein kann, dass das Gelände matschig werden kann. Das Wetter meint es nicht gut mit mir, weshalb ich auf die Anreise mit dem Rad zum Bahnhof verzichten muss. Also geht es los mit dem Auto. Im Kofferraum ist das Rad für die Rücktour.

6:05 - Schnell kaufe ich mir noch mein S-H Ticket und dann gehts hoch zum Bahnsteig.

6:21 - Der Zug ist pünktlich und ich steige als einziger in Rendsburg ein.

6:54 - Der Zug trifft pünktlich in Kiel ein und dort wartet auch schon Chantal (ebenfalls Greenpeace Kiel) auf mich. Wir werden gemeinsam zur Demo anreisen.

7:21 - Der Regionalzug nach Hamburg fährt ab. Alles läuft nach Plan.

8:37 - Endlich in Hamburg Hbf angekommen! Die Fahrt ist echt schlimm gewesen. Wir müssen über eine Stunde im Zug aushalten und schlafen geht da irgendwie auch nicht.

8:48 - Nachdem wir etwas Probleme mit dem Finden der richtigen S-Bahn haben, können wir auch diese Hürde nehmen.

9:00 - Wir treffen in Hamburg Harburg ein und müssen uns erst einmal orientieren. Noch ist keiner da, was uns nicht weiter verwundert, da Treffen für 10 Uhr ausgemacht ist.

9:25 - Merkwürdig: Immernoch ist keiner da, bis dann einige Aktivisten zu uns stoßen und selbst nicht wissen, wo die Busse sich aufhalten. Wir stellen dann fest, dass dieser Bahnhof mehrere Ausgänge hat. Wirklich unübersichtlich dieser Bahnhof!

9:35 - Wir stoßen zu den anderen Greenpeace Aktivisten aus S-H und Hamburg. Alle warten auf die gebuchten Busse.

9:50 - Die Busse treffen ein und wir steigen ein.

10:00 - Die Busse fahren planmäßig ab. Jetzt geht es auf ins Wendland, nach Dannenberg.

11:30 - Wir kommen früher als erwartet in Dannenberg an und sind glücklicherweise in keinen Stau geraten. Während der Fahrt sehe ich, um so weiter wir nach Dannenberg vorrücken, dass an Bäumen gelbe Anti-Castor Kreuze angebracht sind und auf Feldern umgeworfene Atommüllfässer stehen. Der Protest zeigt sich schon hier!

11:40 - Wir machen uns auf den Weg und schließen uns schnell dem Demozug an. Es rücken weiterhin noch Busse aus ganz Deutschland an. Das Interesse an der Demo ist riesig!

12:05 - Wir stecken nun mitten in Dannenberg. Der Demozug ist riesig und das Anti-AKW-Fahnenmeer ist wirklich beeindruckend. Es ist friedlich und auch die Polizei muss nur zuschauen. Das sind ganz andere Verhältnisse, als in Stuttgart.

12:30 - Wir erreichen die Kundgebungskoppel in Nebenstedt(Das schließt direkt an Dannenberg an) und spüren sofort, dass sich hier friedliche Protestler zusammengefunden haben. Man merkt den Leuten die Wut an. Um die Koppel haben Gastronomie, Parteien und politische Bewegungen ihre Stände aufgebaut. Es gibt viele Möglichkeiten sich zu informieren und Gespräche zu führen. Nebenbei spielen am Straßenrand verschiedene Bands (ohne Gage versteht sich) und beziehen ihre Text deutlich auf die Demo und Atomkraft.

14:00 - Die Koppel ist wirklich voll. Bis zur Bühne ist kein Durchkommen mehr. Verschiedene Redner und Bands treten auf und machen ihrem Unmut Luft. Die Stimmung der Teilnehmer ist gut. Alle feiern, singen, lachen und protestieren friedlich. Sehr angenehm! Es kommen Meldungen: 50.000 sind gezählt worden und außerdem ist der Zug aufgehalten worden, da sich Protestanten in das Gleisbett eingegraben haben. Außerdem muss der Zug umkehren, da eine Menschenkette von 1.500 Leuten nicht von der Polizei aufgelöst werden kann. Die Menge tobt und macht sich Hoffnung, dass diese Demo wirklich etwas erreicht hat/erreichen wird.
Eine Dame ruft:"Das lassen wir uns nicht gefallen. Wir haben keine Lust mehr auf diese Scheiße!" - Die Menge ist außer sich.

15:30 - Wir brechen auf, da wir für 16:30 unsere Rückfahrt gebucht haben. Leider ist kaum ein durchkommen, da immer noch tausende Demonstranten zur Koppel nachrücken.

16:35 - Toll! Wir haben den Bus nicht mehr bekommen. Es geht anderen Demonteilnehmern (auch aus Hamburg) genauso. Wir sprechen den Fahrer des 18 Uhr Busses an, welcher den Busfahrer des anderen 16:30 Busses informiert und sagt, dass wir 10 Minuten haben, um dort hinzukommen. Über die Straßen ist das unmöglich, da dort kein Durchkommen ist. Busse und Demonstranten belagern die gesamte Straße. Also ab über die Felder, wo wirklich alles matschig ist. Am Stacheldrahtzaun reiße ich mir noch meine Hose auf und zu allem Unglück fährt auch dieser Bus direkt vor unserer Nase weg.

17:00 - Ich warte gemeinsam mit den anderen am 18 Uhr Bus. Wir hoffen, dass dort noch Platz ist, da mehrere Teilnehmer nur die Hinfahrt gebucht haben und noch weiter im Wendland bleiben (Demos am Sonntag und Montag).

18:00 - Glück gehabt! Wir machen uns auf den Weg nach Hamburg Hbf.

19:00 - Die anderen Teilnehmer sind zufrieden und haben Hoffnung, dass diese Demo die Regierung zum Wechsel animiert. Alle wollen auch nächstes Mal wieder dabei sein.

20:00 - Der Bus trifft pünktlich am Hauptbahnhof ein.

20:20 - Ab in den Zug nach Kiel. Wir sind mehr als zufrieden und werden ganz bestimmt auch nächstes mal wieder gegen den Castor-Transport demonstrieren.

21:46 - Mit 10 Minuten Verspätung treffen wir in Kiel ein. Die NOB nach Rendsburg wartet bereits.

22:32 - Angekommen in Rendsburg. Ich bin etwas kaputt, aber doch mehr als zufrieden über diese geniale Demo!

22:35 - Mit dem Rad gehts nun nach Hause.

23:00 - Leider später als eigentlich geplant, komme ich zu Hause an. Fazit: Geniale Demo, geniale Leute, sofort wieder(:!

Hier sind nun die Bilder von der Demo:

Zur Verwendung der Bilder: Die Bilder stehen unter der CC-BY-SA Lizenz. Das bedeutet: Die Bilder dürfen verbreitet werden und dürfen auch nach freien Wünschen bearbeitet werden. Auch für kommerzielle Projekte stehen diese Bilder kostenlos zur Verfügung. Wichtig: Mein Name und der direkte Link zum Blog muss stets mit angegeben werden. Weitergabe der Bilder bitte nur unter gleichen Bedingungen!





























































































 

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