Freitag, 25. Februar 2011

Nazis im Web 2.0


Nazis im Web 2.0 - Links: Autonome Nationalisten - Rechts: die klassischen braunen Waffenbrüder
Bildquelle: Screenshot by YouTube

Schon lange sind die Zeiten vorbei, wo sich Nazis ausschließlich in Szeneportalen wie dem Thiazi Forum oder Widerstand.info organisieren und austauschen. Auch sie haben begriffen, dass soziale Netzwerke und ähnliche Maßnahmen im sogenannten Web 2.0 viel effektiver sind und man sich dort deutlich bürgerlicher und harmloser präsentieren kann. Besonders für jugendliche Nachwuchskräfte ist diese Form von politischer Selbstdarstellung deutlich angenehmer als rassistische Diskussionen in Szeneportalen. Das ändert jedoch nichts an der Gesinnung und der damit verbundenen Gefahr.

Im Schuelervz gehören Nazis bereits zum alltäglichen Erscheinungsbild. Eigentlich sollte man vermuten, dass rechte Gesinnungen dort keine Chancen haben, da dort ein Verhaltenskodex gilt ("Rassistische, gewalttätige, politisch extremis­tische, sexistische, diskriminierende oder sonstige anstößige Veröffentlichungen, sowie solche, die andere Personen, Volksgruppen oder religiöse Bekenntnisse beleidigen, verleumden, bedrohen oder verbal herabsetzen, sind nicht erlaubt."), der solche Ansichten verbietet. Und dennoch schaffen es Nazis dort weiterhin ihre Ansichten zu verbreiten, da sie nicht offensichtlich wie solche auftreten, sondern durch geheime Symbole, schwammige Bezeichnungen und nicht eindeutige Formulierungen ihr Auftreten vertuschen. Wer würde schließlich in einer Gruppe wie "Deutsche Frauen - Sind die schönsten Frauen!" oder "Deutschland ist das schönste Land der Welt" automatisch Nazis vermuten? Spätestens seit der WM 2006 sehen sich auch viele andere Menschen Deutschland gegenüber sehr verbunden. Deshalb können sich Nazis auch leichter unter die normalen Nutzer mischen und bei Diskussionen in diesen Gruppen ihr braunes Gedankengut aussprechen. Man hört ihnen zu und sie gewinnen an Akzeptanz und Zustimmung.
Mit meinem eigenen Account habe ich im Schuelervz recherchiert, um herauszufinden wie aktiv Nazis dort sind und wie sich präsentieren.

Zuerst stoße ich auf Hakke, wie er sich selbst nennt. Er hört neben Techno und ähnlicher Musik auch gerne "gewisse "HEIMATKLÄNGE" ... !", womit er sehr warscheinlich verbotene rechte Musik meint. Er sagt es nicht offen, da dieses sehr schnell zu einer Löschung führen würde. Auf seinem Bild hat er sehr kurze Haare und trägt eine Harrington Jacke und ein T-Shirt mit der Aufschrift "Pitbull-Germany", was eindeutig der Naziszene zugeordnet werden kann. Pitbull, Thor Steinar, Fred Perry oder Lonsdale sind die typischsten Marken, die von Nazis verwendet werden. Beim Profilpunkt "Clubs,Vereine" nennt er seine "KAMERADSCHAFT " und auch bei der Angabe seiner Lieblingsbücher muss er ausweichen("*zensiert* - zu böhse darf man nit sagen"). Leider verfügt er über nicht so gute Deutschkenntnisse, was einer seiner Lieblingssprüche ganz gut deutlich macht:"Wer für ein/sein folk kämpft ist imer im recht!doch wenn recht zu unrecht wird wird der wiederstand zur PFLICHT!!!".
Zecken mag er gar nicht und sein Leben sollte am liebsten nur aus Feierei und Trunkenheit bestehen. Er ist beispielsweise Mitglied in der Gruppe "Wir Deutschen halten zusammen" und auch auf seiner Pinnwand sieht alles ganz normal aus: Seine Freunde scheinen nicht zwangsweise auch eine rechte Gesinnung zu haben, aber haben auch kein Problem mit seinen Profilinhalten. Er ist eben wie jeder andere nette Kollege auch. Am besten gefällt ihm übrigens der Politikunterricht in der Schule, seltsam...

Als nächstes stoße ich auf Marcel, der auch gleich mal das eiserne Kreuz in seinem Usernamen trägt. Er hat absolut kein Problem mit seiner rechten Gesinnung und ist auch extrem stolz darauf, dass er Springerstiefel mit weißen Schnürsenkeln trägt, was selbst beim Verfassungsschutz noch als rechtes Merkmal gehandelt wird, aber schon lange keine wirkliche Bedeutung mehr in der rechten Szene findet. Er ist, wie es für seine Gesinnung üblich ist, in Gruppen wie "Netz gegen Linksextreme" und "Netz gegen Kinderschänder" und glaubt gleichzeitig an Odin und das damit verbundene Heidentum, was bei Nazis als einzige Religion aufgefasst wird. Auf seiner Pinnwand hat Userin "mehliii", die sich in ihrem Profil selbst als rechts bezeichnet, gleich ein paar Einträge hinterlassen und geht ganz offen mit ihrer Gesinnung um:"mh, saq ichs ma so, ich hör gerne landser, kategorie c un sowas un hab ne schwäche für deutsche große jungs :> also nich wirklich selber echts, ich würde nie ausländer verhauen :!
hätte eh keine chance, bin aber dafür sie sollten verschwinden :!"
Pikant dabei ist, dass Landser eine rechtsextreme Band ist, die 2005 vom Bundesgerichtshof als erste Musikband zur kriminellen Vereinigung erklärt wurde. Bei der Band Kategorie C handelt es sich ebenfalls klar um eine neonazistische Band aus dem Hooligan-Milieu, die bewusst zu Gewalt im Fußball aufruft. Auf ihrem Profilbild sieht sie aber ganz und gar nicht wie das "arische Mädchen" aus, sondern wirkt eher wie eine Südländerin.
Wirklich erschreckend war ein Eintrag auf ihrer Pinnwand, wo einer ihrer "Kameraden" ein Hakenkreuz postet und es absolut niemanden stört (Bildmaterial liegt vor!). Seit dem 10.01.2011 existiert dieser Eintrag und ist für jeden sichtbar. Auch Marcel taucht dort am 07.01.2011 wieder mit folgendem Eintrag auf:"hai ..ich weiß wir kennen uns net..aber ich lass dir mal kameradschaftliche grüSSe da...."
Besonders sollte auf das "SS" geachtet werden, was seine Gesinnung sehr deutlich macht und dennoch erst auf den zweiten Blick als Nazicode identifizierbar ist.
Und so nebenbei hat User Nico auch noch ein Foto von sich hochgeladen, wo er ganz bewusst den Arm zum verbotenen Hitlergruß hebt (Bildmaterial liegt vor!).
Das ist Alltag im Schuelervz.

Aber auch in bekannten sozialen Netzwerken wie Facebook und Myspace sind Nazis aktiv. Hier tummeln sich ähnliche Inhalte und Nutzer, wobei hier das Löschen solcher Inhalte deutlich schwieriger ist, da diese Netzwerke nach US-Vorgaben agieren und somit das Recht auf freie Meinungsäußerung ("Free Speech"), egal wie hässlich diese ausfällt, sehr ernst genommen wird. Außerdem hat auch die NPD ein Profil bei Facebook und konnte dort bereits über 5000 Unterstützer gewinnen. Sie betreiben zudem Profile ihrer Landesverbände und Spitzenkandidaten, stellen rechtsextreme Videos online und bieten ihren Wählern eine weitere Plattform zum Austausch von rechtem Gedankengut. Schaut man sich die Unterstützer an, tauchen dort Nutzer auf, die eine schwarz-weiß-rote Fahne als Profilbild oder sich neben dem rechtsextremen Symbol "schwarze Sonne" fotografiert haben.

Auch YouTube gewinnt immer mehr an Beliebtheit und auch hier versuchen Nazis ihre Propaganda zu verbreiten. So stellt die NPD schon lange hier ihre Spitzenkandidaten vor, wirbt vor den Wahlen mit ihren Wahlwerbespots und Udo Voigt macht im Podcast klar, warum man NPD wählen sollte. Doch das ist noch gar nicht alles: Auch freie und autonome Nationalisten laden ihre Propaganda-Videos dort hoch und rechtsextreme Musik wie Sleipnir, Division Germania oder Nordfront ist mit nur einem Klick abrufbar.

Rechte Gesinnung kann auch sehr lukrativ sein, weshalb es eine ansteigende Zahl rechter Internetshops gibt. So kann die braune Kundschaft in Shops wie dem Patria-Versand oder dem NPD-Webshop(auch Nationales Warenhaus genannt) Deutsche Stimme rechtsextreme Kleidungsstücke oder Tonträger mit rechter Musik erwerben.

Das alles macht deutlich, dass jeder einzelne von uns täglich mit rechtem Gedankengut in Kontakt kommen kann und wir deshalb vorsichtig sein müssen. Was gilt es zu tun, wenn man selbst auf solche Inhalte stößt? - Dieses umbedingt den Betreibern der einzelnen Plattformen mitteilen und ansonsten hat man selbst kaum Möglichkeiten die Inhalte aus dem Netz zu entfernen. Jegliche sonstige rechte Seiten befinden sich in der Regel auf einem Server im Ausland, für welchen die deutsche Rechtslage dann leider nicht gilt.

Montag, 7. Februar 2011

Apple - was geht app?

IPOD 2G
Apple Produkte sind aus dem Alltag vieler Menschen gar nicht mehr wegzudenken.
Bildquelle: By Jan Kratochvil [Public domain], via Wikimedia Commons

Überall sieht man die kleinen, elegant aussehenden Geräte von Apple: Die Rede ist vom iPod touch und iPhone. Für viele Menschen sind diese und weitere Apple Produkte nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken, da sie sich als technische Spielereien und Alleskönner entpuppt haben.

Extra in die Zeitung gucken, um das Wetter zu wissen? Die Fußball Ergebnisse vom letzten Spieltag im Radio anhören? Für die Zeitung extra zum Kiosk laufen? - Das ist heute alles überholt und altmodisch, da iPod touch und iPhone längst solche Dienste erfüllen können. Möglich ist das aufgrund von sogenannten Applikationen (kurz: Apps), die man sich oft kostenlos im Internet herunterladen kann. Außerdem besteht auch die Möglichkeit zahlreiche kostenpflichtige Apps zu erwerben, die man sich alle dann auf das Gerät spielen kann. Von diesen Apps gibt es im Internet mehrere Hunderttausend Stück, die von entsprechenden Seiten oder von Apple direkt bezogen werden können. Und die Auswahl ist gigantisch: Wörterbuch, Zeitung, Wetterdienst, Tetris,... - Es sind keine Grenzen gesetzt und fast alles ist heute zu bekommen! Nicht ohne Grund sind Apples Geräte echte Alleskönner. Zudem bietet das iPhone noch die Möglichkeit zu telefonieren, einigermaßen hochwertige Videos zu drehen und scharfe Fotos zu knipsen. Der perfekte Begleiter für den Alltag.

Auch vor dem Erscheinen von iPod touch und iPhone nahm Apple stets eine Vorreiterrolle an und kreierte Produkte, auf die viele Verbraucher wohl stets gewartet haben. Der iPod shuffle beispielsweise beeindruckte durch das kleine Gehäuse und wurde zum trendigen Begleiter an der Jacke, der Tasche oder am Gürtel, da der Musikspieler einen Klipp auf der Rückseite hat, welcher die Befestigung an vielen Oberflächen zulässt. Der iPod nano zeigte wahre klasse und beeindruckte die Verbraucher durch seinen großen Speicherplatz, den, für damalige Verhältnisse, üppigen Bildschirm und das Drehrad, welches zur Bedienung eingesetzt wird. Auch der iPod classic, der bereits in der 6. Generation erhältlich ist, löste einen neuen Trend aus. Jeder, der weiße Kopfhörer, in Verbindung mit einem Apple Produkt, hatte, war stets angesagt und auf dem neuesten Stand. Apple konnte den Menschen schon damals ein Lebensgefühl verkaufen, was bis dahin kein Technikkonzern geschafft hat und vermutlich auch heute nicht schaffen wird. Bestes Beispiel dafür ist das iPhone, welches so unglaublich einzigartig war, dass es lange seinesgleichen suchte. Beispielsweise HTC und Google versuchen aktuell dagegenzuhalten und brachten ebenfalls technische Höchstleistungen auf den Markt.

Jeder, der Kunde von Apple ist, lässt sich nicht von sehr hohen Preisen abschrecken, weil für viele Menschen Apple Produkte nicht durch andere Geräte ersetzt werden können. Außerdem sehen sie gut aus, sind eben echte Alleskönner und steigern das Selbstwertgefühl enorm. Da zahlt man eben auch mal mehr. Wer Apple Produkte benutzt, gibt ein Stück seines Lebens auf und vernichtet das übliche, gewohnte Leben. Wie bereits oben schon gesagt, ersetzen Apps für viele Menschen Produkte, die noch vor ein paar Jahren nicht aus dem Leben wegzudenken waren. Früher musste man eben auf gewisse Produkte verzichten, weil sie nicht griffbereit waren oder entsprechend Zeit benötigt haben. Heute ziehen wir unser gesamtes Leben aus der Hosentasche und können es mit einem Knopfdruck abrufen. Je mehr Speicher, desto mehr Apps. Apple nimmt uns das Leben ab und macht es uns leichter, obwohl wir gleichzeitig damit gewisse Freiheiten verlieren und unser Leben viel hektischer und anstrengender wird. Brauchen wir alles auf einen Knopfdruck, um besser leben zu können?

Apple verkauft ein Lebensgefühl und macht damit Geld, viel Geld! Natürlich versucht man dann sein Image weiter zu verbessern, um noch erfolgreicher im internationalen Wettbewerb tätig sein zu können. Gerade in der heutigen Gesellschaft sind Umweltschutz und Nachhaltigkeit wichtige Themen geworden, die für viele Menschen wichtige Kaufkriterien darstellen. Handelt ein Unternehmen unmenschlich gegenüber Mensch, Tier und Umwelt, boykottieren viele Verbraucher diese Produkte, was Umsatzverluste bedeutet. Natürlich weiß auch Apple über diesen Öko-Boom Bescheid und bleibt dabei nicht auf der Strecke: Beispielsweise wurde das MacBook, ein weiteres Produkt im riesigen Sortiment, in einem Werbespot als das "grünste MacBook aller Zeiten" bezeichnet. Man verspricht dem Verbraucher ein vollständig recycelbares Gehäuse, einen geringen Stromverbrauch und den Verzicht auf einige giftige Stoffe. Fortschrittlich und lobenswert; keine Frage!

Doch wie passen so elegante Produkte und angeblicher Umweltschutz ins Bild, wenn sich auf der anderen Seite gleichzeitig über 20 Mitarbeiter der taiwanesischen Firma Foxconn, die größter Zulieferer von Apple ist, umbringen, weil die Arbeitsbedingungen so grausam sind? Eine Mitarbeiterin berichtete davon, dass sie täglich 12 Stunden arbeiten muss und das 6 Tage in der Woche. Außerdem dürfen die Mitarbeiter während der gesamten Arbeitszeit nicht miteinander sprechen und erhalten lediglich 2000 Yuan (inklusive Überstunden), was etwa 230 Euro sind und somit weniger als ein 16-Gigabyte iPhone von Apple kostet. Laut Medienberichten werden die Mitarbeiter gezwungen in Baracken zu "leben" und dürfen das Fabrikgelände nur mit Genehmigung verlassen. Des Weiteren ist Kinderarbeit bei diesem Zulieferer leider nicht ausgeschlossen, auch wenn Apple stets die Arbeitsbedingungen verbessern wollte. Außerdem verschwieg Apple stets den Einsatz von Giftstoffen bei seinen Zulieferern in China. So wurden, laut chinesischen Umweltschützern, Umwelt- und Gesundheitsvorschriften verletzt. Verschmutzung und Giftstoffe haben bereits 2009 40 Arbeiter in der Fabrik Lian Jian vergiftet, die berührungsempfindliche Bildschirme für Apple gereinigt haben. Auch 8 Mitarbeiter der Firma Yunheng Hardware & Electrical wurden bei der Produktion vergiftet. Die Mitarbeiter der Apple-Zulieferer leiden unter den schlechten Arbeitsbedigungen und auch unter den Giftstoffen, obwohl der IT-Konzern entsprechende Maßnahmen vornehmen könnte. Apple schweigt lieber weiter und geht nicht auf diese Vorfälle ein - Es ist dem Konzern anscheinend egal!

Apple sagt uns was cool ist, nämlich Apple Produkte, gibt sich einen umweltfreundlichen Anstrich, beutet gleichzeitig seine Mitarbeiter aus und verletzt/tötet diese bewusst. Wie passt das alles zueinander?
Wer es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, soll doch weiterhin mit dem iPad Bücher lesen, weiterhin sein Leben durch Apps bestimmen lassen und Musik durch weiße Kopfhörer genießen. Jeder, der aber etwas für Umwelt, Tiere und Menschen übrig hat, lässt den faulen Apfel liegen und boykottiert diese Produkte.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Darum bin ich Kriegsdienstverweigerer

Two Bundeswehr soldiers fire their weapons
Frieden durch Krieg - Ist das die Lösung?
Bildquelle: By Gertrud Zach, U.S. Army [Public domain], via Wikimedia Commons

Seit Dezember 2001 sind deutsche Truppen in Afghanistan stationiert, "um zu verhindern, dass das Land wieder zum Rückzugsraum internationaler Terroristen wird." (Zitat: bundeswehr.de)
Der perfekte Zeitpunkt, um diesen Kriegseinsatz zu rechtfertigen, da am 11. September Anschläge auf das World Trade Center in New York verübt wurden. Die ganze Welt wurde durch die Medien in Angst und Schrecken versetzt und das war auch noch mehrere Monate danach zu spüren, weshalb die damalige Bundesregierung problemlos Truppen nach Afghanistan entsenden konnte.

Etwa 9 Jahre später wird weiterhin am Hindukusch und in anderen Teilen des Landes gekämpft, obwohl der Widerstand immer größer wird und ernsthafte Erfolge bislang nicht erzielt werden konnten. SPD-Politiker Klose stellte dabei im Bundestag klar, dass, wenn die NATO-Truppen sofort abgezogen werden, die Terroristen 9 Wochen später wieder die eigentliche Macht im Land haben würden. Das macht deutlich, dass die gesamte Zeit über absolut keine Erfolge erzielt werden konnten. Außerdem müsste eher eine politische Debatte geführt werden, statt ständigen Diskussionen über die Aufstockung der Truppen, wie es regelmäßig im Bundestag der Fall ist. Von den einzelnen Fraktionen, abgesehen von der Linkspartei, gibt es auch keinerlei Maßnahmen, um einen ernsthaften Fortschritt in Afghanistan erreichen zu können, da leider nicht über Lösungen zur Beendigung dieses Krieges gesprochen wird, sondern jegliche Maßnahmen zur Fortführung dieses Einsatzes ergriffen werden. Falls überhaupt über einen Abzug debattiert wird, so halten sich die Fraktionen sehr bedeckt und planen mit einem Abzug der Truppen bis 2014. Beruhigend ist das auf keinen Fall, da hier über eine Zeitspanne von 4 Jahren gesprochen wird und somit noch vieles passieren kann - Eine klare Perspektive gibt es aber nicht!

Dieser Krieg wird geführt, um die Bevölkerung vor dem Terrorismus zu schützen. Sicherlich stellen die Taliban ein Problem für den Frieden in Afghanistan und auch in der restlichen Welt dar und dennoch scheint die Bekämpfung dieser Truppen schwieriger als angenommen: Zwar bietet die Isaf ehemaligen Taliban die Möglichkeit sich einer neuen Hilfspolizeitruppe (Afghanische Lokale Polizei (ALP)) anzuschließen und trotzdem weiß niemand wieviele Taliban tatsächlich übergelaufen sind und US-Oberst Sean Mullholland musste einräumen, dass es sich um "einen niedrigen Prozentsatz" handelt. Wirkungsvoll ist dieses System nicht, da gleichzeitig auch die Terror-Strukturen zu stark gefestigt sind. Beispielhaft für die aussichtslose Lage ist das Gefecht vom 15.03.2010, bei welchem die Soldaten den Feind kaum ausmachen können, da die Bundeswehrsoldaten aus mehreren hundert Meter beschossen werden. Es sind die Fallschirmjäger aus dem nidersächsischen Seedorf, die an diesem Tag in dieser dramatischen und zugleich aussichtslosen Situation stecken. Es ist ihr erstes Gefecht gewesen und ab diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass die Soldaten die nächsten 5 Monate in verschiedene Gefechte verwickelt sein werden. Bereits am 2. April fallen 3 Soldaten der Einheiten in weiteren heftigen Kämpfen. Viele, der in Nordafghanistan stationierten Soldaten, verlassen die Bundeswehr nach diesen Gefechten, weil sie der psychischen Belastung nicht mehr Stand halten können: Zu stark sind die Trauer um die gefallenen Kameraden oder die dramatischen Bilder aus den Kriegssituationen. Sie kehren zurück nach Deutschland, verlassen die Bundeswehr und versuchen einen Neuanfang in einem anderen Beruf, was oft nur bedingt möglich ist. Es sind Schäden, die auch mit der Zeit nicht verschwinden werden.
Stabsgefreiter Daniel B. äußerte sich gegenüber dem ZDF zu diesen Kampfhandlungen:"Es ist in gewisser Weise erschreckend solche Handlungen durchführen zu müssen." Er stellte außerdem klar, dass er niemals erwartet hätte, dass die Soldaten in "so extreme Kampfhandlungen verwickelt werden".

Außerdem werden jegliche internationalen Truppen als Besatzer angesehen, da sich die Lage durch den Kriegseinsatz deutlich verschärft hat und selbst unter dem Talibanregime war die Lebenssiuation für viele Bürger des Landes besser. In einem Interview mit der taz äußerte sich die afghanische Politikerin Malalai Joya wie folgt:"Für die Frauen ist die Situation heute schlimmer als unter den Taliban." Weiter heißt es in dem Interview:" Die Lage der Frauen ist hoffnungslos. Hunderte Frauen verbrennen sich jährlich selbst, oder sie nehmen sich den Strick, weil sie an Männer verkauft werden wie Vieh. 80 Prozent der Ehen sind erzwungen. " Auf die Frage, ob ein verfrühter Abzug der Truppen nicht völliges Chaos bedeuten würde, antwortete Joya:"Wir brauchen Hilfe, aber keine Besatzung wie derzeit. [...] Es wird nicht Terrorismus bekämpft, sondern Terror produziert."

Aber auch die Tatsache, dass Bundeskanzerlin Angela Merkel und Verteidigungsminister zu Guttenberg anfänglich nicht von einem Krieg, sondern von einem "bewaffneten Konflikt", gesprochen haben, schildert deutlich, dass die Regierung die Lage in Afghanistan nie wirklich ernstgenommen hat. Lieber wurde die dramatische Lage heruntergespielt, um den Kriegseinsatz noch rechtfertigen zu können. Fast schon peinlich verlief dabei die Trauerfeier der gefallenen Soldaten aus Seedorf, die von Guttenberg und Merkel eine sehr dürftige Verabschiedung erhalten haben. Pikanterweise versuchten die Politgrößen diese Trauerfeier auch noch als eine Art Wahlkampf zu nutzen, um diesen Krieg abermals rechtfertigen zu können - Und das, obwohl Menschen bei diesem Einsatz gestorben sind!
Ex-Bundespräsident Köhler machte in einer umstrittenen Rede am 22. Mai 2010 klar, dass jeder Bürger "wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege [...]" - Perfekt getarnt unter dem Friedensmantel hat die deutsche Regierung auch Interesse an der Sicherstellung von Ressourcen und dem Schutz sonstiger wirtschaftlicher Interessen. Es geht in erster Linie gar nicht um die Schaffung von Frieden in Afghanistan, sondern haben wirtschaftliche Belange einen höheren Stellenwert als Menschenleben. Ähnliche Verhaltensweisen konnten bereits im Irakkrieg festgestellt werden, als das US-Militär auch ein großes Interesse an der Sicherung jeglicher Ölvorkomnisse hatte.
Dieser Krieg ist auf diese Weise nicht zu "gewinnen", zumal es bei einem Krieg ausschließlich Verlierer gibt! Die internationalen Truppen sollten sich lieber um einen friedlichen und zivilen Aufbau des Landes kümmern, anstatt sinnlose Gefechte zu führen, die ohnehin keinen Erfolg bringen und unnötig Menschenleben auf beiden Seiten fordern.

In Deutschland sieht die Situation der Bundeswehr nicht besser aus, da auch hier einige Skandale öffentlich geworden sind: Zwei ominöse Todesfälle an Deck des Segelschulschiffs "Gorch Fock", geöffnete Briefe von Soldaten aus Afghanistan und die mangelhafte Informationspolitik des Verteidigungsministeriums um Karl Theodor zu Guttenberg.
Skandalös ist eigentlich schon der Vorfall, dass Guttenberg ein Telefonat mit der Bild führte und anschließend den Kapitän der "Gorch Fock" entließ. Sieht so das seriöse Auftreten eines Politikers aus?
Viel schlimmer ist aber die Tatsache, dass auf dem Schulschiff die 25-jährige Marineschülerin Sarah S. tödlich verunglückte, was viele Soldaten auf den unmenschlichen Drill zurückführen. Erstaunlich ist dabei, dass Rainer Arnold (SPD) bereits im Dezember eine Aufklärung über ähnliche Gerüchte verlangte und ergebnislos blieb, da Guttenberg offenbar gar nicht über die Situation Bescheid wusste. Dennoch passt es gut ins Bild: Minister Guttenberg entzieht sich jeglicher Verantwortung und findet für jedes Problem einen Sündenbock.
Auch die geöffnete Feldpost belastet ebenfalls Guttenberg, wobei das Verteidigungsministerium selbstverständlich durch einen Untersuchungsbericht Entwarnung gab und so tat, als sei alles prima mit der Post. Und das, obwohl neben Wertgegenständen auch persönliche Schreiben und ähnliche Dokumente verschickt wurden!

Ganz zu meiner Freude wurde Anfang 2011 nun die Wehrpflicht ausgesetzt, was bei solchen Umständen auch dringend notwendig gewesen ist. Selbst wenn die Wehrpflicht noch existieren würde und ich von dieser betroffen wäre, hätte ich den Dienst verweigert und ein freiwilliges ökologisches Jahr geleistet, um so den Kriegsdienst zu verweigern und um eventuell nützliche Erfahrungen für einen späteren Beruf in diesem Bereich zu sammeln. Der Dienst mit der Waffe kommt für mich unter keinen Umständen in Frage, da jeder, der den Dienst leistet und sich so zum Kanonenfutter des deutschen Militärs macht, den Afghanistaneinsatz und jegliches sonstiges Fehlverhalten des Verteidigungsministeriums duldet.
Wer aber weltweiten Frieden anstrebt, kann diesen Wunsch nicht mit der Bundeswehr und dem Kriegsdienst vereinen. Ich habe mich selbst bei Greenpeace engagiert und werde mit der Vollendung des 18. Lebensjahres der Tierschutzpartei beitreten, die gegen den Wehrdienst und den Krieg in Afghanistan ist! Und dieses Streben nach weltweiter Gerechtigkeit und weltweitem Frieden funktioniert nur, wenn jegliche Kampfhandlungen und Kriegseinsätze beendet werden!

Für mich ist die Bundeswehr eine Institution, die von der Kameradschaft und angeblichem Bestreben nach Frieden lebt und dennoch ein absolutes Tötungsorgan darstellt. Außerdem sind jegliche Ausbildungsmethoden, die dort angewendet werden, unmenschlich und nicht förderlich für den späteren Lebensweg und die eigene Zukunft. Ich will mich nich zum Mörder und zur Marionette von Wirtschaft und Regierung ausbilden lassen, weil die Welt ganz andere Menschen benötigt - Menschen mit Visionen, die internationale Solidarität, Vereinigung und weltweiten Frieden fordern und auch versuchen durchzusetzen. Des Weiteren halte ich einen Krieg für unmoralisch und unchristlich, da so Menschen- und Tierleben gefährdet und die Umwelt zerstört wird. Jede Person, die also mit christlichen Glauben in gewisser Weise in Kontakt steht, muss zwangsweise die Bundeswehr und den Krieg ablehnen.
Jede Person, die durch einen Einsatz der Bundeswehr stirbt, ist eine Person zu viel - Unabhängig von welcher Seite!

Bedauerlich finde ich auch, dass die Bundeswehr nicht einmal fair gehandelte Kleidungsstücke einsetzt, obwohl diese von der Regierung finanziell und ideologisch gelenkt wird. Eine öffentliche Institution, die sich für Rettung von Zivilisten, besonders von Kindern, einsetzt und dennoch nicht bewusst fair gehandelte Kleidungsstücke produzieren lässt, sondern auf Textilien aus Ausbeutung und Kinderarbeit setzt, ist unglaubwürdig und unmenschlich! Hier fehlt jegliche Transparenz! Ansonsten: Was tut die Bundeswehr für den Umwelt- und Tierschutz?

Abschließend muss gesagt werden, dass ich unter diesen Umständen nicht bereit bin meinen Wehrdienst zu leisten, sondern anerkannter Kriegsdienstverweigerer werden möchte, um ein klares Zeichen gegen Krieg und Gewalt zu setzen.


### Nachtrag am 13.02.2011 ###
Am 10.02. habe ich einen Bescheid vom Bundesamt für Zivildienst erhalten, der bestätigt, dass ich offiziell dazu berechtigt bin, den Kriegsdienst mit der Waffe zu verweigern! :)
 

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