Samstag, 27. August 2011

Wahl-O-Mat: Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2011

Am 18. September 2011 findet die nächste Wahl zum 17. Berliner Abgeordnetenhaus statt. Zu dieser Wahl treten 22 Parteien an, die bereits seit Wochen schon mitten im Wahlkampf stecken. Drei Wochen vor der Wahl kann die SPD ihren Vorsprung gegenüber den anderen Parteien weiter ausbauen. Die Sozialdemokraten können somit laut aktueller Sonntagsfrage des ZDF-Politbarometer 33 Prozent aller Stimmen auf sich vereinen. Aus diesem Ergebnis heraus wäre eine Zusammenarbeit mit der LINKEN denkbar, die nämlich auf 10,5 Prozent kommt. CDU und Grüne liegen demnach beide bei etwa 20,5 Prozent und könnten somit keine Regierung bilden. Die FDP muss kurz vor der Wahl noch um den Einzug in das Abgeordnetenhaus bangen, da momentan nur 3,5 Prozent der Wähler ihr Kreuz bei den Neoliberalen machen würden. Auffällig ist ebenfalls, dass 4,5 Prozent der Befragten angaben die Piratenpartei zu wählen. Für dieses Ergebnis wurden vergangenen Montag bis Donnerstag 933 Wahlberechtigte in Berlin befragt.
Wie das Ergebnis am Ende tatsächlich ausfällt, bleibt weiterhin offen. Dennoch ist es vor jeder Wahl sehr wichtig, dass man jeder Partei sein Interesse zeigt und sich mit den einzelnen Konzepten auseinander setzt. Dafür empfehle ich ich den Wahl-O-Mat, bei welchem dem Nutzer wahlkampfrelevante Fragen gestellt werden, die dieser beantworten kann. Anhand der Antworten wird dann ermittelt, welche Partei am besten zum Nutzer bzw. zu dessen Angaben passt. Eine Garantie gibt es dafür natürlich nie. (Der Wahl-O-Mat ist auch für Alle interessant, die nicht in Berlin wählen dürfen!)
Bitte nicht vergessen: Eine Stimme für eine kleine Partei ist nie verschenkt!
Ich habe mich den Fragen ebenfalls gestellt und folgendes Ergebnis erhalten (Auswertung am Ende):

1. Die Berliner S-Bahn soll als landeseigenes Unternehmen betrieben werden!
- > stimme zu
Ja, denn öffentliche Verkehrsmittel gehören zur Grundversorgung aller Bürger. Würde die Berliner S-Bahn privatisiert werden, hätten Manager die Kontrolle über die S-Bahn und könnten willkürlich Fahrpreise und Stellenabbau veranlassen. Dabei brauchen alle öffentlichen Verkehrsmittel mehr Servicepersonal und deutlich günstigere Fahrpreise, was nur durch staatliche Kontrolle gewährleistet werden kann.

2. Bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl: Wählen ab 16 Jahren!
-> stimme nicht zu
Niemals! Wenn ich alleine daran denke, was ich mit 16 noch so alles gedacht habe...

3. Härteres Vorgehen bei Verschmutzung durch Hundekot.
- > stimme nicht zu
Was bedeutet "härtes Vorgehen"? Klingt doch irgendwie schon nach Gewalt. Hundekot ist ein Problem in jeder Großstadt, weshalb es durch effektive Maßnahmen wie zum Beispiel mehr Kotbeutelhalter oder höhere Bußgelder eingedämmt werden könnte. Mehr öffentliche Überwachung oder "härtes Vorgehen" halte ich für übertrieben.

4. Eingetragene Lebenspartnerschaften sollen der Ehe gleichgestellt werden.
- > stimme zu
So schnell es geht!

5. Der Alkoholkonsum auf öffentlichen Plätzen soll weiter eingeschränkt werden.
- > stimme zu
Das wäre ein wichtiger Schritt, damit der Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit noch stärker eingedämmt werden kann. Besonders Minderjährige müssen stärker geschützt und aufgeklärt werden. Solche Verbote müssen jedoch auch konsequent angewendet werden und mit Aufklärungsarbeit und Alternativen kombiniert werden.

6. In Berlin soll es eine Steuer für Hotelübernachtungen geben ("City-Tax").
- > neutral
Für große Hotelketten wie beispielsweise Best Western oder Mövenpick Hotels macht eine solche Steuer viel Sinn, trifft jedoch auch kleine und mittelständische Hotels. Man sollte also differenzieren.

7. Das letzte Kita-Jahr vor der Einschulung soll für alle Kinder verpflichtend sein.
- > stimme nicht zu
Es kann nie schaden, wenn Kinder schon früh untereinander in Kontakt kommen und doch sollte dieses weiterhin Entscheidung der Eltern bleiben.

8. Berlin soll weiterhin Kulturprojekte von Menschen mit Migrationshintergrund fördern.
- > stimme zu
Ja, natürlich. Warum heißt es denn immer "Menschen mit Migrationshintergrund"? Das sind doch auch ganz normale Menschen in Deutschland.

9. Die Bebauung des Spreeufers im Rahmen des Mediaspree-Projekts soll gestoppt werden.
- > stimme zu
Bebauung ist nie gut, da so Natur und Tiere geschädigt werden und dauerhaft verloren gehen. Solche Baumaßnahmen nützen lediglich verschiedenen Unternehmen und verfolgen ausschließlich wirtschaftliche Interessen. Gerade in Zeiten zunehmender Umweltprobleme ein Schritt zurück.

10. Kriminelle Jugendliche sollen bei einer Verurteilung auf Bewährung auch für kurze Zeit inhaftiert werden können ("Warnschussarrest").
- > neutral
Keine Ahnung. Ist das wirklich notwendig?

11. Die Grunderwerbssteuer soll erhöht werden.
- > stimme zu
So entstehen Mehreinnahmen in Millionenhöhe, die in Bildung, soziale Belange und kommunale Aufgaben sinnvoll investiert werden können.

12. Projekte zur Bekämpfung des Linksextremismus sollen gefördert werden.
- > stimme nicht zu
Es gibt genug Initiativen, um Linksextremismus zu stoppen und Aussteigern gute Alternativen bieten zu können. Mehr finanzielle Mittel halte ich nicht für nötig, da auch das Gewaltpotential von Linksextremisten oft hochgespielt wird. Nicht wahr, liebe CDU und NPD?

13. Die sechsjährige Grundschulzeit soll für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend sein.
- > stimme nicht zu
Ich finde gemeinsames Lernen sehr wichtig, weshalb ich es nicht unterstütze, wenn Kinder nach der 4. Klasse direkt aussortiert werden, obwohl oft noch nicht exakt gesagt werden kann, welche Schulform sich für die einzelnen SchülerInnen tatsächlich eignet. Gemeinsames Lernen bis zur 10. Klasse ist wichtig und doch sollte die reguläre Grundschulzeit nach 4 Jahren abgeschlossen sein.

14. Berlin soll sich dafür einsetzen, dass sich Asylbewerber und Asylbewerberinnen in ganz Deutschland frei bewegen dürfen.
- > stimme zu
Das ist doch ein Grundrecht in Deutschland.

15. In Berlin sollen die Hürden für Volksentscheide gesenkt werden.
- > stimme zu
Volksentscheide sind wichtig und richtig, da so endlich alle Bürger zu Wort kommen können und aktive Demokratie stattfindet.

16. Die Stadtautobahn A100 soll verlängert werden.
- > stimme nicht zu
Es sollten keine öffentlichen Gelder in den Ausbau von Straßen gesteckt werden, da solche Investitionen kontraproduktiv sind. Lieber sollten Gelder für die Vergünstigung und den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel genutzt werden. Ebenfalls könnten so neue Rad- und Wanderwege entstehen, was ökologisch eh sinnvoller ist.

17. Mehr Menschen mit Migrationshintergrund sollen im öffentlichen Dienst Berlins arbeiten.
- > stimme zu
Fördert die Integration, macht das Miteinander aller Menschen einfacher und erleichtert auch das Erlernen der deutschen Sprache.

18. Alle Bachelor-Absolventen Berliner Hochschulen sollen einen Rechtsanspruch auf einen Masterstudienplatz in Berlin haben.
- > stimme zu
Das ist wichtig, da es keinen Sinn macht, wenn es z.B. 500 Bachelor-Plätze gibt und von den Absolventen dann nur 200 einen Masterstudienplatz bekommen können. Gleiche Bildungschancen erfordern auch gleiche Lernmöglichkeiten für alle Menschen.

19. Das Tempelhofer Feld soll komplett als Grünfläche erhalten bleiben.
- > stimme zu
Wir brauchen doch nicht an jeder Ecke irgendwelche Elektronikgeschäfte, Supermärkte oder Büroflächen. Grünflächen lockern das Stadtbild angenehm auf.

20. Kindergeld soll nur an deutsche Familien ausgezahlt werden.
- > stimme nicht zu
Liebe NPD, CDU und sonstige konservative Kräfte, fickt euch!

21. Auf mehr Berliner Straßen soll Tempo 30 gelten.
- > stimme zu
Gerne! So kann eine erhöhte Verkehrssicherheit gewährleistet werden. Außerdem ist das ein idealer Anreiz, um mehr Menschen für öffentliche Verkehrsmittel oder Fahrräder zu motivieren.

22. Projekte gegen Rechtsextremismus sollen weiterhin gefördert werden.
- > stimme zu
Lieder immer noch nötig.

23. Das jahrgangsübergreifende Lernen ("JüL") an Berliner Grundschulen soll abgeschafft werden.
- > stimme nicht zu
Interessante Unterrichtsform, bei der altersgemischte Klasse entstehen. So können Schüler voneinander und auf neue Art miteinander lernen. Hätte sicherlich Potential.

24. Bei Großeinsätzen sollen alle Polizistinnen und Polizisten eine individuelle Kennung tragen müssen.
- > stimme zu
So können Gewalttaten und Unrechtsmäßigkeiten seitens der Polizei leichter aufgeklärt werden.

25. Berlin soll den sozialen Wohnungsbau wieder fördern.
- > stimme zu
Wenn Bedürftige von dieser Maßnahme profitieren, ist das unterstützenswert.

26. Abschaffung der Umweltzone in Berlin!
- > stimme nicht zu
Es macht schon Sinn, wenn bestimmte Teile der Stadt nur von bestimmten Fahrzeugen befahren werden dürfen . Das senkt die Feinstaubbelastung in diesen Zonen und trägt in gewisser Weise auch zum Umweltschutz bei. Besser wären aber Umweltzonen nur für öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder und Fußgänger.

27. Alle Kinder sollen ungeachtet ihres kulturellen Hintergrundes gemeinsam unterrichtet werden.
- > stimme zu
Wünschenswert!

28. Gesetzliche Mindestlöhne sollen weiterhin nur für einzelne Branchen gelten.
- > stimme nicht zu
Es bringt doch nichts, wenn ein Maler einen gesetzlichen Mindestlohn erhält, gleichzeitig aber eine Reinungsfachkraft oder Frisuerin für weniger als 5 Euro pro Stunde schuften muss. Nur ein gesetzlicher Mindestlohn auf Bundesebene ist wirklich gerecht, da auf diese Weise wirklich alle Arbeitnehmer davon profitieren.

29. Die Videoüberwachung im öffentlichen Raum soll ausgeweitet werden.
- > stimme nicht zu
Wollen wir nochmals Zustände á la DDR? Überwachung nimmt uns unsere Freiheit.

30. Alle Kinder im Vorschulalter sollen zusätzliche Sprachtests absolvieren müssen.
- > stimme nicht zu
Sprache und individuelle Fähigkeiten bilden sich doch erst ernsthaft mit Beginn der Schule. Sprachtests im Vorschulalter sind überflüssig und bereits dort würden sonst schon Kinder nach ihrer Leistung eingestuft/aussortiert werden. Unfair!

31. Das Land Berlin soll sich für die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote in Aufsichtsräten und Vorständen einsetzen.
- > stimme zu
Frauen sollen die gleichen beruflichen Chancen und den gleichen Lohn erhalten. Womit ist es denn begründet, dass Männer immer noch besser als Frauen verdienen und bessere Posten besetzen?

32. Berliner Lehrerinnen und Lehrer für islamischen Religionsunterricht sollen an deutschen Hochschulen ausgebildet worden sein.
- > stimme nicht zu
Überflüssig, da ein gemeinsamer Ethikunterricht einen besseren Lerneffekt erzielen kann, weil in diesem Fach alle verschiedenen Religionen, Ethiken und Weltanschauungen betrachtet und diskutiert werden. So können Vorurteile und Unklarheiten beseitigt werden. Gleichzeitig werden die Schüler wegen ihrer Religionszugehörigkeit nicht aussortiert.

33. Die Privatisierung der Berliner Wasserbetriebe soll rückgängig gemacht werden.
- > stimme zu
Unbedingt! Wasser ist ein Teil der Grundversorgung aller Bürger. Dieser muss durch den Staat kostengünstig sichergestellt werden, damit jeder Mensch Wasser erhält und sich dieses auch leisten kann. Privatisierung sorgt immer dafür, dass nur eine betriebswirtschaftlich lohnenswerte Versorgung stattfindet, die eventuell ärmere Menschen ausschließt.

34. Hartz IV-Empfängerinnen und -Empfängern sollen auch weiterhin Leistungen gekürzt werden, wenn sie ein Jobangebot ablehnen.
- > stimme nicht zu
Das ist ungerecht, da auf diese Weise alle Hartz IV-Empfängerinnen und -Empfängern dazu gezwungen sind jegliche Arbeit annehmen zu müssen. Unabhängig von der Bezahlung und den Arbeitsumständen. Jobangebote sollen auch gut bezahlt werden und ein angenehmes Arbeitsumfeld muss gewährleistet sein.

35. Die Berliner Gedenkstätten für die Opfer des NS-Regimes sollen weiterhin vom Land Berlin finanziell gefördert werden.
- > stimme zu
Geschichtliche Bildung/Aufklärung ist stets notwendig.

36. Kommunales Wahlrecht für alle dauerhaft in Berlin wohnenden Ausländerinnen und Ausländer!
- > stimme zu
Ja, allerdings wäre die deutsche Staatsbürgerschaft schöner. Dann würde sich diese These auch erübrigen.

37. An Berliner Schulen soll für Berufe bei der Bundeswehr geworben werden dürfen.
- > stimme nicht zu
Niemals! Die Bundeswehr hat in der Schule nichts zu suchen, da Schüler nicht von dieser Institution beeinflusst werden sollen. Schüler müssen lernen, dass die Bundeswehr mitverantwortlich für Krieg ist und Bundeswehrsoldaten Menschen töten. In einer zivilisierten Gesellschaft sollten Schüler sich für den Frieden einsetzen, anstatt diesen Kriegstreibern hinterher zu laufen. Deshalb sollte die Bundeswehr auch nicht mit solche Arbeitsstellen werben dürfen.

38. Am Bahnhof Zoo sollen wieder Fernverkehrszüge halten.
- > stimme zu
Jeder Zug entlastet unsere Straßen und schützt unsere Umwelt. Deshalb ist diese Idee durchaus unterstützenswert.

Die Parteien decken sich wie folgt mit meinen Angaben (maximal 118 Punkte waren zu vergeben):
104 Punkte - Bergpartei, die "Überpartei" (o.O)
102 - Die GRÜNEN
99 - APPD
98 - PSG
94 - DIE LINKE
94 - DKP
93 - Piratenpartei
87 - ÖDP
86 - Tierschutzpartei
85 - Die PARTEI
84 - BIG
80 - Unabhängige
69 - SPD
68 - ddp
62 - BüSo
56 - Familien-Partei
50 - pro Deutschland
46 - Deutsche Konservative
42 - NPD
35 - FDP
34 - CDU
33 - Die Freiheit


Hahaha, geiles Ergebnis. Von der Bergpartei habe ich vorher noch nie etwas gehört, sieht nach großem Mist aus. Die Grünen würde ich sowieso nicht wählen, denn unglaubwürdigerer Umweltschutz geht nicht mehr. Die APPD ist eine lächerliche Spaßpartei ohne ernsthafte Inhalte (z.B. "Einführung der Jugendrente, weil Arbeit scheiße ist."). DIE LINKE liegt mit 94 Punkten ein bisschen abgeschlagen, sagt mir aber am meisten zu. Teilweise waren die Begründungen der Partei zu manchen Thesen dennoch etwas fragwürdig. Über Inhalte kann ja schließlich diskutiert werden...

Ruhig mal selbst den Wahl-O-Mat austesten!

Mittwoch, 24. August 2011

Unfreiwillige Werbung im Sport - Muss das sein?


Oben: WM 2006 Ukraine vs. Tunesien, unten: Lorenz-Günther Köstner bei einer Pressekonferenz
Bildquellen: Oben: By azrael74 from Berlin, Deutschland (Flickr) [CC-BY-2.0], via Wikimedia Commons, Unten: By funky1opti (originally posted to Flickr as IMG_7334) [CC-BY-2.0], via Wikimedia Commons

Um eine Veranstaltung durchführen zu können, wird oft Geld benötigt. Im Fußball ist das auch so. Die Vereine benötigen Geld für die Instandhaltung des Stadions, neue Transfers, Gehälter usw. - klingt alles nachvollziehbar. Das dieses nicht durch die Stadionbesucher, die für ihr Ticket rund 20 Euro zahlen, finanziert werden kann, liegt wohl daran, dass die meisten Fußballer komplett überbezahlt sind und Transfers in unverschämter Höhe getätigt werden (z.B. Cristiano Ronaldo, Ablösesumme 94 Millionen Euro!). Aus diesem Grund ist es schon seit Ewigkeiten geduldet, dass Wirtschaft und Fußball ineinander übergreifen und weitreichende Geschäftsbeziehungen eingehen.
Dafür müssen wir uns nur die beiden oben gezeigten Bilder ansehen und können diesen Schulterschluss von Verein und Konzern perfekt nachvollziehen. Wir sehen eine Momentaufnahme aus dem WM-Spiel Ukraine gegen Tunesien aus dem Jahr 2006: Die TV-Zuschauer beobachten den kommenden Eckstoß aus erhöhter Position, haben einwandfreie Sicht auf die Werbebanden im Hintergrund. Selbst ein eingefleischter Fan wird die Werbung wahrnehmen und die Werbebotschaften namenhafter Konzerne aufnehmen. Dabei sticht einem beispielsweise Adidas - Textilkonzern, der Kinderarbeit und Ausbeutung in seinen Produktionsstätten duldet- oder Budweiser Budvar - Bierhersteller aus Tschechien - ins Auge. Mission geglückt! - Die Zuschauer haben die Werbung erfolgreich aufgenommen, warscheinlich im Unterbewusstsein und werden sich vermutlich auch in Zukunft wieder an Adidas, Budweiser oder Fly Emirates erinnern, was natürlich auch das eigentliche Ziel von Werbung ist.
Das Spiel geht gewohnt weiter, die Ecke wird ausgeführt und die Kameraperspektiven wechseln. Erneut wird Werbung eingeblendet, nur dieses Mal von anderen Konzernen. So geht es allerdings nicht nur die regulären 90 Minuten Spielzeit, sondern auch vor und nach dem Spiel. Abpfiff, die Spieler verlassen langsam den Platz. Hektisch stellen Mitarbeiter die Interviewwände auf, vor denen jetzt Spieler interviewt werden. Natürlich sind immer Kameras dabei, damit auch hier die Kundschaft nicht zu kurz kommt. Im Rücken des Spielers fallen die Logos verschiedener Konzerne auf. Die sind von Verein zu Verein verschieden. Der Reporter beginnt auch direkt mit der ersten Frage: Er will wissen, warum das Spiel heute nicht so gut lief und bekommt wie immer eine standartisierte Antwort: "Heute war nicht unser Tag. Die Mannschaft war nicht voll konzentriert und konnte nicht das ganze Potentzial abrufen" So oder so ähnlich. Die Kamera fürs Fernsehen läuft ununterbrochen weiter, nimmt das Gespräch auf und filmt gleichzeitig die Werbung im Hintergrund. Erneut hat der Werbedeal gefruchtet. Auch die Fotografen für Nachrichtenagenturen knipsen munter. Ihre Bilder werden bald in vielen Zeitungen weltweit auftauchen, denn es ist anscheinden egal, dass die Zeitungen und Magazine auf diese Weise kostenlose Werbung abdrucken. Das ist halt so, mag man meinen.
Ein paar Fragen folgen, dann geht es in die Kabinen des Stadions. Dort wird jetzt eine Pressekonferenz stattfinden (z.B. Bild unten). Erneut Kamerateams, Reporter, Fragen zum Spiel und die lästigen Werbewände im Hintergrund. Auf dem Bild ist Lorenz-Günther Köstner zu sehen und hinter ihm prangen die Logos verschiedener Werbekunden. Auch ich habe jetzt freiwillig für diese Konzerne Werbung gemacht, obwohl ich dafür kein Geld bekomme. Für schätzungsweise 20% der Werbereichweite dieser Sponsoren sind Zeitungen und Magazine verantwortlich, da sie bedenkenlos Trikotsponsoren, gesponsorte Stadiennamen und eben die gemachten Bilder abdrucken. Ganz ohne Eigennutzen.

Es geht aber nicht nur um die ungewollte Werbung, sondern auch darum, dass der Fußball eine Plattform für fragwürdige Unternehmen geworden ist. Bereits bei den Trikotsponsoren für die Saison 2011/12 lassen sich mehrere pikante Beispiele finden: Der VfL Wolfsburg kassierte vom örtlichen Automobilkonzern VW stolze 20 Millionen Euro. Statt endlich umweltfreundliche Autos zu entwickeln, werden lieber solche Unsummen in einen Verein gesteckt. 8 Millionen Euro bekommt Borussia Dortmund bis 2013 vom Unternehmen Evonik, dass mehrere Kohlekraftwerke betreibt und dessen Geschäftsführer sich für mehr Kohle- und Atomkraftwerke ausgesprochen hat. Hannover 96 erhält 3 Millionen vom Reiseveranstalter Tui, der durch Flugreisen gewiss nicht zum Umweltschutz beiträgt. Diese Liste könnte ich für Stadiennamen, Bandenwerbung, Printanzeigen in den Stadienmagazinen usw. fortführen. Der Fußball ist schon soweit kommerzialisiert, dass alles vermarktet wurde, was sich irgendwie zu Geld machen lässt.
Es geht doch gar nicht mehr um den Fußball an sich, sondern um gnadenlose betriebswirtschaftliche Absichten.

Nicht nur im Fußball haben Sponsoren ihren Platz gefunden, da auch beim Skispringen, Handball, Skilanglauf und anderen Sportarten die Sponsorengelder nicht mehr wegzudenken sind. Man betrachte nur einmal das Beispiel Martin Schmitt, da dieser förmlich komplett von oben bis unten mit fragwürdigen Unternehmen bestückt ist. Auf dem Kopf trägt er seinen typischen lilafarbenen Helm, gesponsort von Milka. Sein Anzug trägt unter anderem Logos von Audi oder Teldafax (bezieht Strom aus Kohle- und Atomkraft, bestreitet gerade das Insolvenzverfahren). Wieviel Geld er damit pro Saison einstreicht, ist natürlich nicht bekannt. Wenig wird es nicht sein. Und auch er wird von zahlreichen Kameras abgelichtet; die Sponsoren sind auch hier immer gut sichtbar.
Dabei soll es nicht speziell eine Kritik an Martin Schmitt sein, da auch andere Spitzensportler vom Sponsoring profitieren.
Aber mal ehrlich: Geht da nicht der eigentliche Sinn des Sports verloren? Ich sehe die Bilder der Sportereignisse in der Zeitung, sehe den Biathleten Michael Rösch mit dem Teldafax-Logo auf dem Gewehr und frage mich, ob der Leser sich jetzt überhaupt noch komplett auf die eigentliche Aussage des Bildes konzentriert. Warscheinlich nicht!

Nun gibt es bereits die ersten Reaktionen aus der Medienlanschaft: Die Tageszeitung Taz hat nun ein neues Projekt gestartet, bei welchem in Zukunft alle Bilder von Sportereignissen soweit bearbeitet werden, dass alle Sponsoren nicht mehr erkennbar sind. Selbst rechtlich ist dieses vollkommen vertretbar, da die Bilder frei bearbeitet werden können. Andere Zeitungen und Magazine wissen noch nicht, wie sie auf diesen Vorstoß reagieren sollen. Warscheinlich drucken sie weiterhin die Bilder ab und sehen keinen einzigen Cent für diese gute Werbung.

Sport und Werbung passt nicht zusammen, besonders nicht auf Bildern. Schließlich geht doch der eigentliche Charakter des Sports verloren und fragwürdige Unternehmen bekommen eine nützliche Werbeplattform geboten, oder nicht?

Montag, 8. August 2011

Ganz schön ruhig im AKW-Land Deutschland

Mahnwache gegen Atomkraft Hannover 2011 (7)
Vor wenigen Monaten sind die Leute noch gegen Atomkraft auf die Straße gegangen - So wie im März 2011 in Hannover.
Bildquelle: By Benjamin Radzun from Germany (Anti-AKW-Mahnwache Hannover) [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Gegen Atomkraft sind Menschen schon vor über 40 Jahren auf die Straßen gegangen, weil sie wussten, was sich für eine Gefahr hinter dieser Stromversorgung verbirgt. Egal, ob in Brokdorf am AKW-Zaun, bei der Blockade des Castor-Transports im Wendland oder beim Anti-AKW-Spaziergang im eigenen Ort - Der Protest war stets standhaft und kreativ. Es gab schließlich auch genügend Gründe für diesen Widerstand, da bereits im Jahr 1957 in der russischen Kerntechnischen Anlage Majak mehrere Unfälle zum Austreten sehr großer Mengen radioaktiver Substanzen geführt haben. 22 Jahre später kam es zur Kernschmelze im Reaktorblock 2 im Atomkraftwerk Three Mile Island. 1986 Jahr ereignete sich dann die Katastrophe von Tschernobyl, die vielen Leuten heute noch im Gedächtnis bleibt.
Diese Katastrophen kosteten vielen Menschen das Leben, sorgten für deutlich höhere Krebsraten und Missbildungen bei Kindern.
Erreichen konnte die Anti-AKW-Bewegung in dieser Zeit nur wenig, da von Seiten der Politik keine ernsthaften Maßnahmen kamen, um einen schnellen Ausstieg aus der Atomkraft erzielen zu können. CDU, SPD, FDP und andere konservative Kräfte wehrten sich die gesamten Jahre gegen einen frühzeitigen Ausstieg und ignorierten die Forderungen der Bewegung. Damals wie heute lieferte man Argumente wie "Atomkraft ist sicher und günstig" oder "Atomkraft ist klimafreundlich".
Trotzdem war - besonders bei der Mehrzahl der deutschen Gesellschaft - zu spüren, dass es nie mehr eine Katastrophe wie Tschernobyl geben sollte. Verhindern konnte es keiner der Bürger, weshalb man jeden Tag erneut hoffen musste. Hoffen, dass nicht auch noch in einem deutschen Atomkraft der Super-GAU eintreten wird.
Dann kam es aber ganz ähnlich, als am 11. März 2011 die Unfallserie im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi begann. Täglich bekamen wir die Fernsehbilder zu sehen, wurden per Liveticker über neue Vorfälle informiert und mussten von allen Seiten hören, wie schlimm diese Katastrophe doch ist. Plötzlich sprach das ganze Land wieder über Atomkraft und dessen Auswirkungen. Wir mussten mit ansehen, wie die Betreiberfirma Tepco die ganze Situation herunterspielte und verharmloste. Dabei kam es zu einem Ölbrand im Reaktorblock 3, der weitere Schäden am Reaktorgebäude verursachte. Gleichzeitig konnten die Brennelemente nur notdürftig gekühlt werden und die gesamte Zeit über trat gefährliche radioaktive Strahlung aus. Um den Schaden dabei in Grenzen zu halten, setzte Tepco Arbeiter ein, die aus finanziellen Gründen diese Stellen annehmen mussten oder Analphabeten waren. Sie wurden direkt zum Atomkraftwerk geschickt, obwohl klar war, dass die austretende Strahlung tödlich war. Tepco nahm dieses bewusst in Kauf und besiegelte den Tod vieler tapferer Menschen. Noch immer ist die Umgebung des Atomkraftwerks verstrahlt, Wälder und Merre sind kontaminiert und auch für die Menschen in Japan ist es eine gesundheitliche Bedrohung. Für viele Jahre werden japanische Produkte also verseucht sein - Produkte, die auch in Deutschland zu kaufen sind.
Bereits am 11. März formierten sich spontan die ersten Mahnwachen in deutschen Städten, die unglaublichen Zuspruch verzeichnen konnten. Anti-AKW-Bündnisse riefen zu spontanen Mahnwachen am Montag auf, Bürger wechselten ihren Stromanbieter und auch die Kanzlerin geriet stärker unter Druck. Schließlich hat Angela Merkel vor der Katastrophe beteuert, dass Atomkraft sicher und der im September 2010 beschlossene Atomkompromiss eine Revolution sei. Vor Fukushima störten sich nur eingefleischte Atomkraftgegener an den Aussagen der Kanzlerin. Plötzlich, wo Fukushima in den Köpfen vieler Menschen angekommen war, stand Merkel unter unglaublichem Druck, weshalb sie ein Moratorium verhängte. Ein durchaus geschickter Plan, um vor den damaligen Landtagswahlen die Wähler zu beruhigen. Das es lediglich Wahlkampftaktik war, stellte sich am Ende des Moratoriums schließlich heraus.

Bis zum Mai 2011 fanden regelmäßig gut besuchte Demos gegen Atomkraft statt und man merkte, dass in Deutschland eine Aufbruchstimmung herrschte: "Raus aus dieser unsicheren Energieversorgung" oder so ähnlich. Tausende gingen in diesen 3 Monaten auf die Straßen, um den Opfern von Fukushima zu gedenken, die Stromkonzerne zu kritisieren und um die Taktik der Kanzlerin zu tadeln. Plötzlich trugen LINKE, SPD und Grüne gemeinsam Anti-Atomkraft Transparente und kämpften für ein gemeinsames Ziel. Endlich war sich die Mehrzahl der Bürger einig und konnte dieses friedlich verdeutlichen.
Doch dann kam es, wie es eben kommen musste. Fukushima war für die Medien immer uninteressanter und somit verschwand es auch schnell aus den Köpfen der Menschen. Schon hatte die schwarz-gelbe Regierung die nächste Idee parat: Das letzte Atomkraftwerk soll 2022 vom Netz gehen, was gewiss als Erfolg gefeiert werden darf. Gleichzeitig hat dieses aber auch zur Folge, dass neun Kernkraftwerke - bei sinnvollem Reststrommengen-Management - erst 2022 vom Netz gehen. 11 Jahre gefährliche Strahlung und neuer radioaktiver Müll, der noch in tausenden Jahren strahlen wird. Gerade nach der Katastrophe von Fukushima ist dieses Ausstiegsdatum viel zu spät gewählt. Im Bundestag wurde dieses Ausstiegsgesetz von allen Parteien außer der Linkspartei beschlossen, selbst die Grünen stimmten für das Gesetz. Auch die Bürger sind mehrheitlich zufrieden mit diesem Beschluss, da jetzt ein Ende der Atomkraft zu sehen ist. Ein Ende, dass viel zu spät kommt, zumal niemand weiß, was 2022 noch kommen wird. Gesetze lassen sich wieder ändern.
Deshalb ist es auch kein Wunder, wenn im Juni lediglich 200 Demonstranten die Revisionsarbeiten im AKW Brokdorf erfolgreich blockierten. Erwähnenswert ist, dass es sich bei diesen Demonstranten überwiegend um linksgrüne Aktivisten handelte, die ohnehin eine gefestigte Meinung haben.
Von den normalen Bürgern, die sich während Fukushima an Demos beteiligten, ist seit dem Ende des Moratoriums und dem Beschluss des Ausstiegsgesetzes nichts mehr zu sehen. Sie akzeptieren diesen Beschluss und feiern das Ende der Atomkraft.
Wir werden ja sehen, was in den nächsten 11 Jahren noch an Störfällen, GAUs und Atommüll-Problemen auf uns zukommen wird.

Es ist eben wieder Ruhe im AKW-Land Deutschland eingekehrt. Schwarz-gelb hat das schreiende Baby erneut beruhigen können. Toll, oder?
 

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