Mittwoch, 19. Oktober 2011

Weltrettung 2.0

Die Welt bequem retten?
Die Welt bequem von zu Hause aus retten - Geht das?
Bildquelle: Chapendra, Flickr, CC-BY-NC 2.0

Hungernde Menschen in Afrika, die Rodung des Regenwaldes, Altersarmut in Deutschland oder Kinderarbeit in Textilfabriken - Es sind nur einige Beispiele für all die komplexen und vielseitigen Missstände auf dieser Welt. Viele verlieren da schnell den Überblick und wissen oft gar nicht so wirklich, wie sie gegen diese Probleme ankämpfen können. Demonstrationen sind nicht jedermanns Sache, das eigene Konsumverhalten will man schon gar nicht ändern und wenn überhaupt ist man bereit zu spenden; meistens gibt man das Geld aber lieber für andere Dinge aus. Ungünstige Lage, denn die Probleme lösen sich nicht von selbst.
Für all jene, die also ihren Hintern nicht hoch bekommen, gibt es eine scheinbare Alternative, die auf den ersten Blick so perfekt wirkt. Sogenannte Charity-Klick-Seiten ermöglichem jedem Nutzer per Mausklick die Welt zu verbessern. Funktioniert das wirklich?

Bei meiner Recherche stoße ich zunächst auf die Seite "Free Rice", betrieben vom Welternährungsprogramm der UN, die das kostenlose Spenden von Reis an ein Dritteweltland ermöglicht. Dafür muss ich lediglich eine simple Frage beantworten und spende automatisch 10 Reiskörner an hungernde Familien in Afrika. Dafür musste ich lediglich meine linke Hand bewegen und konnte nebenbei noch ganz in Ruhe meine Pizza aufessen. Mit wenigen Klicks habe ich 100 Reiskörner gespendet, ohne Aufwand!
Und genau nach diesem Prinzip arbeiten alle Charity-Klick-Seiten: Mit jedem Klick können User Spenden generieren. Das dafür nötige Geld stammt von verschiedenen Privatfirmen, die auf der jeweiligen Seite Werbung schalten können.
Jetzt stellt man sich sicherlich die Frage, was daran schlecht sein soll. Schließlich profitieren davon die Bedürftigen, die Firmen können effektiv Werbung machen und jeder "Charity-Klicker" wird zum Wohltäter. Doch ganz so toll ist das System nicht.

Ich suche nach weiteren Seiten dieser Art und stoße auf "Thehungersite.com", die wohl weltweit bekannteste Charity-Klick-Seite. Hier kann ich mühelos gegen Hunger, Analphabetismus, Brustkrebs oder auch für den Regenwald und Tierschutz klicken. Die Seite suggeriert mir, dass ich durch meinen Klick einen enormen Teil zur Lösung der genannten Probleme beigetragen habe. Gleichzeitig wird auch die Dramatik von Hunger oder Brustkrebs deutlich heruntergespielt. Finanziert wird das Projekt, wie gesagt, durch fragwürdige Partnerfirmen.
Wieviele Seiten dieser Art es tatsächlich gibt, kann nicht genau beziffert werden. Hier aber noch einmal ein paar Seiten, die ebenfalls nach diesem merkwürdigen Prinzip arbeiten:

shop2help,charityclick, clicktogive, zock4help, blog2help usw.

Berechtigterweise darf man, trotz fleißigem Klicken, dennoch kein gutes Gewissen haben, weil diese Art von Hilfe ineffizient ist. Ich klicke mich rund eine halbe Stunde durch die ganzen Seiten und versuche mir ein gutes Gefühl zu verschaffen, leider ohne Erfolg. Letztlich habe ich weniger als 20 Cent gespendet, weil die Betreiber der Seiten pro Klick meist weniger als einen müden Cent ausschütten. Schließlich wollen sie auch von der Werbung leben können und die eigene Überzeugung füllt das Portemonnaie eben auch nicht. Zudem ist fraglich, ob mein Aufwand im Vergleich zum Stromverbrauch überhaupt lohnenswert ist.
Nach eigenen Angaben hat die Seite Pro REGENWALD im Zeitraum April 2001 bis 16. Juni 2005 750.176 Klicks erhalten, was umgerechnet 41.624,44 Euro für den Erhalt des Regenwaldes eingebracht hat. Nicht wirklich viel, wenn man bedenkt, dass es sich hierbei um einen Zeitraum von 4 Jahren handelt und ebenfalls unklar ist, ob der komplette Betrag in Schutzprojekte geflossen ist. Es fehlt die nötige Transparenz, was mit dem Geld tatsächlich passiert.
Free Rice beziffert die Spenden in Reiskörnern und Thehungersite gibt diese unter anderem in Bechern an. Eine übliche Masche, weil der Nutzer auf diese Weise niemals wirklich erfahren kann, was tatsächlich an Geld gespendet wird.
Und da all diese Seiten ganz offensichtlich nicht auf die Weltrettung ausgrichtet, sondern lediglich viel Geld bringen sollen, führt kein Weg an Werbepartnern vorbei. Diese fungieren als wichtige Geldgeber und sind somit die Träger dieses Charity-Netzwerkes. Es gibt kaum bessere Werbeplattformen, weil bei Charity-Klick-Seiten verschiedene Faktoren zusammen funktionieren: Es gibt eine willige Nutzerschaft, die um jeden Preis "etwas Gutes tun" möchte und somit auch bewusst Interesse an der eingeblendeten Werbung zeigt. Natürlich in dem Glauben, dass durch Klicks auf die Werbung eventuell auch die Spendengelder steigen. Dem ist natürlich nicht so.
Die Firmen bekommen aber nicht nur unglaubliche Aufmerksamkeit, sondern können sie ihr Image idealerweise gleich mit aufbessern. Man gibt sich also umweltbewusst, sozial und nachhaltig - genau das wünschen sich heute viele Verbraucher. Jeder macht also das Greenwashing der großen Konzerne salonfähig, wenn er bei solchen Charity-Seiten mitmacht.

Eine weitere Form der Charity-Klick-Seiten ist zum Beispiel "Clicks4Charity", die durch das Konsumverhalten der User Spendengelder generiert. Das Prinzip ist ebenfalls sehr simpel: Der Nutzer besucht Clicks4Charity, sucht dort in der Liste einen Shop aus, in dem er bestellen möchte. Dafür muss der Nutzer nur auf das jeweilige Shoplogo klicken, wird dann auf den Shop weitergeleitet und kann dort bestellen. Für jeden erfolgreich vermittelten Einkauf erhält C4C vom jeweiligen Shop durch ein sogenanntes Partnerprogramm ein bestimmten Prozentsatz vom Bestellwert gutgeschrieben.
Ein Beispiel: (Die Werte dienen dabei nur der Verdeutlichung des Sachverhaltes.)
Der Nutzer kauft in einem Bekleidungsshop eine Hose für 80 Euro. Für diesen erfolgreich vermittelten Einkauf erhält C4C nun beispielsweise 10 Prozent vom Shopbetreiber zurück, also 8 Euro. Davon bekommt der Nutzer schließlich 2 Prozent gutgeschrieben, demnach 1,60 Euro, die nach freier Wahl an eine Hilfsorganisation gespendet werden können. 6,40 Euro verdient C4C und 1,60 Euro werden für einen guten Zweck verbucht. Sehr wenig, wenn man bedenkt, dass man die Hose für 80 Euro gekauft hat.
Obwohl man also letztlich viel Geld für Produkte ausgeben muss, um eine minimale Spende zu generieren, ist dieses Charity-Modell für viele Nutzer interessant und ansprechend. Unbewusst kaufen wir dann mehr, "der guten Sache wegen". 3 Prozent auf die nächste Winterreifenbestellung, 5 Prozent für eine Reise mit einem umweltschädlichen Flugzeug oder 7,5 Prozent auf eine Bestellung im Kolibrishop. Verführerisch, weil es so einfach geht und man ohne Aufwand spenden kann. Doch hier entpuppt sich der nächste Widerspruch in diesem System:
Ich kaufe zum Beispiel im Kolibrishop Kleidung von Firmen, die ihre Angestellten ausbeuten, Kinder für sich arbeiten lassen und keine ökologischen Materialien einsetzen. Die generierte Spendengeld kann ich dann beispielsweise an die Welthungerhilfe weitergeben, um so etwas gegen den Hunger in der 3. Welt zu tun. Paradox, oder?
Ich richte durch meinen Kauf von umweltschädlichen und ausbeuterischen Produkten viel Schaden an und versuche durch Spenden dieses wieder auszubügeln. Durch diese Gelder lassen sich die entstandenen Schäden aber kaum wirksam beheben.

Auch an Facebook hat diese Charity-Welle nicht haltgemacht, sodass verschiedene Firmen und Organisationen für ihre Anliegen werben können. Die Diakonie Niedersachsen spendet pro neuem Facebook-Fan 1 Euro an Menschen in Not. Als Nutzer muss man lediglich auf "gefällt mir" klicken und schon hat man einen ganzen Euro gespendet. Das Geld kommt von Sponsoren, wie immer. United Charity - angeblich Deutschlands größtes sogenanntes Charity-Auktionsportal - hat ebenfalls die Community zum "gefällt mir"-klicken aufgerufen, damit das Projekt 10.000 Fans bekommt. Dafür werden 2.500 Euro an den SOS-Kinderdorf e.V. gespendet, abermals ganz ohne Aufwand. In den Kommentaren feiern sich die Fans für diese Aktion und sehen sich in gewisser Weise schon als die totalen Weltverbesserer.

So ganz ohne Protestmails, politische Diskussionen oder Demos. Geht ja anscheinend auch ohne. Das ist dieser Wohlfühlkonsum, der uns so gut gefällt und viel günstiger als richtige Spenden ist. Und wer ist eigentlich noch bereit sich zu engagieren, wenn er doch suggeriert bekommt, dass man die Welt vom Laptop aus retten kann?
Bei "spende-ein-essen.de" kann ich verschiedene Gerichte auf die Tabletts von Kindern ziehen. Sie lächeln dann. Schon schön diese Weltrettung 2.0 ...

Freitag, 7. Oktober 2011

Kinderleid für ein bisschen Tabak

zigaretten_weggeworfen
Achtlos weggeworfene Zigarettenstummel - Dafür mussten Menschen unter schlimmsten Bedingungen arbeiten
Bildquelle: By 4028mdk09 (Own work) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Für die einen ist es ein Mittel gegen Stress, für die anderen ein Muss in Kombination mit alkoholischen Getränken und manch einer tut es, um Eindruck zu erwecken. Auf diese Weise konsumieren Deutsche täglich rund 237 Millionen versteuerte Zigaretten und zahlen am Tag etwa 40 Millionen Euro in die Bundeskasse. Laut Schätzungen kamen 2009 rund 13,6 Milliarden Euro zusammen. Das sind sehr hohe Werte, wenn man bedenkt, dass nach eigenen Angaben 74 Prozent aller Deutschen Nichtraucher sind. Der Raucheranteil liegt weltweit bei ca. 1 Milliarde Menschen. Erwähnenswert ist ebenfalls, dass davon jährlich rund 140.000 Menschen an den Folgen des Rauchens sterben und ca. 3.400 Menschen pro Jahr durch Passivrauchen umkommen. Vergleichsweise sterben im Jahr 11.000 Menschen bei Verkehrsunfällen.

Die Folgen des Rauchens sind der Mehrheit wohl sehr gut bekannt und sollen an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden. Interessanter und wichtiger ist die Frage, woher der Tabak eigentlich stammt, den viele Menschen als Genuss- und Beruhigungsmittel schätzen. Was viele nicht wissen: Wer raucht, schadet nicht nur der eigenen Gesundheit.
Rio Grande do Sul, der südlichste Bundesstaat von Brasilien, ist die wichtigste Tabakanbauregion des Landes. 200.000 Bauernfamilien leben in Brasilien vom Tabakanbau und produzierten 2009 fast 800.000 Tonnen Tabak für die ganze Welt, was das Land zum größten Tabakexporteur der Welt macht. Erik Weber ist einer von diesen Bauern und lebt zusammen mit seiner Familie vom Tabakanbau. Selbst seine 3 jüngsten Kinder helfen auf den Feldern, weil die Arbeit sonst nicht zu bewältigen ist. Bereits in den frühen Morgenstunden beginnen sie, am Nachmittag besuchen die Kinder eine Schule und nach Schulschluss helfen sie dann erneut. Während der Haupterntezeit haben die Kinder Schulfrei und müssen dann bei 40 Grad den gesamten Tag helfen, ohne Pausen. Der Tabakanbau ist reine Handarbeit und somit eine enorme körperliche Belastung. So kommt es oft vor, dass die Familie bis spät in die Nacht auf den Feldern schuftet, obwohl sie bereits früh erneut mit der Arbeit beginnt. Es bleibt keine ernsthafte Freizeit und die Kinder entwickeln sich nicht wie gewöhnlich in diesem Alter.

Der Tabakindustrie sind diese Umstände bekannt und doch akzeptiert sie den Einsatz von Kindern, solange diese eine Schule besuchen. Anscheinend ist das möglich, obwohl Kinder und Jugendliche in Brasilien nicht in der Tabakindustrie beschäftigt werden dürfen, da diese viel zu hohen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt sind. Und tatsächlich sind diese Risikien nicht unerheblich, weil auf den Tabakfeldern mindestens 12 Stunden pro Tag bei knallender Hitze geschuftet wird. Des Weiteren sind die geernteten Tabakblätter sehr giftig, da diese bei Hautkontakt das starke Nervengift Nikotin in den Körper übertragen. Besonders feuchte Blätter sind entsprechend deutlich schädlicher, weshalb gerade schwitzende Arbeiter noch mehr Nikotin aufnehmen. Eine Studie belegt, dass schwitzende Arbeiter, die 4 Stunden lang Tabakblätter ernten, die gleiche Menge Nikotin aufnehmen, als wenn sie 20 Zigaretten geraucht hätten. Diese sogenannte "grüne Tabakkrankheit" verursacht schlimme Krankheiten, weshalb sich die Bauernfamilien oft über verschiedene Symptome beklagen: Fieber, Erbrechen, Schwindel und Schlaflosigkeit. Tag für Tag, das ganze Jahr.
Um noch wirtschaftlicher arbeiten zu können, setzen viele der Bauern auf giftige Pflanzenschutzmittel, die die Tabakblätter noch größer machen sollen, damit noch mehr Ertrag erzielt werden kann. Zwar schreibt die Tabakindustrie den Bauern vor, dass sie entsprechende Schutzkleidung zu tragen hat und doch wird dieses nie kontrolliert, sondern ist es vielmehr ein freiwilliger Appell an die Bauern. Bei der herrschenden Hitze ist die Kleidung kaum tragbar, sodass oft darauf verzichtet wird. Auch das geht auf Kosten der Gesundheit, was viele Familien und deren Kinder zu spüren bekommen. Deshalb leiden sie nach Jahren an Erkrankungen von Atemwegen und Nevensystemen.

Unter der ständigen Arbeit leiden auch Kinder und Jugendliche, da ihnen oft keine Zeit für sich selbst bleibt. Offensichtlich ist das, weil viele arbeitende Kinder mit Lernschwierigkeiten zu kämpfen haben, die ein Resultat von Erschöpfung und fehlender Zeit sind. Auch die bereits genannten Gifte übertragen sich auf die Körper der Kinder, was oft zu Entwicklungsstörungen führt. Diesen Kindern fehlen verschiedene Reflexe, weshalb Ärzte von einer Schädigung des Nevensystems sprechen.
Darüber hinaus leiden viele Tabakbauern an Depressionen, die ebenfalls durch das Gift hervorgerufen wurden. Ihnen fehlt es an Lebenswillen, viele haben Selbstmordgedanken, wodurch auch die überdurschnittlich hohe Selbstmordrate in dieser Region Brasiliens begründet ist. Auch die Kinder von Erik Weber berichten von Brechanfällen und starken Kopfschmerzen.

Die Tabakindustrie weist jegliche Schuld von sich und verweist lediglich auf die Schutzkleidung. Dabei hätten gerade die großen Tabakkonzerne viele Möglichkeiten, um die Situation der Bauern zu verbessern. Kinderarbeit müsste verboten werden und verbesserte Schutzkleidung, die auch bei hohen Temperaturen getragen werden kann, muss verpflichtend eingesetzt werden. Aber selbst diese Kleidung ist keine Garantie für den Schutz der eigenen Gesundheit. Zudem weist die Industrie darauf hin, dass die Bauern nicht zwischen 11 und 13 Uhr arbeiten sollten, weil es dann zu heiß und die Hitze die Ursache für die Kopfschmerzen sei. Eine dreiste Lüge, zumal die Bauern es sich aufgrund der hohen Abgabemengen gar nicht erlauben können, nicht zu arbeiten.
Und das, obwohl das Tabakgeschäft für die Bauern nicht lohnenswert ist, da sie für einen Tabakballen lediglich bis zu 3,50 Euro erhalten. Ein Hungerlohn, wenn man bedenkt, wie viel Arbeit dafür investiert wurde. Eine kleine Schachtel Zigaretten kostet allerdings etwa 5 Euro. Wo steht das im Verhältnis zueinander?

Die größte Tabakeinkaufsfirma Souza Cruz weist ebenfalls jegliche Schuld von sich und beruft sich auf Veträge mit den Bauern, die Kinderarbeit verbieten. Setzt der Tabakbauer dennoch Kinder ein, ist es seine eigenen Entscheidung. Das Unternehmen verspricht, sofern man arbeitende Kinder auf den Feldern entdeckt, dass der Vertragsbauer schriftlich verwarnt und bei einem erneutem Verstoß das Vertragsverhältnis für die kommende Ernte unterbrochen wird. Wie oft allerdings solche unabhängigen Kontrollen durchgeführt werden, bleibt weiterhin offen.

Aber nicht nur in Brasilien sind Ausbeutung und Kinderarbeit im Tabakanbau ein Problem, da auch Afrika stark betroffen ist. Laut einer Schätzung der Kinderhilfsorganisation Plan International arbeiten im armen Land Malawi mehr als 78.000 Kinder bis zu 12 Stunden am Tag. Sie sind ebenfalls dem starken Nervengift Nikotin und giftigen Pflanzenschutzmitteln ausgesetzt, weshalb sie unter den gleichen Symptomen zu leiden haben. Schutzkleidung sucht man auf den afrikanischen Tabakfeldern vergeblich.
In Malawi verdienen rund vier Fünftel der Bevölkerung ihren Lebensunterhalt direkt oder indirekt in der Tabakindustrie. Plan International erklärte dazu, dass besonders Kinder von der herrschenden Ausbeutung der Tabakindustrie betroffen sind, weil sie umgerechnet weniger als einen Cent (!) pro Stunde verdienen.
Obwohl die dort herrschenden Missstände bekannt sind, haben die Tabakkonzerne bewusst die Produktion im großen Stil von den USA in Entwicklungsländer wie Malawi verlagert. Beispielsweise der Tabakkonzern Phillip Morris bestreitet die Vorfälle nicht und gibt offen zu, dass Tabak aus Malawi bezogen wird, wenngleich man dort keine eigenen Felder unterhalten würde. Das macht die Situation allerdings auch nicht besser.
British American Tabacco machte klar, dass man gegen Kinderarbeit sei und auch direkt keine Kinder beschäftigen würde. Unabhängige Konrtollen auf den Tabakfeldern gibt es aber auch hier nicht, sodass mit sehr hoher Warscheinlichkeit auch der BAT Tabak durch Kinderhände gegangen ist. In Malawi und anderen afrikanischen Entwicklungsländern gehen die Kinder gar nicht zur Schule, sondern müssen sich von Beginn an auf den Tabakanbau konzentrieren. Durch die fehlende Schulbildung und die damit verbundene Armut werden sie warscheinlich nie aus dieser Situation entkommen können.

Natürlich - wie soll es auch anders sein bei Produkten aus Kinderarbeit - gibt es hier eine Alternative, die sich bei genauem Hinsehen als Mogelpackung entpuppt. "Organic Yuma" nennt sich die Marke, die nach eigenen Angaben ausschließlich fair gehandelten Tabak ohne Pestizide und Kinderarbeit einsetzt. Super, dann können wir jetzt ja problemlos weiterrauchen?! - Falsch. Der Tabak ist nicht zertifiziert, weshalb der Verbraucher keine Garantie hat, ob die Angaben tatsächlich der Wahrheit entsprechen. Draufschreiben können die schließlich viel. Zudem erkranken die Arbeiter weiterhin am Nikotin, weil das auch im Organic Yuma Tabak vorhanden und dieser genauso schädlich wie herkömmlicher Tabak ist.

Auf die Frage, was Erik Webers Kinder später werden möchten, antworten alle einstimmig, dass sie weiterhin ihren Eltern helfen wollen. Sie müssen es auch, denn viele Tabakbauern haben hohe Schulden gegenüber der Tabakindustrie. So sieht eine gute Zukunft von Kindern allerdings nicht aus. Und das alles für ein bisschen Tabak, irgendwie unfassbar.
 

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