Samstag, 31. Dezember 2011

10 Tipps für das Jahr 2012

Atomausstieg sofort - Transparent BUND NRW 2011
Atomausstieg selber machen und den Stromanbieter wechseln - es gibt viele Möglichkeiten etwas für die Umwelt zu tun.
Bildquelle: By Juri Hößelbarth (Flickr: [1]) [CC-BY-2.0], via Wikimedia Commons

Viele Menschen nehmen sich für das kommende Jahr bestimmte Vorsätze. Die ideale Gelegenheit, um 2012 mehr für die Umwelt und unsere Gesellschaft zu tun. Gemeinsam und in kleinen Schritten können wir im neuen Jahr eine Menge bewegen - die folgenden Tipps sind der ideale Einstieg dafür. Niemand muss Wunder vollbringen und dennoch kann jeder seinen kleinen Teil zum Umweltschutz und zu einer besseren Welt beitragen, wir müssen nur einfach mal damit anfangen!

1. Zeitlose Mode aus fairem Handel

Man schaut in den Kleiderschrank und muss oft feststellen, dass man Kleidungsstücke besitzt, die einfach nicht mehr angesagt und schick sind. Entweder man sortiert sie zeitlose Kleidungaus oder sie bleiben noch lange ungetragen im Schrank hängen. Eigentlich viel zu schade, oder?
Sinnvoller ist es, wenn man auf zeitlose Kleidung setzt, die durch ihre Farben und die schlichte Optik irgendwie nie "out" sein kann. Außerdem ist es doch eh viel schöner, wenn man nur echte Lieblingsteile besitzt, mit denen man alt werden kann. Davon profitiert letztlich nicht nur der Geldbeutel, sondern auch die Umwelt, weil diese Mode kein Verfallsdatum kennt und somit weniger Kleidung neu gekauft werden muss.
Gleichzeitig sollte man darauf achten, unter welchen Bedingungen die eigene Kleidung produziert wird. Oft herrschen sehr schlechte Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit in den Fabriken großer Textilkonzerne - eine Alternative ist dabei der faire Handel. Dieser sichert den ArbeiterInnen einen existenzsichernden und guten Lohn, verbietet Kinderarbeit und sorgt dafür, dass sich die Arbeiter gewerkschaftlich organisieren können, gerechte Arbeitszeiten haben und nicht von sexueller oder körperlicher zeitlose Kleidung_Knowledge CottonGewalt durch die Aufseher betroffen sind.
In Kombination mit Bio-Baumwolle wird daraus ein langlebiges und umweltfreundliches Kleidungsstück- ein echtes Lieblingsteil eben.
Verschiedene Hersteller haben diese Idee bereits aufgegriffen und auf wirklich schöne Art und Weise umgesetzt. Beispielsweise toodot und Knowledge Cotton Apparel sind zwei Modelabels, die zeitlose Kleidung aus Bio-Baumwolle mit fairem Handel kombiniert haben. Aber schaut selbst!
Der etwas höhere Preis hat somit seine entsprechende Rechtfertigung und ist letztlich auch gar nicht hoch, weil man schließlich auf diese Weise viel weniger Kleidung kaufen muss.
Bildquellen: toodot, Knowledge Cotton Apparel

2. Bitte einsteigen! - Mit Bus und Bahn umweltfreundlich ans Ziel gelangen
Zug_GedankenEinsteigen, hinsetzen und für einen Moment alles um einen vergessen. Wer sich für die öffentlichen Verkehrsmittel entscheidet, kommt sicher und gleichzeitig umweltfreundlicher ans Ziel. Ein Flugzeug stößt auf der gleichen Strecke 8x soviel CO2 wie ein ICE aus. Und wer sich für das Auto entscheidet, reist 6x so klimaschädlich und ist sogar oft viel langsamer. Eine weitere gute Alternative sind Busse oder Straßenbahnen, da sie einen besonders in Großstädten problemlos von A nach B bringen.
Kritiker führen gerne Verspätungen als Manko an und entscheiden sich letztlich doch für das Auto. Aber wer bedenkt die Autobahnstaus?
Außerdem hat man in den öffentlichen Verkehrsmitteln endlich Zeit zum Lesen, zum Beobachten der Landschaft oder um für ein paar Minuten die Augen schließen zu können.
Bildquelle: aboutpixel.de/ In der U-Bahn © mgprojects

3. Stoffbeutel statt Plastiktüte
Egal, wo man einkaufen geht, überall bekommt man Plastiktüten hinterher geworfen. Das Problem ist allerdings, dass diese aus dem sehr knappen Rohstoff Erdöl bestehen Jutebeutelund somit in keinster Weise umweltfreundlich sind. In den meisten Fällen überlebt eine Plastiktüte lediglich einen Einkauf, landet im Müll und wird schließlich verbrannt. Das lässt sich leider nicht vermeiden, da Plastik eine Lebensdauer von weit über tausend Jahren hat und sich entsprechend nicht vollständig zersetzt. In vielen Ländern sind Plastiktüten weiterhin ein großes Problem, selbst jeder EU-Bürger verbraucht durchschnittlich 500 dieser Tüten in einem Jahr. Einige Discounter rühmen sich seit einiger Zeit damit, dass sie Bio-Plastiktüten verkaufen und somit einen Schritt in eine umweltfreundlichere Zukunft gehen - leider nur eine nette PR-Strategie, damit wir uns das gute Gewissen erkaufen. Warum Bio-Plastiktüten also ganz und gar nicht bio sind, hat Zeit-Online sehr anschaulich dargestellt.
Was bleibt dem bewussten Verbraucher dann noch als Alternative? Sehr beliebt sind neuerdings sogenannte Jutebeutel, die leider in der Regel nicht fair gehandelt sind und nicht aus ökologischen Materialien gefertigt wurden.
Bei Greenality gibt es allerdings sehr schöne Beutel aus Bio-Baumwolle, selbstverständlich unter guten Arbeitsbedingungen gefertigt. Ansonsten beim nächsten Einkauf einen Rucksack oder Einkaufskorb mitnehmen :-)
Bildquelle: nest_im, Flickr, CC BY-SA 2.0

4. Atomausstieg selber machen
Die Katastrophe von Fukushima haben die Meisten warscheinlich schon vergessen und doch muss man sich bewusst machen, dass in Deutschland weiterhin neun Atomkraftwerke am Netz sind, radioaktiven Müll produzieren und ein dauerhaftes Risiko für alle Weitergabe unter CC BY-NC-SA 3.0 LizenzBürger darstellen. Kein Techniker kann garantieren, dass ein Atomkraftwerk zu 100% sicher ist - Fukushima kann überall sein!Des Weiteren sind die Menschen, die in der unmittelbaren Nähe eines solchen Kraftwerkes wohnen, einem erhöhten Krebsrisiko ausgesetzt. Bislang ist immer noch nicht geklärt, wo der hochradioaktive Atommüll eingelagert werden kann - ein sicheres Endlager gibt es dafür nicht!
Aber nicht nur Atomkraftwerke sind ein echtes Problem, schließlich sind Kohlekraftwerke für schätzungsweise ein Drittel der deutschen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Hierbei wird durch das Verbrennen von Kohle Strom erzeugt - Oxfam schätzt, dass 2008 auf diese Weise mehr als 310 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen wurden. Die großen Stromkonzerne Vattenfall, E.ON, RWE und EnBW setzen dennoch weiter auf diese Technologien und sind dafür verantwortlich, dass sich 20 neue Kohlekraftwerke in Planung oder bereits im Bau befinden. Durch solche Maßnahmen wird bewusst der Ausbau der erneuerbaren Energien verhindert.
Wir können das allerdings gemeinsam verhindern, indem wir den Stromanbieter wechseln und Kunde bei einem echten Ökostromanbieter werden. 100 % Ökostrom gibt es nur von Elektrizitätswerke Schönau (EWS), Greenpeace Energy, Naturstrom und Lichtblick. Alle anderen Versorger, die Ökostrom versprechen, verdienen gleichzeitig Geld mit Kohle- und/oder Atomstrom. Weitere Informationen zum Stromanbieterwechsel gibt es auf atomausstieg-selber-machen.de
Bildquelle: atomausstieg-selber-machen.de, CC BY-NC-SA 3.0

5. Lokal handeln, global denken
Für viele Menschen sind Bananen, Paprika, Tomaten und Gurken im Winter selbstverständlich. Außerdem sollte sie möglichst günstig und frei von jeglichen Makeln sein. Dabei wird oft allerdings vergessen, dass Obst und Gemüse weite Transportwege zurücklegen müssen, um letztlich bei uns im Supermarkt zu landen. Bananen beispielsweise müssen den weitaus längsten Weg zurücklegen, weil diese aus mittel- und südamerikanischen Ländern wie Ecuador, Panama, Nicaragua oder Costa Rica stammen. Dort werden die Bananen noch grün geerntet, direkt vom Feld abtransportiert und gelangen schließlich per Schiff innerhalb von zwei Wochen nach Europa. Damit sie nicht vorzeitig reif werden, greift man zu verschiedenen Methoden. Ehe das Obst in die Geschäfte gelangt, wird es noch in sogenannte Bananenreifereien gebracht um die gewohnte gelbe Farbe zu erhalten. Es ist ganz offensichtlich, dass Anbau und Transport extrem klimaintensiv und Banenen trotzdem sehr günstig sind.
Dafür sind große Konzerne verantwortlich, die in den Anbauregionen Kleinbauern vertreiben, den Regenwald abholzen und auf dem Land riesige Plantagen errichten. Um der gigantischen Nachfrage nach Bananen nachkommen zu können, werden viele Arbeiter benötigt - auch Kinder! Bei sehr hohen Temperaturen müssen sie die bis zu 50-Kg schweren Bündel abernten und in Kisten verpacken. Besonders schlimm ist es, wenn die Flugzeuge das sehr giftige Pflanzenschutzmittel über den Feldern ablassen, obwohl die Arbeiter sich dort aufhalten. Viele berichten von einem Brennen in den Augen, in der Lunge und auf der Haut. Einigen Menschen hat es auch schon das Leben gekostet. Wochenmarkt_regional handelnFür einen ganzen Arbeitstag bekommen sie einen Lohn von drei-fünf Dollar pro Tag - viel zu wenig, um davon ordentlich leben zu können.
Eine gute Alternative sind dabei Bio-Bananen, die das Fairtrade-Siegel tragen, weil dieses Siegel gute Arbeitsbedingungen und faire Löhne garantiert. Das Bio-Siegel versichert, dass Gentechnik und jegliche giftige Pflanzenschutzmittel untersagt sind.
Paprika, Gurken und Tomaten beispielsweise stammen aus großen Gewächshäusern in Spanien oder den Niederlanden. Dort wird Gemüse und Obst unter sehr umweltschädlichen Bedingungen angebaut. Besonders im Winter stammen alle Produkte aus sehr energieintensiven Kühlhäusern. Dennoch spricht nichts dagegen, wenn man im Winter auf Obst und Gemüse zurückgreift. Man sollte es allerdings in Maßen tun und versuchen auf faire und ökologische Produkte zurückzugreifen.
Ansonsten einfach den Einkaufszettel an die Jahreszeit anpassen: Spargel im Frühling, Erdbeeren im Sommer, Zwetschgen im Herbst und im Winter Grünkohl. Empfehlenswert sind außerdem Wochenmärkte, wo regionales Obst und Gemüse direkt vom Erzeuger stammen.
Regional handeln und global denken :-)!
Bildquelle: By Stadt Dachau - Abteilung 2.2 (Stadt Dachau) [Public domain], via Wikimedia Commons

6. Ich nehm das Rad. Du auch?
FahrradDen Weg zum Bäcker, zur Bank oder zum Supermarkt legen Viele fast ausschließlich mit dem Auto zurück - auch wenn man nur wenige hundert Meter entfernt wohnt. Der BUND hat ausgerechnet, dass man 10 Kg CO2 einsparen könnte, wenn man 40 Km mit dem Fahrrad fährt, statt einen Mittelklasse-PKW zu fahren.
Und mal ehrlich: Eigentlich ist es doch wirklich angenehm, wenn man entspannt durch die Natur radeln kann, statt im Stau zu stehen und sich über andere Autofahrer ärgern zu müssen, oder? Jede noch so kleine Fahrt mit dem Rad entlastet unsere Umwelt - ansonsten einfach zu Fuß gehen.
Bildquelle: aboutpixel.de / Fahrradlampe © drg/Mandy Tippelt

7. Mach die Glotze aus

"Television ist eating your brain" - Ein durchaus bekannter und ernstzunehmender Fernseher_im_MüllSatz, der die Wahrheit kurz und knapp auf den Punkt bringt. Die Medienlandschaft wird von sogenanntem Hartz-IV-TV dominiert, bei welchem sich Personen unter menschenverachtenden Bedingungen demütigen lassen und vorgegebene Drehbücher nachspielen müssen. Frauentausch, Mitten im Leben oder Bauer sucht Frau - wir Deutschen lieben diese Serien. Hinzu kommen irgendwelche gestellten Talkshows, das Frühstücksfernsehen (wer bitte hat den Fernseher um diese Uhrzeit schon laufen?) und auf n-tv läuft bestimmt ein guter Kriegsfilm. Zusammen ergibt das laut einer Statistik, dass jeder Deutsche über 14 Jahren täglich drei Stunden und 40 Minuten fern sieht - Tendenz steigend. Ein guter Anfang wäre ein fernsehfreier Tag pro Woche oder man gibt die Glotze komplett weg. Dann hat man letztlich mehr Zeit, um sich auf andere Dinge zu konzentrieren, fängt an selbst zu denken und hat nach 2 Wochen bereits 3,5 Kg CO2 eingespart.
Reclaim your Life!
Bildquelle: freepik.com

8. Ich esse Blumen und das ist auch gut so!


Fleisch gehört mit zu den größten Klimakillern und gleichzeitig schafft unser extremer Fleischkonsum viel Tierleid. Greenpeace schätzt, dass jeder Deutsche pro Jahr ca. 60 Kilogramm Fleisch verzehrt, dass zu 98 Prozent aus Massentierhaltung stammt. Viele reden sich ein gutes Gewissen, indem sie behaupten nur noch Fleisch aus guter Haltung zu kaufen. Problematisch ist allerdings, dass jegliches Fleisch vom Discounter aus Massentierhaltung stammt und auch beim Bio-Fleisch Tiere sterben müssen. Warum haben wir Menschen eigentlich das Recht Tiere zu töten und zu essen? - Schließlich sind wir doch schon so fortgeschritten, dass wir in der Lage sind uns problemlos vegetarisch/vegan ernähren zu können. Statt Fleisch gibt es heute Tofu und andere Alternativen, die eine fleischfreie Ernährung ermöglichen. Außerdem verursacht ein Kilo Rindfleisch 36 Kilogramm Kohlendioxid - so viel wie eine Autofahrt von 250 Kilometern.
Des Weiteren werden für unseren Fleischkonsum riesige Regenwaldflächen gerodet, um neue Weideflächen zu schaffen. Mal ganz davon abgesehen, dass es auch eine moralische Frage ist: Mit dem eingesetzten Futtermittel könnten wir den Welthunger komplett bekämpfen.
"Tiere sind meine Freunde, und ich esse meine Freunde nicht." (George Bernard Shaw)

9. Gebraucht statt neu kaufen
Es gibt etliche Handys, die bei einem in der Schublade viele Jahre versauern. FlohmarktSchließlich hat man den Fehler gemacht und sich nach nicht einmal zwei Jahren ein neues Handy zugelegt, obwohl das alte Modell noch absolut in Ordnung war. Wir Menschen laufen dem technischen Fortschritt allgemein zu stark hinterher und lassen uns einreden, dass wir ständig neue Geräte benötigen. Leider gilt das auch für Kleidung (s.o. -> zeitlose Kleidung), Möbel, Bücher usw.
Würden wir unsere Kleidung, technische Geräte usw. deutlich länger benutzen, müssten viel weniger Gegenstände neu gekauft werden, was letztlich der Umwelt und unserem Geldbeutel zugute kommen würde. Und wer sich doch ein neues Handy oder einen neuen PC zulegen möchte, sollte auf gebrauchte Ware zurückgreifen, weil diese oft vom Hersteller/Händler überholt wurde und einwandfrei funktioniert. Oder einfach mal einen Secondhand-Laden,Flohmarkt oder Auktionshäuser abchecken :-).
Bildquelle: By Usien (Own work) [GFDL or CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

10. In die richtige Tonne damit
so_besser_nichtHättest du gewusst, dass Einwegrasierer, Fleisch und Fisch in den Restmüll gehören? - Oft denken wir, dass wir richtig trennen und doch unterlaufen uns manchmal Fehler, weshalb ich den Quarks-Mülltrenner empfehle, bei welchem man spielerisch verschiedene Abfallprodukte richtig einsortieren soll. Passend dazu gibt es eine Erklärung.
Ganz schlimm sind übrigens die Leute, die ihren Müll in einem durchsichtigen Plastikmüllsack entsorgen und diesen dann einfach in die schwarze Tonne geben. So entgehen viele wichtige biologische Abfälle, Altpapier und andere recycelbare Stoffe.
Auch gut wäre es, wenn wir anfangen einfach gleich weniger Müll zu produzieren, indem wir Produkte mit weniger Verpackung kaufen oder Verpackungen mehrfach verwenden.
Bildquelle: By Ra Boe (selbst fotografiert DigiCam SP-550) [CC-BY-SA-2.5], via Wikimedia Commons


Dies ist nur eine sehr kleine Auswahl an Tipps und Tricks, die jeder einzelne befolgen kann, ohne auf viel verzichten zu müssen. Und wem diese Tipps nicht reichen, der sollte auch in Zukunft meinen Blog lesen, da dieser regelmäßig Denkanstöße, Tipps und interessante Artikel liefert. Auch im Jahr 2012!

Ich wünsche an dieser Stelle allen Lesern einen guten Rutsch in das kommende Jahr 2012!

Samstag, 24. Dezember 2011

Das ach so perfekte Fest

Das Jahr 2011 neigt sich langsam dem Ende zu und heute feiern wir Weihnachten. Der 24. Dezember ist gewiss ein schönes und wichtiges Datum, weil das Weihnachtsfest uns die Möglichkeit gibt an andere Personen zu denken und uns auf die wichtigen Dinge zu besinnen. Und doch scheint es, als würde dieser Grundgedanke nicht mehr gelebt werden. Stattdessen wird das Weihnachtsfest immer stärker kommerzialisiert und wir machen da auch noch voll mit.

Bereits im Vorfeld zogen unglaubliche Menschenmassen durch die Kaufhäuser, um die passenden Geschenke für ihre Liebsten zu finden. Verschiedene Umfragen ergaben, dass die beliebtesten Geschenke dabei teures Parfüm, Schmuck, Spielzeug und Elektronikartikel sind. Beladen mit der gigantischen Playmobil Ritterburg, dem Parfüm für 100 Euro oder beispielsweise einer PlayStation 3 verließen die Massen die Einkaufsläden. Bei den Geschenken wird nicht gegeizt, weil ansonsten das perfekte Weihnachtsfest auf der Kippe steht. Außerdem sehen große Pakete unter dem Baum doch eh viel eindrucksvoller aus. Irgendwie ist es doch schon sehr traurig, dass die Leute so viel Wert auf teure Geschenke legen und der Materialismus immer stärker in deutsche Wohnzimmer gelangt.
Gewiss muss niemand das Weihnachtsfest ohne Geschenke zelebrieren und doch sollte sich jeder selbst fragen, ob dieser extreme Materialismus und die anhaltende Geschenkgeilheit den eigentlichen Sinn von Weihnachten noch erfüllen. Warum reicht es nicht, wenn man seinen Mitmenschen eine kleine Freude macht und es bei einer kleinen Aufmerksamkeit belässt? Warum kann man nicht selbst kreativ werden und sich wenigstens ein paar Minuten Gedanken über die Geschenke machen? Schließlich sind Parfüms, Schmuck und teure Elektronikartikel teilweise gedanken- und einfallslos.
Würde man die Leute fragen, ob Geschenke am heiligen Abend wichtig sind, würde es die Mehrzahl wohl verneinen. Riesige und überteuerte Geschenke verschenken sie letztlich trotzdem. Von Geldgeschenken möchte ich gar nicht erst anfangen, schließlich sind diese extrem unpersönlich und zeigen, dass man sich keine Gedanken gemacht hat.

Für viele Menschen ist der Besuch der Kirche ebenfalls ein Pflichttermin. Das ist eigentlich auch nicht verwerflich und doch wirkt es irgendwie paradox: An Heiligabend ist die Kirche bis auf den letzten Platz ausgefüllt, an anderen Sonntagen interessiert kaum jemanden der Gottesdienst. Außerdem wird oft vergessen, dass das Weihnachtsfest christlichen Ursprungs ist und der Geburt Jesus gedacht werden soll. Zwischen dem ganzen Weihnachtsfest vergessen wir diesen Hintergrund allerdings.
Besonders wichtig ist auch das Weihnachtsessen, nicht ohne Grund. Wer gibt uns allerdings vor, dass es umbedingt ein Schweinebraten oder eine Gans auf dem Tisch sein muss? Es bleibt fraglich, ob es am Weihnachtsfest umbedingt totes Tier zu essen geben muss. Können wir nicht wenigstens an diesem Tag auch an andere Tiere und Menschen denken?
Man sollte sich immer vor Augen führen, dass Viele das Weihnachtsfest alleine verbringen müssen, weil sie ihre Familie verloren haben. Andere feiern das Fest ohne Geschenke, weil das Geld dafür fehlt. Und dann werden auch noch Menschen am anderen Ende der Welt für unsere Geschenke ausgebeutet. Ganz bestimmt kein schöner Gedanke.

Ich selbst freue mich auf das Weihnachtsfest, auf die hoffentlich bescheidenen und kreativen Geschenke und gleichzeitig auch auf das vegetarische Weihnachtsessen. Der heilige Abend ist auch für mich ein wichtiger und bedeutsamer Termin, den ich mit meiner Familie verbringen werde. Egal, wie man das Weinachtsfest verbringt, macht das Beste daraus.

Ich wünsche allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest!

Zum Abschluss möchte ich noch auf zwei Videos aufmerksam machen, die den Grundgedanken von Weihnachten besonders gut verdeutlichen.

Sonntag, 4. Dezember 2011

Konsumwahnzeit statt Weihnachtszeit bei Media Markt


Es ist der 24. Dezember und im ganzen Land wird Weihnachten gefeiert: Ein festlich geschmücktes Wohnzimmer, ein prunkvoller Weihnachtsbaum und darunter zahlreiche Geschenke. So kennen wir das eben.
Und genau das hat die Elektronik-"Fachmarktkette" Media Markt für seine neue Werbekampagne aufgegriffen und verfehlt damit einmal mehr den eigentlichen Sinn des Weihnachtsfestes:

Die Mutter sitzt mit zufriedenem Lächeln im Wohnzimmer, während ihre drei Söhne gemeinsam ein Geschenk auspacken: Eine Nintendo Wii von Media Markt. Plötzlich sind die Kinder nicht mehr zu halten, springen übertrieben durch das Zimmer und rufen "Wii". Sie sind nicht mehr zu bändigen vor Freunde und auch die Eltern sehen sichtlich erleichtert aus, denn sie haben das passende Geschenk gefunden. Anscheinend kann man Kinder heute nicht mehr anders glücklich machen, denn Fußball, Actionfiguren und Lego sind laut dem Konzern offensichtlich nicht mehr gefragt.
Ein dicker, bärtiger Mann mit langen Haaren und ein älterer Herr, warscheinlich dessen Vater, sitzen in einem geschmückten Bürozimmer und beschenken sich gegenseitig. Es wirkt so harmonisch. Dann öffnet der Sohn sein Geschenk und holt einen Laptop aus dem Karton hervor, was auf den ersten Blick nicht besonders wirkt. Doch er kann sein Glück kaum fassen, springt mit dem Laptop durch das Zimmer und lacht vor Freude, natürlich bekommt auch der Vater noch seine verdienete Umarmung.

Ist es noch richtig hierbei von Freude zu reden? Zwei Mädchen bekommen ein iPad von Apple geschenkt, küssen es (!) und lachen - dabei sind sie vielleicht gerade 12 Jahre alt. Media Markt will zahlreichen deutschen Eltern also tatsächlich eintrichtern, dass auch jüngere Kinder bereits durch Technikprodukte glücklich gemacht werden können. Die Beiden brauchen gar keine Barbiepuppe mehr und selbst der Traum vom eignen Pferd scheint vergessen, schließlich haben sie jetzt einen Tablet-PC. Ein Gerät, dass sie vorher nicht gekannt und auch nie für nötig empfunden haben. Viele Eltern wären sicherlich auch niemals auf den Gedanken gekommen, dass es angebracht ist solch ein Gerät zu verschenken. Zum Glück weiß die Elektronik-"Fachmarktkette", was Kinder zu Weihnachten wirklich brauchen.

Ein weiterer Spot zeigt eine Familie beim Auspacken der Geschenke, die Großeltern dürfen dabei natürlich nicht fehlen. Die Oma überreicht ihrer Enkeltochter ein kleines Päckchen, dass von dieser dann würdigungslos und total verkrampft aufgerissen wird. Sie schaut also gar nicht auf das schöne Geschenkpapier und denkt ebenfalls gar nicht daran, wieviel Mühe das Einpacken gemacht hat. Da ist es, endlich! - Sie kann ihr so sehnlichst gewünschtes Smartphone in den Händen halten, küsst es (!) und kreischt vor Freunde. Ja, sie küsst es und gibt ihrer Großmutter lediglich eine Umarmung. Verkehrte Welt. Zum Abschluss wird dann noch ein Gruppenfoto mit dem neuen Alleskönner gemacht. Omi sei Dank gehört die schätzungsweise 18-Jährige Enkelin mit dem Smartphone endlich auch "dazu". Ein bisschen aber auch Media Markt sei Dank.
Die zwei Jungs schauen enttäuscht auf ihren kleineren Bruder, der extrem hyperaktiv durch das Zimmer springt und "PlayStation" schreit. Sie haben schließlich nur ein Fernrohr und ein Brettspiel bekommen. Und weil der Pappi so spendabel zum jüngsten Sohn war, bekommt er sogar noch eine Umarmung. Und die hat ja letztlich auch nur schlappe 250 Euro gekostet.
Zu meiner Zeit haben 8-Jährige Mädchen noch Polly Pocket, Barbie oder irgendwas mit Pferden geschenkt bekommen, wie altmodisch. Media Markt setzt uns ein kleines Mädchen dieser Altersklasse vor, welches dermaßen penetrant schreit und sich gar nicht mehr einkriegen kann. Daraufhin hält sie eine rosafarbene Kompaktkamera hoch. Was soll das? - Man muss kein Pädagoge sein, um zu wissen, dass Kinder in diesem Alter doch noch gar keine Kamera benötigen. Was sollen diese damit fotografieren, wem wollen sie die Bilder zeigen und können kleine Kinder damit überhaupt korrekt umgehen? Teurer Staubfänger eben. Auch hier will Media Markt erneut klar machen, dass Eltern mit gutem Gewissen solche Geräte bereits an so kleine Kinder verschenken können.

Media Markt hat noch weitere Werbespots mit ähnlichen Inhalten veröffentlicht, um gezielt verschiedene Käuferschichten zu erreichen und suggerieren zu können, dass Weihnachten ohne solche Technikprodukte kein besinnliches Fest werden kann. Es soll fleißig gekauft werden, weil wir uns bewusst einreden lassen, dass unsere Liebsten sich nur noch durch teure Geschenke glücklich machen lassen und der zunehmende Materialismus der eigentliche Sinn des Weihnachtsfestes ist. Satt werden wir anscheinend nie, sondern verlangen weiterhin nach Konsumgütern dieser Klasse. Weihnachten wird dabei aus den Augen verloren und artet in schäbigen Konsumorgien aus. Hauptsache teuer, angesagt und richtig schön mordern müssen die neuen Geschenke sein, damit die alten Gerätschaften gleich im Müll landen können. Ist doch egal, was mit der Umwelt passiert...

Dabei sollten die eigene Familie und das Miteinander im Vordergrund stehen. Wer schließlich doch irgendwelche Unterhaltungselektronik verschenkt, outet sich als unkreativ und gedankenlos. Echte Geschenke erfordern eben doch viel Liebe, Kreativität und Zeit - das lohnt sich aber auch und zaubert dem Beschenkten mindestens genauso ein Lächeln ins Gesicht.
Ob Barbie, Lego und Co. bessere Geschenke waren, bleibt auch weiterhin fragwürdig. Mit dieser Unterhaltungselektronik haben wir eine neue Dimension erreicht und wissen nicht, wohin uns das noch führen wird...

Weihnachten wird nicht unterm Baum entschieden!
 

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