Freitag, 16. März 2012

Grüne fordern zehn Euro Handypfand - Ist das wirklich sinnvoll?


Handypfand - Kann sich dieses System durchsetzen?
Bildquelle: Marus (Marus) [Public domain], via Wikimedia Commons

Lange kamen aus umweltpolitischer Sicht keine ernsthaften Forderungen der Grünen. Jetzt brachte die Fraktion einen Antrag ins Parlament ein, um ein Pfandsystem für Handys durchsetzen zu können. Im ersten Moment wirkt der Vorstoß sehr positiv und doch lässt sich bei näherem Betrachten feststellen, dass diese Idee leider nicht den gewünschten Effekt bringen wird und lückenhaft ist.
Der Grundgedanke dabei: Für jedes neu erworbene Handy soll der Kunde in Zukunft zehn Euro Pfand zahlen müssen, quasi wie beim Flaschenpfand.
Auslöser dieses Antrags ist die Tatsache, dass schätzungsweise 85 Millionen Handys ihr Leben in Schubladen fristen und keine Verwendung mehr finden. Schließlich stecken in so einem Mobiltelefon viele wertvolle Rohstoffe, die ungenutzt bleiben und eigentlich recycelt werden könnten. Stattdessen muss weiterhin Material abgebaut werden, weil der Bedarf nach Mobiltelefonen und anderer Unterhaltungselektronik rapide zunimmt.
Niemand kann mehr leugnen, dass unser Bedarf an Elektronik (schätzungsweise 2 Jahre wird ein Handy in Deutschland genutzt, tendenziell sogar noch kürzer) viel zu hoch ist und wir dennoch bewusst nach technischen Neuerungen in unserem Leben gieren. Dabei sind die Gründe für diesen Materialismus sehr verschieden. Zum einen versuchen uns die Hersteller durch Werbung und ständig neue Produkte zu suggerieren, dass ein Neukauf nötig sei und zum anderen ist auch die Lebensdauer der Geräte bewusst niedrig angesetzt. Wahrscheinlich werden die meisten Smartphones unbrauchbar sein, wenn man sie heute versehentlich runterfallen lässt. Das ist ganz bestimmt kein Zufall.

Aber genau dieser Trend zum Wegwerfen von "alten" Handys stellt gleichzeitig auch ein Problem für Tiere und Umwelt dar. Auf den ersten Blick mag man hier keinen Zusammenhang feststellen können und dennoch sind Handys ein enormer Ressourcenlieferant.
Wer sich also nun rund alle 2 Jahre ein neues Handy leistet, muss natürlich das dann ausgediente Handy entsprechend entsorgen. Diese Geräte verfügen alle über Coltan, Edelmetalle, Gold, Silber, Palladium und andere Rohstoffe. Da jedoch die meisten Handys ungenutzt in Schubladen verweilen, können diese nicht recycelt werden und somit müssen dann extra neue Rohstoffe zur Herstellung gewonnen werden. Das ist sehr energieaufwendig, stößt viel CO2 aus und bedroht die Lebensräume von Tieren. Besonders beim Abbau von Coltan werden Berggorilla in der Region Uganda bedroht und getötet, da die Lebensräume dieser Tiere gezielt vernichtet werden, um aus dem gewonnen Coltan mikroelektronische Teile für Handys herstellen zu können.
Sehr fatal ist auch die Entsorgung der ausgedienten Mobiltelefone über den Hausmüll, da die Geräte so in Müllverbrennungsanlagen landen und damit auch die wertvollen Rohstoffe komplett verloren gehen. Bei geschätzten 1000 Tonnen Handys im Jahr sind es rund 350 kg Gold im Wert von 7 Millionen Euro, die einfach verbrannt werden. Laut Gesetz müssen die Handys eigentlich als Elektroschrott entsorgt werden. Dafür müssten die Geräte bei Recyclinghöfen abgegeben werden, um gemeinsam mit Computern, Fernsehern und ähnlichem in entsprechenden Containern gesammelt werden zu können. Diese Methode ist für Mobiltelefone bedingt geeignet, da auf diese Weise nur ca. ein Viertel des Goldes zurückgewonnen werden kann. Um mehr zu erreichen, müssen die Handys gesondert behandelt werden.

In Deutschland werden solche gesonderten Verfahren bislang kaum durchgeführt. "Umicore" in Antwerpen ist eine von nur vier Unternehmen in Europa, die Handys sachgerecht und sehr effizient recyceln. In der Regel erhält das Unternehmen die Handys von den Herstellern, wo die Kunden die Telefone abgegeben haben. Durch sehr effektive chemische Verfahren können die Edelmetalle und bis zu 10 weitere Metalle zurückgewonnen werden, z.B vor allem Kupfer, aber auch Blei, Nickel, Wismut, Zinn, Antimon oder Indium.

Doch was bringt der Antrag der Grünen, wenn sich das Konsumverhalten so nur sehr begrenzt einschränken lässt und ohnehin effektive Recyclingsysteme fehlen?
Zehn Euro Pfand soll man als Kunde also beim Neukauf zahlen und hat anschließend die Möglichkeit das Handy zurückzugeben. Wer sich nach einem Jahr ein neues Handy kaufen möchte, kann dann bereits das Altgerät eintauschen und erhält die zehn Euro zurück. Hier zeigen sich schon die Schwächen dieser Überlegung.
Trägt es überhaupt ansatzweise zum Umweltschutz bei, wenn ich mir durch das Pfand einen grünen Freifahrtschein erwerben und dann mit gutem Gewissen ständig neue Handys kaufen kann?
Immerhin wirkt doch alles unproblematisch: Ich zahle Pfand, nehme mein neues Handy mit und habe automatisch die Erlaubnis erworben es jederzeit gegen ein neues Gerät eintauschen zu können. Und wenn ich auf zehn Euro verzichten kann, lasse ich das Telefon eben in der Schublade versauern. Mich zwingt ja niemand.
Ähnlich ist es beim Flaschenpfand: Der Umweltschutzfaktor kann nicht angezweifelt werden und doch sind viele Menschen zu bequem, um alle Flaschen dem Wertstoffkreislauf zurückzuführen. Auf diese Weise landen Dosen und Getränkeflaschen in der Natur oder im Hausmüll, sodass sie später verbrannt werden. Einige Getränkehersteller (z.B. bei Selter aus Plastikflaschen für 19 Cent je Flasche) verdienen hauptsächlich durch das nicht eingelöste Flaschenpfand.

Neben dem viel zu niedrigen Pfandbetrag, der eigentlich absolut keinen Anreiz darstellt, fehlen auch sinnvolle Recyclingsysteme. Unternehmen wie "Umicore" gibt es in Deutschland nicht und auch die Abgabe bei Recyclinghöfen reicht nicht aus, um wirklich das Maximum aus den Geräten zu holen. Von Seiten der Telekom und dem Naturschutzbund (Nabu) gab es beispielsweise ähnliche Vorstöße, bei denen Kunden ihre alten Handys abgeben konnten und im Gegenzug für Umweltschutzprojekte gespendet wurde. Aber selbst das wurde nur von rund 20 Prozent der Verbraucher in Anspruch genommen. Die gesamte Recyclingquote für Mobiltelefone fällt schätzungsweise lediglich zehn Prozent höher aus. Hier müssen die Grünen Lösungen aufzeigen.

Außerdem setzt sich der Antrag mit der illegalen Verschickung in Entwicklungsländer auseinander, welche es zu verhindern gilt. Auch die mangelhaften Reparaturmöglichkeiten werden kritisiert; hier sollen neue Konzepte entwickelt werden.
Trotzdem wird ein großes Problem bleiben, dass die Verbraucher ihr Konsumverhalten nicht ändern wollen und somit weiterhin spätestens alle 2 Jahre ein neues Gerät kaufen. Des Weiteren wird das Pfandsystem dann nicht den nötigen Erfolg bringen, weil die meisten Menschen zu bequem sind, um die Geräte einzutauschen. Zumal das Pfand unseren Handykonsum irgendwie umweltfreundlich erscheinen lässt, was er ganz und gar nicht ist.
Vielleicht sollte man Unterhaltungselektronik gezielt stärker besteuern, damit dieser blinde und gedankenlose Neukauf endlich ein Ende hat. Es gibt schließlich etliche Geschäfte und Verkaufsplattformen im Internet, die gebrauchte und vollkommen funktionsfähige Mobiltelefone anbieten. Warum greifen wir Kunden nicht auf solche Produkte zurück? Warum benutzen wir unser Handy nicht fünf oder gar zehn Jahre? Dieses Wohlstandsdenken und der Wunsch nach immer neuen Produkten wird unsere Umweltprobleme nur noch stärker zuspitzen.

Der Antrag der Grünen ist wichtig und schafft eine längst überfällige Diskussion. Dennoch ist der Vorstoß an bestimmten Ecken noch zu inkonsequent und lückenhaft.
DIE LINKE begrüßte den Antrag, FDP und SPD gingen bislang nicht drauf ein und die CDU lehnt solch ein Vorhaben ab. "Zwangspfand ist kurzsichtig, im Lösungsansatz primitiv und im Übrigen ordnungspolitisch repressiv", meinte der CDU-Abgeordnete Michael Brand.

Sonntag, 11. März 2012

3000 Menschen umzingelten das Atomkraftwerk Brokdorf


Demonstranten umzingelten das Atomkraftwerk mit verschiedensten Transparenten

Am Sonntag, dem 11.03.2012, versammelten sich schätzungsweise 3000 Menschen vor dem Atomkraftwerk Brokdorf. Ziel der Protestaktion am Fukushima-Jahrestag war die komplette Umzingelung des Atomkraftwerks, was glücklicherweise gelingen konnte.

Durch diese Aktion sollte an die Katastrophe von Fukushima im vergangenen Jahr erinnert werden. Noch heute sind die Folgen in Japan und weltweit zu spüren. Gerade dieses Unglück beweist einmal mehr, dass Atomkraft nicht beherrschbar ist und wir sofort alle Atomanlagen abschalten müssen. Auch die angeblich hohen Sicherheitsstandards der deutschen AKWs sind gewiss keine Garantie dafür, dass solche Vorfälle nicht auch in Deutschland möglich sind. Fukushima mahnt - auch ein Jahr danach!

Umso erfreulicher war deshalb die relativ hohe Beteiligung. Wenngleich die Umzingelung etwas unorganisiert wirkte und viele Demonstranten über die Auflösung der Menschenkette nicht informiert worden sind. Des Weiteren beteiligten sich auch Claudia Roth (Grüne) und Torsten Albig (SPD) an der Protestaktion - allerdings auf eine sehr unschöne Weise: Claudia Roth konnte sich abermals medienwirksam präsentieren und erhaschte jede Kamera, die sich ihr näherte. Dabei stellte sie die Grünen als entschiedene Anti-AKW-Partei dar und erweckte den Eindruck, dass die Partei strikt gegen Atomkraft sei. Wer dem Ausstiegsgesetz (nicht im Grundgesetz verankert) der Bundesregierung zustimmt und somit die Laufzeiten von acht Atomkraftwerken verantwortet, ist gewiss nicht glaubwürdig und entschieden.

Noch peinlicher hingegen wirkte der Auftritt von Torsten Albig, der diese Demonstration noch stärker als Wahlkampfplattform nutzte. An dieser Stelle muss besonders an den Organisatoren dieser Veranstaltung Kritik geübt werden, da sie das riesige Werbeplakat (siehe Bilder) genehmigten. Man merkte förmlich, dass Albig nicht aus Überzeugung teilnahm, sondern ausschließlich um Stimmen werben wollte. Das passt irgendwie zur SPD und unterstreicht abermals, wie eine Partei ihre Positionen vor den Wahlen ändern kann. Immerhin haben auch die Sozialdemokraten dem Ausstiegsgesetz der Bundesregierung zugestimmt und sich nie für die sofortige Stilllegung aller Atomkraftwerke eingesetzt.

Insgesamt haben an diesem Sonntag etwa 50.000 Menschen in sechs Regionen Deutschlands demonstriert. Neben den 3.000 Demonstranten in Brokdorf versammelten sich 5500 Menschen am AKW Gundremmingen und 5000 am Atomkraftwerk Neckarwestheim. Außerdem demonstrierten 7000 Menschen in Hannover gegen Atomkraft, bei der Urananreicherungsanlage Gronau waren es 4000 und etwa 24.000 Demonstranten bildeten eine 75 Kilometer lange Lichterkette in der Region um die Atommülllager Asse und Schacht Konrad. Des Weiteren nahmen mehrere tausende Protestler an verschiedenen regionalen Aktionen teil.

Dieser breite Protest beweist erneut, dass die deutliche Mehrheit der Gesellschaft für einen schnellen Ausstieg aus der Atomenergie ist. Die schwarz-gelbe Regierung muss endlich die Gefahren dieser Technologie erkennen und eine Lehre aus der Katastrophe von Fukushima ziehen.



Aktivisten stören Wahlkampf-Interview von Claudia Roth:


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750 Menschen forderten in Kiel den Ausstieg aus der Atomkraft


Demonstrationszug durch die Kieler Innenstadt
Bildquelle: © Eisenkrätzer - Kieler Nachrichten

Rund 750 Menschen (Die Kieler Nachrichten sprechen sogar von 1000 Teilnehmern) forderten am vergangenen Samstag in Kiel die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen. Um 12:00 Uhr wurde die Demonstration auf dem Asmus-Bremer-Platz durch mehrere Redebeiträge eingeleitet, ehe sich der Demonstrationszug durch die Kieler Innenstadt in Gang setzte.

Außerdem waren die MLPD, DIE LINKE, Piraten und Grüne u.a. mit Infoständen vertreten. Organisiert wurde die Demonstration durch die Bürgerinitiative "Kiel gegen Atomkraft" und die "Friedenswerktstatt Kiel" und eben nicht durch die Grünen, wie teilweise vermutet wurde.

"Fukushima ist nicht weit - Atomausstieg ist Handarbeit" oder "Areva, Siemens, Deutsche Bank - Machen alles tot und krank" war zu hören, während die Demonstranten durch Kiel zogen. Unterstützt wurde der Demozug durch eine Sambagruppe aus Flensburg und abschließend durch die Band tengera. Insgesamt verlief der komplette Protest friedlich. Erschreckend ist, dass sich letztlich ein Jahr nach Fukushima lediglich rund 750 Menschen gegen Atomkraft mobilisieren ließen.
Dennoch bleibt es auch weiterhin die Pflicht aller Bürger, sich gegen Atomkraft einzusetzen. Schließlich ist diese Technologie unbeherrschbar, die Endlagerfrage weiterhin ungeklärt und auch der Ausbau erneuerbarer Energien wird durch die schwarz-gelbe Regierung gezielt behindert.



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