Montag, 22. April 2013

"Endlich mal abschalten!" - Protest- und Kulturmeile vor dem Atomkraftwerk Brokdorf


"Endlich mal abschalten!" lautete das Motto der ProtestlerInnen am AKW Brokdorf.

Von der Bühne ist Musik zu hören, an den Infoständen wird angeregt diskutiert, ein Jongleur unterhält eine große um ihn versammelte Menschentraube und Robin Wood bietet Schnupperkettern an.
Die anlässlich des 27. Jahrestages der Katastrophe von Tschernobyl stattfindende Protest- und Kulturmeile um das Atomkraftwerk Brokdorf hat bei bestem Wetter viel zu bieten.

Rund 1500 Menschen sowie diverse Organisationen haben sich an diesem Sonntagmittag versammelt. Sie wollen ein Zeichen setzen - für die sofortige Abschaltung aller Atomanlagen. Es ist dieses Mal eine ganz andere Form des Protests. Ruhiger kommt die Veranstaltung trotz alledem nicht daher, schließlich sind verschiedene Redebeiträge zu hören. Die RednerInnen empören sich lautstark über die bewusst verschleppte Energiewende, nehmen die Lügen der Atomlobby auseinander und fordern die sofortige Abschaltung aller Atomanlagen.

Die vergleichsweise viel zu geringe Beteiligung unterstreicht einmal mehr, dass das Interesse an diesem Thema innerhalb der Bevölkerung stark gesunken ist und sich die Mehrheit auf dem "Ausstiegs"gesetz der schwarz-gelben Bundesregierung ausruht. Das ist fatal: erst 2022 soll das letzte Atomkraftwerk vom Netz gehen. Solange stellt jedes Atomkraftwerk eine tickende Zeitbombe dar. Jeden Tag wird neuer Atommüll produziert, ohne dass der Zeitpunkt der Errichtung eines akzeptablen Endlagers auch nur halbwegs absehbar wäre. Tschernobyl und Fukushima sollten uns eigentlich gezeigt haben, dass es auch in Deutschland täglich zur Atomkatastrophe kommen könnte.

Auch die Grünen haben dem genannten Gesetz der Bundesregierung zugestimmt, Umweltminister Habeck hat eine sofortige Abschaltung Brokdorfs klar verneint und auch sonst sind bei den Grünen keine Bestrebungen zu erkennen, 2017 - also dem einstigen Ausstiegsdatum der Partei - die Atomanlagen endgültig abschalten zu wollen. Umso schlimmer scheint es, dass ausgerechnet diese mit ihrem Stand den Anfang der Protest- und Kulturmeile gebildet hat.

Rund 2500 Menschen kamen zeitgleich in Grafenrheinfeld zusammen. Darunter viele Menschen mit Fahrrad, Transparenten und Fahnen. Auch hier gab es neben Reden, zahlreiche kulturelle Angebote für Kinder und Erwachsene. Des Weiteren haben am gleichen Tag - teils angekettet - AktivistInnen gegen den Einbau von plutoniumhaltigen Mox-Brennelementen die Hauptzufahrt zum Atomkraftwerk Grohnde blockiert.

Die BI Kiel gegen Atomanlagen beteiligte sich ebenfalls mit zwei Bussen an der Aktion um das Atomkraftwerk Brokdorf.

                 
[Bitte die Bilder anklicken, um eine größere Ansicht zu erhalten]

Montag, 15. April 2013

Antwort aus dem Rathaus: Katastrophenschutz in Kiel und SH katastrophal!


Schutzanzüge und Atemschutzmasken: Im Falle eines Atomunglücks könnten diese von Notwendigkeit sein. (Hier: Bei der Aktions- und Menschenkette am 09. März um das AKW Grohnde)
Bildquelle: Michaela Mügge, publiXviewing, Grohne-Kampagne 2013, Flickr, CC BY-NC-SA 2.0

Neun Atomkraftwerke sind in der Bundesrepublik weiterhin im Betrieb und das Letzte seiner Art soll gemäß des "Ausstiegs"gesetzes der schwarz-gelben Bundesregierung erst im Jahr 2022 vom Netz gehen. Solange wird die Bevölkerung dem permanenten Risiko eines GAUs, wie in Japan geschehen, ausgesetzt. Die Urananreicherungsanlage in Gronau, die Brennelementefabrik in Lingen und zahlreiche Atomtransporte unter anderem durch den Nord-Ostsee-Kanal sind von diesem vermeintlichen Ausstieg, der nicht im Grundgesetz verankert ist, nicht betroffen und werden auf unbestimmte Zeit weiter betrieben. Auch die Lagerung des weiterhin anfallenden Atommülls ist längst noch nicht geklärt, weil es kein sicheres Endlager gibt, der Müll für Jahrtausende strahlen wird und kommende Generationen vor ein unlösbares Problem gestellt werden. Jedes Atomkraftwerk ist eine tickende Zeitbombe, die täglich zu explodieren droht. Die bestehenden Atommüll-Zwischenlager stellen nicht minder eine weitere Gefahr dar. Die Menschheit ist somit jederzeit von einer möglichen Atomkatastrophe bedroht, wie wir sie unter anderem bereits in Tschernobyl und Fukushima erleben müssen. Die Politik und namhafte Energiekonzerne nehmen dieses Risiko bewusst in Kauf und stellen damit Profitinteressen über den Schutz von Menschheit und Umwelt. Selbst die besten TechnikerInnen können einen GAU nicht mit Sicherheit ausschließen.

Doch wie geht man mit der Situation um, wenn es tatsächlich zu einer Atomkatastrophe in einem Atomkraftwerk kommt? Sind die vorhandenen Notfallschutzpläne ausreichend und wie gut ist der Ernstfall tatsächlich erprobt? Die BI Kiel gegen Atomanlagen hat Bürgermeisterin Dr. Susanne Gaschke (SPD) befragt, welche präventiven Maßnahmen und Evakuierungsmaßnahmen im Falle eines Atomunglücks im schleswig-holsteiner Atomkraftwerk Brokdorf in Kiel sowie im gesamten Bundesland unternommen würden.

Aus dem Antwortschreiben geht eindeutig hervor, dass der Katastrophenschutz insgesamt vollkommen unzureichend ist und sich "die ergreifbaren Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung auf grundsätzlich wenige Maßnahmen beschränken." Konkret heißt das: Aufenthalt in geschlossenen Räumen, Verteilung von Jodtabletten und eine Evakuierung der Bevölkerung. Doch wie kann weiterhin auf die unbeherrschbare Atomtechnik gebaut werden, wenn es viel zu wenige Maßnahmen zum Schutz der gesamten Bevölkerung gibt?
Der Aufenthalt in geschlossenen Räumen ist nach einer solchen Katastrophe eine folgenschwere Entscheidung, immerhin macht die Strahlung nicht vor Gebäudewänden halt. Es müsste also unmittelbar nach dem Unglück eine Evakuierung aller Städte im Umkreis von ca. 170 Kilometern um das Atomkraftwerk Brokdorf erfolgen. Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) würde die Strahlung ungefähr eine solche Reichweite haben, was aufgrund von Strahlungsart und Wetterbedingungen allerdings variieren kann. Damit wären Kiel und möglicherweise selbst Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) im Ernstfall Sperrgebiet, sodass eine sofortige Evakuierung unabdingbar wäre.
Bürgermeisterin Gaschke schreibt hierzu: "Eine Evakuierung der Landeshauptstadt Kiel wäre eine sehr folgenschwere Entscheidung, [...] so dass eine Fluchtbewegung Richtung Norden anzunehmen wäre, wo wir bald auf die Staatsgrenzen träfen." Weiter heißt es im Schreiben: "Selbstverständlich stünden hierfür in solch einem Fall alle Kräfte der Gefahrenabwehr aber sicherlich auch der Wirtschaft, z.B. der Verkehrsunternehmen zur Verfügung." Es zeigt einmal mehr, dass alleine die Landeshauptstadt Kiel eine solche Evakuierung nicht leisten könnte und auf eine praktische Umsetzung in keinster Weise vorbereitet ist. Wie können Kräfte der Gefahrenabwehr sichergestellt werden, wenn diese - und das wäre menschlich vollkommen nachvollziehbar - selbst auf der Flucht sind? Des Weiteren wird hierbei überhaupt nicht klar, welche genauen Aufgaben diese zu erledigen haben bzw. wie die Verantwortlichkeiten geregelt sind. Ohnehin ist es sehr naiv, dass sich die Bürgermeisterin bei einer solchen Katastrophe auf privat wirtschaftende Verkehrsbetriebe verlässt, die dann eine Evakuierung unterstützen sollen. Welches Interesse hätte ein solches Unternehmen daran, dass ansonsten auf gewinnbringende Aufträge angewiesen und nicht dem Gemeinwohl verpflichtet ist. Welche Straßen speziell zur Evakuierung zur Verfügung stehen, lässt sie komplett offen. Darüber hinaus beziffert sie nicht, in welchem Zeitraum eine solche Evakuierung realistisch durchgeführt werden könnte.

Selbst die Verteilung von Jodtabletten ist mangelhaft: "Die Jodtabletten befinden sich in ausreichender Menge im Zentrallager in Neumünster und werden im Bedarfsfall umgehend an die Berufsfeuerwehr Kiel ausgeliefert", schreibt Dr. Susanne Gaschke. Damit überhaupt eine ernsthafte Wirkung erzielt werden kann, müssten diese Tabletten vor einem GAU eingenommen werden, was natürlich nicht planbar ist. Werden diese Präparate vorsätzlich eingenommen, kann dieses gesundheitsschädlich sein, zumal zu viel Jod bei Erwachsenen über 45 Jahren das Risiko für Schilddrüsenerkrankungen steigern kann. Darüber hinaus ergibt sich aus dieser Aussage ein weiteres logistisches Problem, weil im Falle einer Katastrophe die Tabletten erst in die einzelnen Gemeinden verteilt werden müssten. Das ist viel zu zeitintensiv und möglicherweise unmöglich, wenn die Straßen durch Strahlen-Flüchtlinge verstopft sind. Demnach würden weiter entfernte Orte erst viel zu spät die benötigten Tabletten erhalten. Außerdem ist unklar, was hierbei unter einer "ausreichenden Menge" zu verstehen ist, sodass zu niedrige Lagerbestände die Folge sein könnten.
Die Verteilung vor Ort ist wie folgt angedacht: "Vorgesehen sind Ausgabestellen an den Feuerwehrhäusern der Freiwilligen Feuerwehren und den Wachen der Berufsfeuerwehren; weitere Ausgabestellen könnten vorbehaltlich der Verfügbarkeit von ausreichend Personal an anderen städtischen Einrichtungen (Rathaus, Verwaltungsstellen, Schulen) eingerichtet werden."
Abermals wird von optimalen Voraussetzungen ausgegangen, weil auch die dafür vorgesehenen Einsatzkräfte - wie bereits erwähnt - auf der Flucht sein könnten und somit eine Verteilung unmöglich gemacht wird. Ebenso ist ungewiss, ob die dann vorhandenen Ausgabestellen ausreichen, um die großen Menschenmengen zügig versorgen zu können. Ausreichend Personal für weitere Ausgabestellen ist demnach auch nicht sichergestellt, was ebenfalls fahrlässig ist.

"Die Versorgung schwer kontaminierter und strahlenbelasteter Menschen sollte in Kiel aufgrund der Entfernung kaum in Betracht kommen. Krankenhäuser in Kiel verfügen über radiologisch geschulte Ärzte, aber nicht über spezielle Abteilungen zur Aufnahme von Strahlenkranken", schreibt Bürgermeistern Gaschke in ihrem Antwortschreiben und relativiert damit nochmals die Gefahren einer möglichen Atomkatastrophe im Atomkraftwerk Brokdorf. Wie bereits erwähnt, geht das Bundesamt für Strahlenschutz davon aus, dass ca. 170 Kilometer um das betroffene Atomkraftwerk alles verstrahlt und dieses Gebiet somit unbewohnbar sein könnte. Es ist de facto falsch, dass in Kiel keine Versorgung schwer kontaminierter und strahlenbelasteter Menschen in Betracht kommt - das Gegenteil ist der Fall! Deshalb ist es auch fatal, dass das Städtische Krankenhaus über keine spezielle Abteilung zur Aufnahme von Strahlenkranken verfügt, obwohl diese unabdingbar wäre.
Außerdem muss sie sich eingestehen, dass noch nie eine Katastrophenschutzübung mit dem Führungsstab und der Bevölkerung durchgeführt wurde und für die Zukunft auch nicht geplant ist. Das ist eine untragbare Aussage, die eindeutig zeigt, dass die drohende Gefahr heruntergespielt und die Bevölkerung sich im Ernstfall selbst überlassen wird.

Bürgermeisterin Dr. Susanne Gaschke fasst sich sehr kurz in ihrem Schreiben und unterstreicht auch damit, dass die Katastrophenschutzpläne und sonstige damit verbundene Maßnahmen unzureichend sind und sie sich selbst noch viel zu wenig mit dieser bedrückenden Thematik auseinandergesetzt hat. Insgesamt bleiben ihre Antworten viel zu oberflächlich, teils geht sie auf essentielle Fragestellungen gar nicht erst ein.
Somit bleibt weiterhin ungeklärt, wie viele Menschen durch Dekontaminationseinheiten pro Stunde untersucht und ggf. dekontaminiert werden könnten. Auch lässt sie offen, wie viele Strahlenschutzanzüge und Atemschutzmasken für die Landeshauptstadt verfügbar sind. Es findet sich ebenfalls kein Kommentar zur drohenden Gefahr durch Atomtransporte durch den Nord-Ostsee-Kanal und andere Gewässer, sowie zu den fehlenden Vorbereitungen auf Unglücke in eben diesem Kanal.

Damit zeigt sich eindeutig, dass diese ständig drohende Gefahr bewusst toleriert wird, politische EntscheidungsträgerInnen wie Frau Dr. Gaschke sich dieser komplexen Problematik nicht bewusst genug und die aktuell bestehenden Katastrophenschutzpläne überhaupt nicht ausreichend sind.
Es ist somit eine sofortige Abschaltung aller Atomanlagen weltweit notwendig, um die Gefahr eines erneuten GAUs zu verhindern und die tägliche Produktion von neuem Atommüll, für den es immer noch kein sicheres Endlager gibt, und damit verbundene Atomtransporte stoppen zu können. Sollte es hier allerdings tatsächlich zu einem Atomunglück wie in Tschernobyl oder Fukushima kommen, werden wir alle vor einer unlösbaren Katastrophe stehen: panikartige Fluchtbewegungen, verstopfte Straßen, unzureichende Information der Bevölkerung durch die Medien und ähnliche kaum vorstellbare Szenarien könnten die Folge sein. Unabhängig davon, werden wir die dann anfallenden Probleme mit den genannten Maßnahmen niemals zumindest eindämmen können.

Die Fragen der BI und die Antwort der Bürgermeisterin können in der Materialbörse eingesehen werden.

Mittwoch, 3. April 2013

Umweltzerstörung to go


Coffee to go: Kurzer Genuss mit schwerwiegenden Folgen
Bildquelle: heyrocker, Flickr, CC BY 2.0

Früh am Morgen ist es, als ich in den Zug einsteige und in der großen Menschenmenge nach einem freien Sitzplatz suche. Es ist ein ganz gewöhnlicher Montagmorgen und um mich herum sitzen zahlreiche PendlerInnen, die vermutlich auf dem Weg zur Schule oder Arbeitsstätte sind. Einigen ist ihre Müdigkeit ins Gesicht geschrieben, andere zeigen es durch offensichtliches Gähnen. Irgendwie wach werden, heißt hier das Motto. Was könnte da besser helfen, als ein starker, wärmender Kaffee? Mir geht es da sehr ähnlich, sodass ich meine mit heißem Kaffee gefüllte Thermoskanne aus dem Rucksack hervorhole und mir die erste Tasse an diesem Tag genehmige. Schnell ernte ich die ersten verwunderten Blicke von anderen Fahrgästen, die es mir eigentlich gleichtun: Der Unterschied ist allerdings, dass sie kleine Pappbecher mit weißem Deckel in der Hand halten, meist mit Logo einer Bäckerei- oder Kaffeekette.

Mir kommt direkt der Gedanke, ob die Leute von meiner Thermoskanne so überrascht sind. Ist es heute schon ungewöhnlich, einen solchen Gegenstand zu benutzen? Immerhin war es doch vor rund zehn Jahren noch nichts Außergewöhnliches, wenn man eine Isolierkanne dabei hatte. Mich stören diese Blicke nicht, wenngleich ich mir die Frage stelle, warum diese kleinen Pappbecher zunehmend Einfluss in unserem Alltag gewinnen. Man könnte fast schon den Eindruck bekommen, dass wir heutzutage in einer sehr schnelllebigen und hektischen Gesellschaft leben. Alles passiert unter Zeitdruck, wir hetzen von einem zum nächsten Termin und haben nicht einmal mehr Zeit für die wesentlichen Dinge im Leben. Egal wo man hinsieht, begegnen einem Personen mit sogenannten Coffee to go-Bechern oder verzehrfertigem Essen in der Hand. Unterwegs und unter Termindruck Nahrung zu sich nehmen - das ist längst Standard geworden. Es ist aber nicht nur das Hamsterrad, in dem wir uns unter der Woche mit Coffee to go in der Hand bewegen, sondern auch in unserer freien Zeit gewinnen Getränke zum Mitnehmen an Einfluss. Schnell einen Caffè Latte von Starbucks geholt und ab durch die Stadt zum Shoppen, ehe die Läden schließen. Es muss auch dann schnell gehen, wenn wir eigentlich gar kein ernsthaftes Zeitproblem haben. Und so verwundert es nicht, wenn sich Tag für Tag die Pappbecher stapeln.

Erstmalig gab es Heißgetränke zum Mitnehmen in Deutschland im Jahr 1999. Damals war es eine Idee, die nicht sofort ihre Abnehmer fand und sich langsam entwickeln musste. Schließlich waren es die Leute zu dieser Zeit noch anders gewöhnt und ihr Alltag gestaltete sich längst nicht so hektisch, wie er es heute tut bzw. wie man es heute vorgibt. 2002 eröffnete in Berlin die erste Starbucks-Filiale und von dort an nahm diese Idee ihren Lauf. Heute bekommt man an jeder Ecke einen solchen Kaffee, selbst MC Donalds und diverse Tankstellen-Ketten sind bei diesem Trend schon mitgegangen.
Doch welche Folgen hat die Umstellung von der Tasse auf den Pappbecher für die Umwelt? Können wir uns auf Dauer einen solchen Konsum erlauben?

Nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes trinkt jede/r Deutsche durchschnittlich rund 150 Liter Kaffee im Jahr, was knapp zwei Tassen pro Tag bedeutet.[1] Davon werden etwa 40 Prozent außer Haus eingenommen, was rund 60 Liter pro Person im Jahr entspricht.[2] Die Plattform Utopia.de geht davon aus, dass davon wohl zwei Drittel abgezogen werden könnten, da man am Arbeitsplatz primär vor Ort gekochten Kaffee zu sich nimmt und in den meisten Cafés und Restaurants weiterhin klassisch in Tassen serviert wird. [3] Demnach entfallen im Durchschnitt trotzdem 20 Liter auf Kaffee, den wir aus Pappbechern genießen. Das bedeutet - bei Bechern mit einer Füllmenge von typischerweise 0,25 Litern - einen Pro-Kopf-Verbrauch von jährlich 80 Coffee to go-Bechern inkl. Plastikdeckel. Vereinfacht gerechnet, landen somit in ganz Deutschland kaum vorstellbare 6.560.000.000 solcher Getränkebecher im Jahr auf dem Müll.

Des Weiteren ist diese riesige Menge an vermeidbarem Müll ein echtes Desaster für die Umwelt: Michael Kuhndt von CSCP geht davon aus, dass für die Produktion und den Transport eines durchschnittlichen Bechers etwa 110 Gramm CO2 ausgestoßen werden. Pro Person sind das ungefähr 40 Kilogramm Kohlendioxid im Jahr. Zudem wirken sich die Entsorgung und das umständliche Recyclingverfahren der teils beschichteten Getränkebecher aus Hartpapier ebenfalls negativ auf das Klima aus. Becher mit innerer Beschichtung lassen sich oftmals gar nicht recyceln, sodass diese verbrannt werden müssen, was wiederum ebenfalls Treibhausgase freisetzt. Außerdem gibt Kuhndt gegenüber www.klima-sucht-schutz.de an: "Für die Produktion eines Bechers wird im Durchschnitt natürlicher Lebensraum von etwa 0,9 qm zerstört und viele verschiedene Materialien wie Holz und Wasser sowie Energie verbraucht. Wenn im Jahr 2010 weltweit etwa 23 Milliarden Becher verkauft werden, werden dadurch ungefähr 9,4 Millionen Bäume abgeholzt, 2,8 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen, 5,7 Milliarden Liter Wasser und 293 Millionen kWh Energie verbraucht."[4]
Hierbei sind die Umweltauswirkungen des Inhalts noch nicht berücksichtigt, wobei in diesem Artikel auf diese Betrachtung inkl. sämtlicher Menschenrechtsverletzung innerhalb der gesamten Produktionskette verzichtet wird.

Die Umweltauswirkungen liegen also klar auf der Hand und es ist somit ganz offensichtlich, dass wir uns einen solchen verschwenderischen Konsum nicht erlauben können. Der Arbeitskreis Nachhaltige Universität Freiburg hat deshalb eine vorbildliche Aktion gestartet, bei der auf dem Campusgelände 10 Cent Rabatt für jeden mitgebrachten Becher für Heißgetränke gewährt werden.[5] Das ist zumindest ein weiterer kleiner Anreiz, um auf die Einwegverpackungen zu verzichten. Immerhin gibt es stilvolle Thermobecher heute bereits überall kostengünstig zu erwerben, wenngleich längst nicht überall selbst befüllt werden kann. Viele Bäckereien und andere Ketten verweigern die Befüllung mitgebrachter Gefäße und rechtfertigen dieses unverständlicherweise mit bestehen Hygienebestimmungen. Die effektivste Variante bleibt weiterhin eine deutliche Reduzierung unseres bestehenden Kaffeekonsums.

Das macht auch Sinn, immerhin spart das wertvolle Ressourcen und eine Menge Geld. Es ist ohnehin unverständlich, warum so viele VerbraucherInnen bereit sind, solche Mondpreise für einen Becher Kaffee zu bezahlen. Schließlich kostet ein solches Getränk meist bis zu vier Euro.
Ich für meinen Teil bleibe weiterhin bei meiner bewährten Thermoskanne - da können die Leute noch so verwundert gucken.

Quellen:
[1] Kaffee in Deutschland - Deutscher Kaffeeverband (01.04.2013 16:53)
[2] Kaffee, der Deutschen liebstes Getränk - Zeit Online (01.04.2013 17:13)
[3] Wie viel Coffee to Müll? - Utopia.de (01.04.2013 17:19)
[4] Die Klimabilanz des „Coffee-to-go“ - Klima sucht Schutz (01.04.2013 18:29)
[5] Coffee-to-go an der Uni - Arbeitskreis Nachhaltige Universität Freiburg (01.04.2013 18:41)
 

(c)2010 thorgeott. Based in Wordpress by wpthemesfree Created by Templates for Blogger