Mittwoch, 3. April 2013

Umweltzerstörung to go


Coffee to go: Kurzer Genuss mit schwerwiegenden Folgen
Bildquelle: heyrocker, Flickr, CC BY 2.0

Früh am Morgen ist es, als ich in den Zug einsteige und in der großen Menschenmenge nach einem freien Sitzplatz suche. Es ist ein ganz gewöhnlicher Montagmorgen und um mich herum sitzen zahlreiche PendlerInnen, die vermutlich auf dem Weg zur Schule oder Arbeitsstätte sind. Einigen ist ihre Müdigkeit ins Gesicht geschrieben, andere zeigen es durch offensichtliches Gähnen. Irgendwie wach werden, heißt hier das Motto. Was könnte da besser helfen, als ein starker, wärmender Kaffee? Mir geht es da sehr ähnlich, sodass ich meine mit heißem Kaffee gefüllte Thermoskanne aus dem Rucksack hervorhole und mir die erste Tasse an diesem Tag genehmige. Schnell ernte ich die ersten verwunderten Blicke von anderen Fahrgästen, die es mir eigentlich gleichtun: Der Unterschied ist allerdings, dass sie kleine Pappbecher mit weißem Deckel in der Hand halten, meist mit Logo einer Bäckerei- oder Kaffeekette.

Mir kommt direkt der Gedanke, ob die Leute von meiner Thermoskanne so überrascht sind. Ist es heute schon ungewöhnlich, einen solchen Gegenstand zu benutzen? Immerhin war es doch vor rund zehn Jahren noch nichts Außergewöhnliches, wenn man eine Isolierkanne dabei hatte. Mich stören diese Blicke nicht, wenngleich ich mir die Frage stelle, warum diese kleinen Pappbecher zunehmend Einfluss in unserem Alltag gewinnen. Man könnte fast schon den Eindruck bekommen, dass wir heutzutage in einer sehr schnelllebigen und hektischen Gesellschaft leben. Alles passiert unter Zeitdruck, wir hetzen von einem zum nächsten Termin und haben nicht einmal mehr Zeit für die wesentlichen Dinge im Leben. Egal wo man hinsieht, begegnen einem Personen mit sogenannten Coffee to go-Bechern oder verzehrfertigem Essen in der Hand. Unterwegs und unter Termindruck Nahrung zu sich nehmen - das ist längst Standard geworden. Es ist aber nicht nur das Hamsterrad, in dem wir uns unter der Woche mit Coffee to go in der Hand bewegen, sondern auch in unserer freien Zeit gewinnen Getränke zum Mitnehmen an Einfluss. Schnell einen Caffè Latte von Starbucks geholt und ab durch die Stadt zum Shoppen, ehe die Läden schließen. Es muss auch dann schnell gehen, wenn wir eigentlich gar kein ernsthaftes Zeitproblem haben. Und so verwundert es nicht, wenn sich Tag für Tag die Pappbecher stapeln.

Erstmalig gab es Heißgetränke zum Mitnehmen in Deutschland im Jahr 1999. Damals war es eine Idee, die nicht sofort ihre Abnehmer fand und sich langsam entwickeln musste. Schließlich waren es die Leute zu dieser Zeit noch anders gewöhnt und ihr Alltag gestaltete sich längst nicht so hektisch, wie er es heute tut bzw. wie man es heute vorgibt. 2002 eröffnete in Berlin die erste Starbucks-Filiale und von dort an nahm diese Idee ihren Lauf. Heute bekommt man an jeder Ecke einen solchen Kaffee, selbst MC Donalds und diverse Tankstellen-Ketten sind bei diesem Trend schon mitgegangen.
Doch welche Folgen hat die Umstellung von der Tasse auf den Pappbecher für die Umwelt? Können wir uns auf Dauer einen solchen Konsum erlauben?

Nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes trinkt jede/r Deutsche durchschnittlich rund 150 Liter Kaffee im Jahr, was knapp zwei Tassen pro Tag bedeutet.[1] Davon werden etwa 40 Prozent außer Haus eingenommen, was rund 60 Liter pro Person im Jahr entspricht.[2] Die Plattform Utopia.de geht davon aus, dass davon wohl zwei Drittel abgezogen werden könnten, da man am Arbeitsplatz primär vor Ort gekochten Kaffee zu sich nimmt und in den meisten Cafés und Restaurants weiterhin klassisch in Tassen serviert wird. [3] Demnach entfallen im Durchschnitt trotzdem 20 Liter auf Kaffee, den wir aus Pappbechern genießen. Das bedeutet - bei Bechern mit einer Füllmenge von typischerweise 0,25 Litern - einen Pro-Kopf-Verbrauch von jährlich 80 Coffee to go-Bechern inkl. Plastikdeckel. Vereinfacht gerechnet, landen somit in ganz Deutschland kaum vorstellbare 6.560.000.000 solcher Getränkebecher im Jahr auf dem Müll.

Des Weiteren ist diese riesige Menge an vermeidbarem Müll ein echtes Desaster für die Umwelt: Michael Kuhndt von CSCP geht davon aus, dass für die Produktion und den Transport eines durchschnittlichen Bechers etwa 110 Gramm CO2 ausgestoßen werden. Pro Person sind das ungefähr 40 Kilogramm Kohlendioxid im Jahr. Zudem wirken sich die Entsorgung und das umständliche Recyclingverfahren der teils beschichteten Getränkebecher aus Hartpapier ebenfalls negativ auf das Klima aus. Becher mit innerer Beschichtung lassen sich oftmals gar nicht recyceln, sodass diese verbrannt werden müssen, was wiederum ebenfalls Treibhausgase freisetzt. Außerdem gibt Kuhndt gegenüber www.klima-sucht-schutz.de an: "Für die Produktion eines Bechers wird im Durchschnitt natürlicher Lebensraum von etwa 0,9 qm zerstört und viele verschiedene Materialien wie Holz und Wasser sowie Energie verbraucht. Wenn im Jahr 2010 weltweit etwa 23 Milliarden Becher verkauft werden, werden dadurch ungefähr 9,4 Millionen Bäume abgeholzt, 2,8 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen, 5,7 Milliarden Liter Wasser und 293 Millionen kWh Energie verbraucht."[4]
Hierbei sind die Umweltauswirkungen des Inhalts noch nicht berücksichtigt, wobei in diesem Artikel auf diese Betrachtung inkl. sämtlicher Menschenrechtsverletzung innerhalb der gesamten Produktionskette verzichtet wird.

Die Umweltauswirkungen liegen also klar auf der Hand und es ist somit ganz offensichtlich, dass wir uns einen solchen verschwenderischen Konsum nicht erlauben können. Der Arbeitskreis Nachhaltige Universität Freiburg hat deshalb eine vorbildliche Aktion gestartet, bei der auf dem Campusgelände 10 Cent Rabatt für jeden mitgebrachten Becher für Heißgetränke gewährt werden.[5] Das ist zumindest ein weiterer kleiner Anreiz, um auf die Einwegverpackungen zu verzichten. Immerhin gibt es stilvolle Thermobecher heute bereits überall kostengünstig zu erwerben, wenngleich längst nicht überall selbst befüllt werden kann. Viele Bäckereien und andere Ketten verweigern die Befüllung mitgebrachter Gefäße und rechtfertigen dieses unverständlicherweise mit bestehen Hygienebestimmungen. Die effektivste Variante bleibt weiterhin eine deutliche Reduzierung unseres bestehenden Kaffeekonsums.

Das macht auch Sinn, immerhin spart das wertvolle Ressourcen und eine Menge Geld. Es ist ohnehin unverständlich, warum so viele VerbraucherInnen bereit sind, solche Mondpreise für einen Becher Kaffee zu bezahlen. Schließlich kostet ein solches Getränk meist bis zu vier Euro.
Ich für meinen Teil bleibe weiterhin bei meiner bewährten Thermoskanne - da können die Leute noch so verwundert gucken.

Quellen:
[1] Kaffee in Deutschland - Deutscher Kaffeeverband (01.04.2013 16:53)
[2] Kaffee, der Deutschen liebstes Getränk - Zeit Online (01.04.2013 17:13)
[3] Wie viel Coffee to Müll? - Utopia.de (01.04.2013 17:19)
[4] Die Klimabilanz des „Coffee-to-go“ - Klima sucht Schutz (01.04.2013 18:29)
[5] Coffee-to-go an der Uni - Arbeitskreis Nachhaltige Universität Freiburg (01.04.2013 18:41)

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