Samstag, 13. Juli 2013

Die ewige Preisfrage und unser Kleidungskonsum


Kleidungskonsum: Vielleicht schafft es faire Kleidung irgendwann auch in die Regale konventioneller Kaufhäuser.
Bildquelle: flickr, Ingrid Eulenfan, CC BY-NC-SA 2.0

Fair gehandelte und ökologische Kleidung ist in aller Munde: Eco Fashion auf der Fashion Week in Berlin, immer öfter stellen Modemagazine auch faire Labels vor und nach diversen Skandalen in der Textilindustrie möchten auch Verbraucherinnen und Verbraucher die unmenschlichen Arbeitsbedingungen am anderen Ende der Welt nicht weiter unterstützen.

Es soll sich also etwas ändern, schließlich möchte doch niemand Kleidung aus fragwürdigen Arbeitsverhältnissen tragen. Kinderarbeit, Hungerlöhne von umgerechnet weniger als einem Euro, sexuelle Übergriffe seitens der Aufseher gegenüber Näherinnen, Verbot gewerkschaftlicher Organisation und krankmachende Pflanzenschutzmittel auf den Baumwollfeldern möchte man einfach nicht unterstützen. Das lässt sich mit dem Gewissen eben nicht vereinbaren. Das ist verständlich und zugleich sind eben all diese genannten Missstände längst gängige Praxis in der globalen Textilbranche. Alle namhaften Produzenten lassen unter solchen Bedingungen produzieren. Primark, H&M, C&A, Zara, KiK, Adidas, Nike und viele andere große Hersteller machen das so. Ganz bewusst, mit voller Absicht.

Nicht ohne Grund sind die Kleidungsstücke erstaunlich günstig. Was aus Kinderhänden stammt und/oder unter Berücksichtigung eines unangemessenen Stundenlohns hergestellt wurde, kann eben so billig sein. Wir bekommen es zu Schnäppchenpreisen und den tatsächlichen Preis zahlen letztlich die ArbeiterInnen in den Fabriken und unsere Umwelt. Was im ersten Moment günstig erscheint, muss am Ende mit einem extrem hohen Preis bezahlt werden.
Man kommt dabei ganz leicht in einen Gewissenskonflikt, der sich zunächst nicht so einfach lösen lässt. Immerhin möchte doch niemand, dass Kinder nicht zur Schule gehen können, ArbeiterInnen durch die Insektizide und Pestizide krank werden, Unmengen an Wasser für die Baumwollproduktion verbraucht werden und NäherInnen aufgrund ihrer unmenschlichen Bezahlung nur eine Mahlzeit pro Tag zu sich nehmen können. Auf der anderen Seite hingegen hat man angeblich selbst zu wenig Geld, um sich hochwertigere und faire Kleidungsstücke leisten zu können. Was kann man da schon tun?

Es geht hierbei gar nicht so sehr um arbeitssuchende oder geringverdienende Menschen, sondern eher um jene, die die finanziellen Mittel zur Verfügung haben. Wer beispielsweise auf Sozialhilfe oder ein geringes Ausbildungsgehalt angewiesen ist, wird sicherlich nicht allzu viel Geld für Kleidungseinkäufe beiseitelegen können. Doch auch hier muss deshalb nicht automatisch zu bekannten Kleidungsketten gerannt und die teils qualitativ minderwertigen Textilien gekauft werden. In quasi jeder größeren Stadt gibt es Secondhand-Ladengeschäfte, die oftmals preiswerte Markenware bieten. Meist sind die Teile kaum bis gar nicht getragen und befinden sich dementsprechend in einem einwandfreien Zustand. Günstiger geht es nun wirklich nicht. Des Weiteren kann nicht erwartet werden, dass man mit Kleidungsstücken von Herstellern wie H&M oder Primark lange alt wird. Sie haben eben nur eine begrenzte Lebensdauer, was sie abermals entsprechend billiger macht. Aus diesem Grund ist es ratsam, den eigenen Kleidungskonsum zu reduzieren. Einfach wenig zeitlose Kleidung besitzen, die lange durchhält.

Die Modeketten setzen bewusst auf wechselnde Kollektionen, die aus Farben und Schnittmustern bestehen, die nach kurzer Zeit bereits nicht mehr angesagt sind. Es ist quasi eine indirekte Diktatur: Angesagt ist, was in den Geschäften hängt und wird dann entsprechend gekauft. Aus dieser Mode-Diktatur zu entkommen, gestaltet sich aber auch als durchaus schwierig, weil die allermeisten Modekonzerne nach dem gleichen Prinzip arbeiten. In der Textilbranche sind die VerbraucherInnen unmündig geworden und nehmen das, was man ihnen vorsetzt. Abhilfe wollen hierbei kleinere Labels schaffen, die bewusst auf faire Arbeitsbedingungen, ökologische Stoffe, zeitlose Farben und schlichte Muster setzen. Toodot ist ein solches Label, immerhin wird hier nicht im besagten Kollektionsrythmus produziert, sondern soll das Angebot Schritt für Schritt ausgebaut werden. Wegbegleiter statt Wegwerfware heißt hier das Motto - und das hat Zukunft.

Weniger Kleidung zu konsumieren, ist also stets ratsam. So kann die Umwelt entlastet werden und auch die Verkäufe der gewissenlosen Konzerne gehen zurück. Wer allerdings etwas mehr Geld übrig hat, sollte sich mit fairer Kleidung näher auseinandersetzen. Diverse Labels lassen bereits unter guten Arbeitsbedingungen herstellen, sodass die ArbeiterInnen angemessene Arbeitszeiten und gute Löhne haben, gewerkschaftlich organisiert sind und Kinderarbeit grundsätzlich verboten ist. Darüber hinaus werden nötige Arbeitsrechte eingehalten und durch den Einsatz ökologischer Materialien die Umwelt entlastet.

Faire Kleidung hat mit Ethnomustern und kartoffelsackähnlichen Schnitten längst nichts mehr zu tun, sondern sind die Textilien von konventioneller Mode optisch nicht mehr zu unterscheiden. Es ist gesellschaftsfähig geworden. Qualitativ kann diese Kleidung zumeist mit der von Markenherstellern problemlos mithalten, ist teilweise sogar deutlich besser verarbeitet.
Nun ist oft zu hören, dass faire und ökologische Kleidung unangemessen teuer sei, was faktisch falsch ist. Die Preise liegen teilweise sogar unter denen von Adidas, Nike und Co. Doch bei diesen namhaften Hersteller zahlt man mal eben 100 Euro für ein paar Schuhe ohne mit der Wimper zu zucken. Dabei wird davon ausgegangen, dass der hohe Preis automatisch eine Garantie für gute Arbeitsbedingungen ist. Dem ist natürlich nicht so. Die Kleidung wird unter den gleichen miserablen Bedingungen produziert, teilweise bei den selben Zulieferern. Der hohe Preis freut am Ende nur die Aktionäre, die dann höhere Dividenden einstreichen können. Würde der Stundenlohn der ArbeiterInnen um lediglich einen Euro erhöht werden, müsste der Preis für ein Kleidungsstück nicht steigen, sondern würden die Gewinne der Konzerne sinken. Für die ArbeiterInnen wäre das lebenswichtig.

Textilien aus fairem und ökologischem Handel sind wichtig und richtig, immerhin dürfen wir VerbraucherInnen den Modekonzernen nicht einfach das Feld überlassen und sie weiterhin unter solchen Arbeitsbedingungen produzieren lassen. Wir müssen gerechte und gesunde Bedingungen einfordern. Der Kauf fairer Kleidung ist dafür eine gute Möglichkeit, immerhin reagieren die Konzerne erst, wenn ihre Umsätze einbrechen.

Wer nicht länger die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie unterstützen möchte, sollte sich faire Textilien und Kleidung aus zweiter Hand näher ansehen. Des Weiteren sind wir alle gezwungen unseren Kleidungskonsum zu reduzieren, immerhin werden alleine in Deutschland jährlich mehr als 700.000 Tonnen Altkleidung gespendet, was den Bedarf in Deutschland und selbst in Krisengebieten bei Weitem übersteigt.[1] Wer die Preise von H&M und Co. mit denen von fairen Labeln vergleicht, wird diese Kleidung natürlich zu teuer finden und immer wieder über die Preisfrage sprechen. So wird sich aber nie etwas ändern.
Auch der faire Handel wird nicht all unsere Probleme lösen und weltweite Gerechtigkeit schaffen, aber er schafft eine Alternative zu diesem profitorientieren Streben im Kapitalismus. Soziale Gleichheit und ernstzunehmende Umweltentlastungen lassen sich am Ende nur durch einen Systemwechsel herbeiführen. Bis dahin sollte man sich mal die faire Kleidung angucken. Das macht wirklich Sinn und ist auch gar nicht so teuer.

Quellen:
[1] Soex Group - Infothek (13.07.2013 14:15)

3 Kommentare:

faelis hat gesagt…

Ich kaufe auch ab und an faire Kleidung,2nd Hand oder Vintage. Es möchte sich aber auch nicht jeder zeitlos kleiden..und die Trends bestimmen nicht immer die Läden... ich denke, es ist auch schon viel getan, wenn man manchmal fair kauft.

Thorge Ott hat gesagt…

Hallo Faelis,
vielen Dank für deinen Kommentar. Es ist schön zu hören, dass du bereits ein paar faire und 2nd Hand Textilien besitzt.
Wo liegt für dich dabei der Unterschied zwischen vintage und Kleidung aus zweiter Hand? Hatte echte vintage Kleidung nicht eigentlich immer einen Vorbesitzer?

Natürlich möchte sich aktuell nicht jede/r zeitlos kleiden, was aber langfristig der Umwelt nicht mehr zumutbar ist. Durch wechselnde Kollektionen und Trends werden die Kleiderschränke regelmäßig aussortiert, Kleidungsstücke landen im Müll oder werden auf andere Weise erneut verwendet. Dennoch fallen bereits heute unglaubliche Summen an Altkleidung an, für die es bereits keinen erneuten Bedarf gibt. Wir können uns einen solchen Kollektionsrythmus nicht mehr erlauben, weil dieser die Ausbeutung (sofern es nicht faire Kleidung ist) nur noch verstärkt, ständig neue Baumwolle (sehr hoher Wasserverbrauch) benötigt wird und die stets neu produzierte Ware über den ganzen Globus transportiert werden muss.
Wir kommen also langfristig nicht an zeitloser Kleidung vorbei. Und schlechter aussehen werden wir deshalb auch nicht.

faelis hat gesagt…

Ja stimmt, Vintage ist auch 2nd Hand :) Bei der Trendsache gilt aber oft genug die Devise: Old is gold... wenn Teile aus den 70ern, 80ern, 90ern wieder trendy sind ;) Da muss man per se nichts Neues produzieren, sondern nur in alten Kleiderschränken kramern. Aber was die großen Ketten angeht, hast du Recht.

Ich persönlich glaube, dass es grade in Schnitt, Farben, Stoff individuelle Präferenzen gibt, die jeden Trend überdauern. Also damit meine ich z.B. Style- und Farbtypberatung. Hält man sich an die, kauft man weniger fehl, diesem Trendprozess kann man auch ein bisschen gegensteuern und kann gezielt Lieblingsteile kaufen, die perfekt zu einem passen. Leider lassen sich auf sowas nur wenige ein.

LG

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