Donnerstag, 17. Mai 2012

Grüne Bahncard 25 - Fortschritt oder Greenwashing?


Zukünftig noch klimafreundlicher reisen - ist das wirklich glaubwürdig?
Bildquelle: Screenshot Deutsche Bahn

"Reisen Sie mit 100% Strom aus erneuerbaren Energien quer durch Deutschland" verspricht neuerdings die Deutsche Bahn AG und bewirbt damit ihre neue BahnCard 25, die das Reisen mit der Bahn noch klimafreundlicher machen soll. Wer also eine solche Karte erwirbt, erhält 25 Prozent Rabatt auf den Normalpreis und fährt angeblich ausschließlich mit Ökostrom. Dafür berechnet der Konzern 59 Euro für ein gesamtes Jahr und jeweils monatlich einen Euro Aufpreis, um damit die Mehrkosten für den Ökostrom decken zu können. Somit kostet die grüne BahnCard insgesamt 71 Euro und soll den Strommix der Deutschen Bahn zukünftig umweltfreundlicher machen. Wer bis zum 30.06.2012 bestellt, kann dieses Angebot für 29 Euro (inklusive Ökostrom-Aufpreis) 4 Monate lang testen.

Auf den ersten Blick wirkt dieses Angebot sehr interessant und lobenswert und doch sollte man genauer hinsehen, was tatsächlich dahinter steckt. Schließlich ist Greenwashing momentan in aller Munde und gerade große Konzerne, die weltweit für Hunger, Ausbeutung, Umweltzerstörung und Kriege sorgen, können sich auf diese Weise ein nachhaltiges und verantwortungsvolles Image verpassen. Zunächst bleibt offen, woher der Strom eingekauft wird und in welcher Höhe der Ausbau neuer Anlagen gefördert wird. Außerdem ist es doch ungerechtfertigt, dass den umweltbewussten Kunden die Mehrkosten auferlegt werden sollen, oder?

Um genau solche Fragen beantworten zu können, wurde extra von der DB eine Seite eingerichtet, die Transparenz schaffen soll. Demnach kann jeder Besitzer dieser BahnCard 25 umweltfreundlich reisen und seine eigene Klimabilanz verbessern, weil die DB den durchschnittlichen Energiebedarf von Inhabern dieser Karte ermittelt hat und diese Strommengen aus 100 Prozent erneuerbaren Energien zusätzlich eingekauft werden. Außerdem fördert jeder Besitzer den Zubau von Neuanlagen mit 3 Euro je Megawattstunde. Besonders diese Investitionen sind wichtig, damit nicht nur aktuell Ökostrom bezogen werden kann, sondern auch zukünftig mehr neue Anlagen zur Verfügung stehen.
Aber warum sollte ich jährlich 12 Euro mehr zahlen, wenn die Bahn doch sowieso das umweltfreundlichste Verkehrsmittel ist? - Gewiss eine berechtigte Frage, die man allerdings differenzierter berachten muss. Es stimmt natürlich, dass ein Flugzeug auf der gleichen Strecke 8x und das Auto 6x soviel CO2 wie ein ICE ausstößt und trotzdem ist der Strommix der Deutschen Bahn längst nicht so umweltfreundlich, wie er eigentlich sein müsste. 2011 setzte sich dieser aus 31,8 Prozent Steinkohle, 22,3 Prozent Kernenergie, 21,8 Prozent erneuerbaren Energien sowie 13,4 Prozent Braunkohle zusammen. Außerdem entfallen 9 Prozent auf Erdgas und weitere 1,7 Prozent auf sonstige Energieträger. Ganz offensichtlich ist dieser Mix noch sehr klimaschädlich und basiert zumeist auf fossilen Energieträgern und gefährlicher Atomkraft. Langfristig muss der Konzern seinen Strom ausschließlich aus erneuerbaren Quellen beziehen, um eine Vorreiterrolle einnehmen und das Reisen mit der Bahn wirklich klimafreundlich machen zu können. Deshalb kann die Bahn die Verantwortung nicht ausschließlich auf die Reisenden übertragen, sondern muss auch selbst tätig werden. Noch müssten die Kunden die Mehrkosten für den zusätzlichen Ökostrom selbst tragen, weil die DB diese Aktion als freiwilliges Angebot neben den selbst gesetzten Zielen eingeführt hat. Bis 2020 möchte der Konzern seinen Anteil an erneuerbaren Energien auf mindestens 35 Prozent erhöht haben.

Es klingt irgendwie perfekt, weil jeder umweltbewusste Verbraucher nun noch umweltfreundlicher reisen kann und die breite Masse hier viel bewegen könnte. Doch ganz so schön ist es letztlich doch nicht, weil die DB im Juli 2011 mit dem Stromkonzern RWE einen Milliarden-Deal abgeschlossen hat. Dieser besagt, dass die DB rund 900 Millionen Kilowattstunden Strom aus Wasserkraft für die Jahre 2014 bis 2028 geliefert bekommt und dafür 1,3 Milliarden Euro bezahlt. RWE verdient ganz offen mit Kohle- und Atomstrom und investiert im Ausland weiterhin in sehr unsichere Kraftwerke, die teilweise in erdbebengefährdeten Regionen liegen. Irgendwie doch nicht alles so grün, oder? Zurecht macht sich jetzt Verunsicherung breit und es entsteht ein Konflikt, der nur schwer gelöst werden kann. Natürlich möchte man als umweltbewusster Verbraucher gerne mehr zahlen, wenn damit die Umwelt entlastet werden und man langfristig ein Zeichen setzen kann. Außerdem ist es gewiss ein guter Schritt, wenn ein Konzern den Anteil der erneuerbaren Energien ausbauen möchte und doch passt RWE nicht in dieses ganze Konzept hinein. Warum ausgerechnet ein Vertrag mit diesem Stromkonzern gemacht wurde, lässt sich möglicherweise auf den sehr hohen jährlichen Verbrauch von 16 Terrawattstunden zurückführen. Doch selbst das ist kein ernstzunehmendes Argument.

Offensichtlich finanziert jeder Bahn-Kunde indirekt den Stromriesen RWE, egal ob mit oder ohne dieser BahnCard. Deshalb allerdings die Bahn als Fortbewegungsmittel zu vermeiden, wäre der falsche Weg. Diese neue BahnCard finanziert den Stromkonzern zusätzlich, damit weiterer Ökostrom zugekauft werden kann. Doch so richtig kann auch hier nicht von Ökostrom die Rede sein, weil eben durch den Bezug dieses Stroms auch indirekt Kohle- und Atomstrom mitfinanziert werden. Ich halte diese Aktion letztlich für Greenwashing, weil zu viele Ungereimtheiten auftreten und man als umweltbewusster Konsument zu krasse Kompromisse eingehen müsste. Natürlich werde auch ich weiterhin mit der Bahn reisen, um die Umwelt zu entlasten und doch bin ich nicht bereit für diese angeblich grüne BahnCard zusätzliche Kosten tragen zu müssen. Die Fahrkartenpreise wurden in den letzten Jahren schon auf eine unzumutbare Höhe angehoben, sodass die Leute doch lieber wieder mit dem Auto fahren, was immer noch günstiger ist. Statt also 12 Euro für angebliche Mehrkosten zu verlangen, muss die Deutsche Bahn komplett vergesellschaftet werden und ihren Status als Aktiengesellschaft aufgeben. Die Bürger müssen das Recht auf bezahlbare und umweltfreundliche Mobilität haben, was leider momentan nicht immer gegeben ist. Außerdem sollte der Verkehrskonzern nicht weiter Verträge mit einem kriminellen Konzern wie RWE abschließen, der beispielsweise gegen das Atomausstiegsgesetz der Bundesregierung geklagt hat und weiterhin massiv auf den Ausbau von Kohle- und Atomkraft setzt.

Sollten die Preise für Fahrkarten gesenkt werden und der Konzern seinen Strom ausschließlich von einem echten Ökostromanbieter beziehen, bin auch ich gerne bereit diese angeblichen Mehrkosten zu tragen. Bis dahin möchte ich nicht noch stärker das Image der Deutschen Bahn grün färben und die Geschäftsbeziehung mit RWE aufrechterhalten. Da hilft auch kein Zertifikat vom TÜV SÜD, dass 100 Prozent erneuerbare Energien für alle Karteninhaber sowie den Anlagenausbau garantiert. Die Bahn hat als großer Konzern wirklich eine Chance, etwas zu bewegen. So zumindest wird das allerdings nie klappen...

Dienstag, 15. Mai 2012

"FACE hilft uns aus der Armut heraus zu kommen und ein besseres Leben führen zu können"

Face_VeloCap
Dank FACE konnten sich diese Männer eine neue Existenz aufbauen.

Viele Menschen sind am Busbahnhof von Ntcheu unterwegs und zur gleichen Zeit laufen die Arbeiten im Restaurant "Cheap & Cheap 24/24" auf Hochtouren. Rodigue Dalitso und sein fünfköpfiges Team frittieren irische Kartoffeln in modernen elektrischen Geräten und können somit auf das klassische Frittieren über dem offenen Feuer verzichten. Außerdem können die Gerichte länger warm gehalten werden, der Verkauf kann jetzt sogar in der Nacht weiter laufen und zudem können die Gäste umfunktionierte Getränkekisten als Sitzmöglichkeiten im Restaurant nutzen. "Für die Zukunft wünsche ich mir einen Platz wie diesen - bloß etwas größer - damit ich mehr Jungs einstellen kann, welche nach der Schule etwas zu tun haben", erzählt Rodigue Dalitso. Ermöglicht wurden diese technischen Neuerungen und in Ntcheu einzigartigen Sitzmöglichkeiten durch den gemeinnützigen Verein FACE. Dieser stellte über 350 Euro zu Verfügung, um diese Änderungen finanzieren zu können. Hierbei wird allerdings nicht ausschließlich mit Spendengeldern gearbeitet, sondern erhält der Unternehmer dieses Geld in Form eines Darlehens, der mit 1% Zinsen zu einem späteren Zeitpunkt zurückgezahlt werden muss. Neben normalen Spenden kann jeder somit einen Darlehen von mindestens 25 Euro für ein Projekt seiner Wahl zur Verfügung stellen, um so gute Geschäftsideen in wirtschaftlich extrem schwachen Regionen fördern zu können. Denn gerade hier möchten gut geschulte Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, was oft an den fehlenden finanziellen Mitteln scheitert.

"Im Prinzip sollen die Darlehen dem Darlehengeber wieder zurück gezahlt werden, mit der Hoffnung erneut ein Darlehen an ein weiteres Projekt zu investieren. Wenn man es als Kapitalanlage mit "sozialer Rendite" (ohne finanzieller Rendite) sehen möchte, ist es eine. Doch wir versuchen immer auf den Menschen und die Hilfestellung hinzuweisen, denn diese sollten die Motivation zum Geben sein.", macht Edgar Frey, Mitbegründer und Vorsitzender des Vereins, deutlich. Diese Zinsen in Höhe von 1 % verbleiben im Verein und werden zum Beispiel für weitere Projekte verwendet. "Jedoch muss hierbei angemerkt werden, dass diese Zinsen nur einen psychologischen Charakter haben, da der malawischen Bevölkerung der Gedanke vermittelt werden soll, das Geld nicht geschenkt zu bekommen. Diese Herangehensweise hat uns gezeigt, dass mehr als 90% der Gruppen ihr Darlehen zurück gezahlt haben.", fügt Frey hinzu.

FACE verfolgt somit einen gänzlich anderen Ansatz, als viele weitere Hilfsorganisationen und Vereine. Den Menschen soll also nicht in Form von kurzfristigen Zuwendungen geholfen werden, sondern durch langfristige Mittel, um ihnen eine ausreichende Selbstversorgung zu ermöglichen. "Hilfe zur Selbsthilfe" heißt dieser Ansatz und zielt darauf ab, dass gut geschulte angehende Existenzgründer finanziell unterstützt werden, die dann längerfristig erfolgreiche Unternehmen gründen oder ihre Unternehmung ausbauen, um die dortige Wirtschaft ankurbeln und somit mehr Kaufkraft sowie neue Arbeitsplätze schaffen zu können. Der Verein beschäftigt derzeit zwei Vollzeitmitarbeiter in Malawi, die die Projekte auch nach erfolgreicher Übergabe des Darlehens betreuen, den korrekten Ablauf gewähren und zugleich vor Ort neue Projektideen erschließen. Alle Mitarbeiter in Deutschland arbeiten ehrenamtlich und erhalten für ihre Arbeit kein Geld.
Zuvor besuchen die dazugehörigen Personen ein von FACE finanziertes sogenanntes Entrepreneurshipcenter, bei welchem sie optimal geschult werden und direkt nach dem Abschluss mit der Unternehmensidee durchstarten können. Die dafür nötigen Lehrkräfte werden vor Ort von den zwei Regionalleitern ausgewählt und erhalten ein Gehalt, dass je nach Länge der Zusammenarbeit mit FACE variiert.

Nachdem die VeloCab-Gruppe ihre theoretische Ausbildung im Entrepreneurshipcenter von FACE erfolgreich absolviert hatte, merkten alle Teilnehmer schnell, dass sich dadurch viele Türen für sie geöffnet haben. VeloCab ist ein Fahrradtaxi-Unternehmen, dass von mehreren jungen Menschen gegründet wurde und Dank der finanziellen Hilfe vom gemeinnützigen Verein bereits vor etwas mehr als einem Jahr speziell umgebaute Fahrräder mit Licht, Klingeln und Seitenspiegeln angeschafft werden konnten, um damit Personen und Gegenstände transportieren zu können. Derzeit besteht die Gruppe aus 10 Mitgliedern, die alle ihr eigenes Fahrrad besitzen und damit täglich Menschen und Güter bewegen. Außerdem konnten auch die Motorradführerscheine bereits komplett finanziert werden, sodass das kleine Unternehmen zukünftig effektiver mit Motorrädern arbeiten kann. Auch diese können hoffentlich schon bald durch weitere Kapitalgeber ermöglicht werden. Die durch das Unternehmen erwirtschafteten Mittel werden gerecht unter den Jungunternehmern aufgeteilt, wobei zusätzlich noch Rücklagen gebildet werden, um eine Sicherheit für das Unternehmen zu schaffen. Die Taxifahrer sind sichtlich zufrieden und dankbar für die Arbeit des Vereins: "FACE hilft uns aus der Armut heraus zu kommen und ein besseres Leben führen zu können." Es zeigt sich auch hier sehr deutlich, warum diese Hilfe effektiv ist und wirklich bei den Menschen ankommt.

Dieser Ansatz von Hilfe ist sinnvoll und unterstützenswert. Einige Projekte und damit verbundene gute Ideen warten noch auf soziale Kapitalgeber, die durch ihre Zuwendungen neue Chancen ermöglichen. Weitere Informationen sind direkt bei FACE // FACE auf Facebook zu finden.

[Bilder bitte anklicken, um eine größere Ansicht zu erhalten // Bilder stammen von FACE direkt]

Mittwoch, 2. Mai 2012

300 nahmen an 1. Mai Vorabenddemo in Kiel teil


Demonstranten gingen für ein gerechteres Wirtschaftssystem auf die Straße

Ein angenehm warmer Montagabend war es, als sich bis zu 300 Menschen in der Holtenauer Straße/Ecke Waitzstraße in Kiel zusammenfanden. Unter dem Motto "Geschichte wird gemacht - Kapitalismus zu Geschichte machen" hatten verschiedene antifaschistische Gruppen zur revolutionären und antifaschistischen 1. Mai Vorabenddemo aufgerufen.

Gegen 17:30 Uhr setzte sich der Demozug durch die Kieler Innenstadt bis zur Alten Meierei in Bewegung. Aus dem Lautsprecherwagen wurde zur Beteiligung an der 1. Mai Demonstration in Neumünster aufgerufen. Zudem machten verschiedene Redner deutlich, dass der Kapitalismus für unsoziale Beschäftigungsverhältnisse und eine ungerechte Vermögensverteilung verantwortlich ist. Außerdem thematisierte man die rassistische EU-Flüchtlingspolitik und den 1. Mai als Tag der Arbeit.

Insgesamt wirkte die Demonstration bis zu dem Zeitpunkt friedlich, als verschiedene Demonstranten plötzlich bengalische Feuer und Böller zündeten, die wahllos durch die Innenstadt geworfen wurden und Passanten gefährdeten. Aus dem Lautsprecherwagen kam lediglich die Aufforderung, dass aufgepasst werden soll, wohin die Feuerwerkskörper geworfen werden. Solche Aktionen können einfach nicht toleriert werden und liefern den Medien doch nur einmal mehr das gewünschte Material, was zur Erhaltung von Klischees benötigt wird. Gewalt darf kein Mittel der Politik sein und verschreckt außenstehende Bürger, sodass man nicht mehr effektiv auf seine politischen Ziele aufmerksam machen kann.

Zur Verwendung der Bilder: Die Bilder stehen unter der CC-BY-SA Lizenz. Das bedeutet: Die Bilder dürfen verbreitet und auch nach freien Wünschen bearbeitet werden. Auch für kommerzielle Projekte stehen diese Bilder kostenlos zur Verfügung. Wichtig: Mein Name und der direkte Link zum Blog muss stets mit angegeben werden. Weitergabe der Bilder bitte nur unter gleichen Bedingungen!

 
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