Dienstag, 15. Mai 2012

"FACE hilft uns aus der Armut heraus zu kommen und ein besseres Leben führen zu können"

Face_VeloCap
Dank FACE konnten sich diese Männer eine neue Existenz aufbauen.

Viele Menschen sind am Busbahnhof von Ntcheu unterwegs und zur gleichen Zeit laufen die Arbeiten im Restaurant "Cheap & Cheap 24/24" auf Hochtouren. Rodigue Dalitso und sein fünfköpfiges Team frittieren irische Kartoffeln in modernen elektrischen Geräten und können somit auf das klassische Frittieren über dem offenen Feuer verzichten. Außerdem können die Gerichte länger warm gehalten werden, der Verkauf kann jetzt sogar in der Nacht weiter laufen und zudem können die Gäste umfunktionierte Getränkekisten als Sitzmöglichkeiten im Restaurant nutzen. "Für die Zukunft wünsche ich mir einen Platz wie diesen - bloß etwas größer - damit ich mehr Jungs einstellen kann, welche nach der Schule etwas zu tun haben", erzählt Rodigue Dalitso. Ermöglicht wurden diese technischen Neuerungen und in Ntcheu einzigartigen Sitzmöglichkeiten durch den gemeinnützigen Verein FACE. Dieser stellte über 350 Euro zu Verfügung, um diese Änderungen finanzieren zu können. Hierbei wird allerdings nicht ausschließlich mit Spendengeldern gearbeitet, sondern erhält der Unternehmer dieses Geld in Form eines Darlehens, der mit 1% Zinsen zu einem späteren Zeitpunkt zurückgezahlt werden muss. Neben normalen Spenden kann jeder somit einen Darlehen von mindestens 25 Euro für ein Projekt seiner Wahl zur Verfügung stellen, um so gute Geschäftsideen in wirtschaftlich extrem schwachen Regionen fördern zu können. Denn gerade hier möchten gut geschulte Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, was oft an den fehlenden finanziellen Mitteln scheitert.

"Im Prinzip sollen die Darlehen dem Darlehengeber wieder zurück gezahlt werden, mit der Hoffnung erneut ein Darlehen an ein weiteres Projekt zu investieren. Wenn man es als Kapitalanlage mit "sozialer Rendite" (ohne finanzieller Rendite) sehen möchte, ist es eine. Doch wir versuchen immer auf den Menschen und die Hilfestellung hinzuweisen, denn diese sollten die Motivation zum Geben sein.", macht Edgar Frey, Mitbegründer und Vorsitzender des Vereins, deutlich. Diese Zinsen in Höhe von 1 % verbleiben im Verein und werden zum Beispiel für weitere Projekte verwendet. "Jedoch muss hierbei angemerkt werden, dass diese Zinsen nur einen psychologischen Charakter haben, da der malawischen Bevölkerung der Gedanke vermittelt werden soll, das Geld nicht geschenkt zu bekommen. Diese Herangehensweise hat uns gezeigt, dass mehr als 90% der Gruppen ihr Darlehen zurück gezahlt haben.", fügt Frey hinzu.

FACE verfolgt somit einen gänzlich anderen Ansatz, als viele weitere Hilfsorganisationen und Vereine. Den Menschen soll also nicht in Form von kurzfristigen Zuwendungen geholfen werden, sondern durch langfristige Mittel, um ihnen eine ausreichende Selbstversorgung zu ermöglichen. "Hilfe zur Selbsthilfe" heißt dieser Ansatz und zielt darauf ab, dass gut geschulte angehende Existenzgründer finanziell unterstützt werden, die dann längerfristig erfolgreiche Unternehmen gründen oder ihre Unternehmung ausbauen, um die dortige Wirtschaft ankurbeln und somit mehr Kaufkraft sowie neue Arbeitsplätze schaffen zu können. Der Verein beschäftigt derzeit zwei Vollzeitmitarbeiter in Malawi, die die Projekte auch nach erfolgreicher Übergabe des Darlehens betreuen, den korrekten Ablauf gewähren und zugleich vor Ort neue Projektideen erschließen. Alle Mitarbeiter in Deutschland arbeiten ehrenamtlich und erhalten für ihre Arbeit kein Geld.
Zuvor besuchen die dazugehörigen Personen ein von FACE finanziertes sogenanntes Entrepreneurshipcenter, bei welchem sie optimal geschult werden und direkt nach dem Abschluss mit der Unternehmensidee durchstarten können. Die dafür nötigen Lehrkräfte werden vor Ort von den zwei Regionalleitern ausgewählt und erhalten ein Gehalt, dass je nach Länge der Zusammenarbeit mit FACE variiert.

Nachdem die VeloCab-Gruppe ihre theoretische Ausbildung im Entrepreneurshipcenter von FACE erfolgreich absolviert hatte, merkten alle Teilnehmer schnell, dass sich dadurch viele Türen für sie geöffnet haben. VeloCab ist ein Fahrradtaxi-Unternehmen, dass von mehreren jungen Menschen gegründet wurde und Dank der finanziellen Hilfe vom gemeinnützigen Verein bereits vor etwas mehr als einem Jahr speziell umgebaute Fahrräder mit Licht, Klingeln und Seitenspiegeln angeschafft werden konnten, um damit Personen und Gegenstände transportieren zu können. Derzeit besteht die Gruppe aus 10 Mitgliedern, die alle ihr eigenes Fahrrad besitzen und damit täglich Menschen und Güter bewegen. Außerdem konnten auch die Motorradführerscheine bereits komplett finanziert werden, sodass das kleine Unternehmen zukünftig effektiver mit Motorrädern arbeiten kann. Auch diese können hoffentlich schon bald durch weitere Kapitalgeber ermöglicht werden. Die durch das Unternehmen erwirtschafteten Mittel werden gerecht unter den Jungunternehmern aufgeteilt, wobei zusätzlich noch Rücklagen gebildet werden, um eine Sicherheit für das Unternehmen zu schaffen. Die Taxifahrer sind sichtlich zufrieden und dankbar für die Arbeit des Vereins: "FACE hilft uns aus der Armut heraus zu kommen und ein besseres Leben führen zu können." Es zeigt sich auch hier sehr deutlich, warum diese Hilfe effektiv ist und wirklich bei den Menschen ankommt.

Dieser Ansatz von Hilfe ist sinnvoll und unterstützenswert. Einige Projekte und damit verbundene gute Ideen warten noch auf soziale Kapitalgeber, die durch ihre Zuwendungen neue Chancen ermöglichen. Weitere Informationen sind direkt bei FACE // FACE auf Facebook zu finden.

[Bilder bitte anklicken, um eine größere Ansicht zu erhalten // Bilder stammen von FACE direkt]

1 Kommentare:

Sabine hat gesagt…

Sehr interessanter Beitrag! In dem Kontext kann ich auch nur kiva.org empfehlen, was im Grunde das gleiche Konzept hat (Mikrokredite vergeben). Und noch einen großes Lob, ich lese deinen Blog wirklich sehr gerne. Gut fundiere und aufbereitete Einträge, weiter so :)

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