Montag, 8. August 2011

Ganz schön ruhig im AKW-Land Deutschland

Mahnwache gegen Atomkraft Hannover 2011 (7)
Vor wenigen Monaten sind die Leute noch gegen Atomkraft auf die Straße gegangen - So wie im März 2011 in Hannover.
Bildquelle: By Benjamin Radzun from Germany (Anti-AKW-Mahnwache Hannover) [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Gegen Atomkraft sind Menschen schon vor über 40 Jahren auf die Straßen gegangen, weil sie wussten, was sich für eine Gefahr hinter dieser Stromversorgung verbirgt. Egal, ob in Brokdorf am AKW-Zaun, bei der Blockade des Castor-Transports im Wendland oder beim Anti-AKW-Spaziergang im eigenen Ort - Der Protest war stets standhaft und kreativ. Es gab schließlich auch genügend Gründe für diesen Widerstand, da bereits im Jahr 1957 in der russischen Kerntechnischen Anlage Majak mehrere Unfälle zum Austreten sehr großer Mengen radioaktiver Substanzen geführt haben. 22 Jahre später kam es zur Kernschmelze im Reaktorblock 2 im Atomkraftwerk Three Mile Island. 1986 Jahr ereignete sich dann die Katastrophe von Tschernobyl, die vielen Leuten heute noch im Gedächtnis bleibt.
Diese Katastrophen kosteten vielen Menschen das Leben, sorgten für deutlich höhere Krebsraten und Missbildungen bei Kindern.
Erreichen konnte die Anti-AKW-Bewegung in dieser Zeit nur wenig, da von Seiten der Politik keine ernsthaften Maßnahmen kamen, um einen schnellen Ausstieg aus der Atomkraft erzielen zu können. CDU, SPD, FDP und andere konservative Kräfte wehrten sich die gesamten Jahre gegen einen frühzeitigen Ausstieg und ignorierten die Forderungen der Bewegung. Damals wie heute lieferte man Argumente wie "Atomkraft ist sicher und günstig" oder "Atomkraft ist klimafreundlich".
Trotzdem war - besonders bei der Mehrzahl der deutschen Gesellschaft - zu spüren, dass es nie mehr eine Katastrophe wie Tschernobyl geben sollte. Verhindern konnte es keiner der Bürger, weshalb man jeden Tag erneut hoffen musste. Hoffen, dass nicht auch noch in einem deutschen Atomkraft der Super-GAU eintreten wird.
Dann kam es aber ganz ähnlich, als am 11. März 2011 die Unfallserie im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi begann. Täglich bekamen wir die Fernsehbilder zu sehen, wurden per Liveticker über neue Vorfälle informiert und mussten von allen Seiten hören, wie schlimm diese Katastrophe doch ist. Plötzlich sprach das ganze Land wieder über Atomkraft und dessen Auswirkungen. Wir mussten mit ansehen, wie die Betreiberfirma Tepco die ganze Situation herunterspielte und verharmloste. Dabei kam es zu einem Ölbrand im Reaktorblock 3, der weitere Schäden am Reaktorgebäude verursachte. Gleichzeitig konnten die Brennelemente nur notdürftig gekühlt werden und die gesamte Zeit über trat gefährliche radioaktive Strahlung aus. Um den Schaden dabei in Grenzen zu halten, setzte Tepco Arbeiter ein, die aus finanziellen Gründen diese Stellen annehmen mussten oder Analphabeten waren. Sie wurden direkt zum Atomkraftwerk geschickt, obwohl klar war, dass die austretende Strahlung tödlich war. Tepco nahm dieses bewusst in Kauf und besiegelte den Tod vieler tapferer Menschen. Noch immer ist die Umgebung des Atomkraftwerks verstrahlt, Wälder und Merre sind kontaminiert und auch für die Menschen in Japan ist es eine gesundheitliche Bedrohung. Für viele Jahre werden japanische Produkte also verseucht sein - Produkte, die auch in Deutschland zu kaufen sind.
Bereits am 11. März formierten sich spontan die ersten Mahnwachen in deutschen Städten, die unglaublichen Zuspruch verzeichnen konnten. Anti-AKW-Bündnisse riefen zu spontanen Mahnwachen am Montag auf, Bürger wechselten ihren Stromanbieter und auch die Kanzlerin geriet stärker unter Druck. Schließlich hat Angela Merkel vor der Katastrophe beteuert, dass Atomkraft sicher und der im September 2010 beschlossene Atomkompromiss eine Revolution sei. Vor Fukushima störten sich nur eingefleischte Atomkraftgegener an den Aussagen der Kanzlerin. Plötzlich, wo Fukushima in den Köpfen vieler Menschen angekommen war, stand Merkel unter unglaublichem Druck, weshalb sie ein Moratorium verhängte. Ein durchaus geschickter Plan, um vor den damaligen Landtagswahlen die Wähler zu beruhigen. Das es lediglich Wahlkampftaktik war, stellte sich am Ende des Moratoriums schließlich heraus.

Bis zum Mai 2011 fanden regelmäßig gut besuchte Demos gegen Atomkraft statt und man merkte, dass in Deutschland eine Aufbruchstimmung herrschte: "Raus aus dieser unsicheren Energieversorgung" oder so ähnlich. Tausende gingen in diesen 3 Monaten auf die Straßen, um den Opfern von Fukushima zu gedenken, die Stromkonzerne zu kritisieren und um die Taktik der Kanzlerin zu tadeln. Plötzlich trugen LINKE, SPD und Grüne gemeinsam Anti-Atomkraft Transparente und kämpften für ein gemeinsames Ziel. Endlich war sich die Mehrzahl der Bürger einig und konnte dieses friedlich verdeutlichen.
Doch dann kam es, wie es eben kommen musste. Fukushima war für die Medien immer uninteressanter und somit verschwand es auch schnell aus den Köpfen der Menschen. Schon hatte die schwarz-gelbe Regierung die nächste Idee parat: Das letzte Atomkraftwerk soll 2022 vom Netz gehen, was gewiss als Erfolg gefeiert werden darf. Gleichzeitig hat dieses aber auch zur Folge, dass neun Kernkraftwerke - bei sinnvollem Reststrommengen-Management - erst 2022 vom Netz gehen. 11 Jahre gefährliche Strahlung und neuer radioaktiver Müll, der noch in tausenden Jahren strahlen wird. Gerade nach der Katastrophe von Fukushima ist dieses Ausstiegsdatum viel zu spät gewählt. Im Bundestag wurde dieses Ausstiegsgesetz von allen Parteien außer der Linkspartei beschlossen, selbst die Grünen stimmten für das Gesetz. Auch die Bürger sind mehrheitlich zufrieden mit diesem Beschluss, da jetzt ein Ende der Atomkraft zu sehen ist. Ein Ende, dass viel zu spät kommt, zumal niemand weiß, was 2022 noch kommen wird. Gesetze lassen sich wieder ändern.
Deshalb ist es auch kein Wunder, wenn im Juni lediglich 200 Demonstranten die Revisionsarbeiten im AKW Brokdorf erfolgreich blockierten. Erwähnenswert ist, dass es sich bei diesen Demonstranten überwiegend um linksgrüne Aktivisten handelte, die ohnehin eine gefestigte Meinung haben.
Von den normalen Bürgern, die sich während Fukushima an Demos beteiligten, ist seit dem Ende des Moratoriums und dem Beschluss des Ausstiegsgesetzes nichts mehr zu sehen. Sie akzeptieren diesen Beschluss und feiern das Ende der Atomkraft.
Wir werden ja sehen, was in den nächsten 11 Jahren noch an Störfällen, GAUs und Atommüll-Problemen auf uns zukommen wird.

Es ist eben wieder Ruhe im AKW-Land Deutschland eingekehrt. Schwarz-gelb hat das schreiende Baby erneut beruhigen können. Toll, oder?

1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Du sagst es ich finde deine Einstellung Super !
Mach weiter so geh in die Politik du kannst ein ganz großer werden und Deutschland den Arsch retten kannst stolz auf dich sein

mfg Anonymus (:

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